Donnerstag, 4. Februar 2010

Jesuit Köster: "Die Opfer haben Vorfahrt"

Heute lese ich seit einer Woche die ersten, für mich persönlich inhaltlich und emotional nachvollziehbaren Zeilen eines Jesuiten zu diesen ganzen Ereignissen. Es handelt sich um die Einschaetzungen von Rektor Wendelin Köster, selbst ein enger Freund von Bernhard Ehlen. Saetze wie diese mögen zwar nicht gefallen, aber sie erklaeren, was bis heute Doktrin innerhalb des Ordens war:


Rektor Köster, auch er 70 Jahre alt, kennt Bernhard E. seit vielen Jahren. Am Donnerstag reagiert er unmittelbar und beruft für Freitag eine Vollversammlung ein: Rektorat, Lehrkörper, Studenten. "Ich werde mich allen Fragen stellen", verspricht er. Und gibt zugleich für die Debatte das Motto aus: "Die Opfer haben Vorfahrt jetzt."


Genau im "Jetzt" aber liegt das größte Problem. Denn auch Köster weiß, dass der Orden über viele Jahre Missbrauchsfälle in seinen Reihen nicht aufgearbeitet, sondern verdrängt hat. "Die Perspektive war nicht auf den Respekt vor den Opfern gerichtet", heißt seine vorsichtige Formulierung. Und der Jesuit versucht das lange Schweigen im Orden zu erklären: Man habe versucht, in den bekannt gewordenen Fällen "eine Vereinbarung" mit den Opfern zu schließen – letztlich, das glaubt zumindest Köster, um beide Seiten zu schützen, Opfer und Täter.  


Man sagte damals: "Das wächst sich aus.".... weiter zum ganzen Beitrag aus der Frankfurter Rundschau


Aus meiner Sicht wird hier zum ersten Male überhaupt versucht darzulegen, unter welchen Rahmenbedingungen das möglich war, was wir heute Taeter schützen oder Taten vertuschen nennen.


Auch wenn diese Haltung schwer nachzuvollziehen ist, bringe ich Herrn Köster grössten Respekt entgegen. Er nimmt als Jesuit, als jemand der keinen Hehl daraus macht, "dabei" gewesen zu sein, Stellung, ohne andere zu beschuldigen oder sich in eine Sonderposition zu manövrieren. Das braucht Mut und gleichzeitig sehe ich dies als ein Zeichen von wirklicher Grösse. 

Er erklaert, wie damals gedacht wurde und ich füge an, wie scheinbar scheinbar nicht wenige  Verteter  bis heute denken. Herr Köster gehört zweifellos nicht  dazu. Sein Gesinnungswandel erscheint mir glaubhaft und uneigennützig.

Geht das nur mir so?


1 Kommentar:

  1. Ich kann hier keine Größe erkennen. Jahrelang werden Opfer hingehalten, um Verjährung zu erreichen.
    Sofortige Schließung des Canisius Kollegs bis zu lückenlosen Aufklärung der Vergewaltigungen
    Ermittlung möglicher aktueller Täter und Taten
    Entbindung der Priester von pädagogischen Aufgaben bis zu Aufklärung aller Verbrechen

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