Mittwoch, 27. Juli 2011

Oslo: nach den ersten Erkenntnissen...

…lohnt sich eine detailliertere Auseinandersetzung mit „dem Irren“ aus Norwegen, der möglicherweise ein sehr kalt berechnender, beziehungsloser und deswegen die Realität gegen die Internetwelt austauschender junger Mann ist. Es kam aber der Zeitpunkt, in welchem er in die Realität zurückkehren musste, um seinen Plan zu verwirklichen. Das hat er auf abscheuliche Weise getan. Nur so kann die Saat aufgehen, wenn wir beim Beispiel des „Kleinbauern“ bleiben wollen, der er ja zu sein vorgab. Die Detonation hat weltweit stattgefunden, den Rest besorgt wieder das Internet, dies die Projektanlage des Extremisten.



Knights Templar 2083
So der Titel seiner Vision, einem 1500 Seiten starken Papier, welches er vor dem Attentat an seine 7000 facebook-Fans verschickt hat und um dessen Übersetzung in verschiedene Sprachen er bittet. Wenn man nun 2083 als Jahreszahl annimmt, wäre es wohl so, dass er sich nicht in der Lage sieht, diese Pläne in seinem Leben umzusetzen, sondern Andere damit beauftragen möchte. Er sieht sich also als Mentor einer neu entstehenden Bewegung, das Massaker ein Startschuss für die Einleitung des von ihm gewünschten Umschwungs. Also nicht nur Mentor, auch Held, noch mehr…

Der Märtyrer
Der wohl wichtigste Teil seines Planes ( man verstehe mich nicht falsch, ich spreche aus der Sicht des Täters) dürfte darin bestanden haben, nach diesem Gemetzel lebend gefasst zu werden. So liess er sich auf keinerlei Widerstand gegen die Polizei ein, wurde festgenommen und kann nun von Mitläufern oder Sympathisanten weiter bewundert werden, kann seine mögliche Anhängerschaft mehren. Ein deutlicher Hinweis auf diese Strategie ist der Wunsch des Verhafteten, dass bereits Anhörungen öffentlich stattfinden sollen. Möglich, dass er ansonsten schweigt,aus Protest darüber, dass die Öffentlichkeit seine „wahren Gründe“ für diese Tat nicht erfährt. Er sucht sich also eine Plattform, um weiter und legal sein Gedankengut verbreiten zu können. Wird ihm diese nicht gewährt, werden sich seine Anhänger aus den Verschwörungsforen, die er sehr schnell haben wird, rühren…

Die Opfer
Sie sind für den Täter völlig unwichtig. Es ging um den grösst möglichen Schaden, um möglichst viele Tote. Je mehr Opfer, um so grösser das Medienecho. So gesehen hat sich diese Insel förmlich aufgedrängt. All das zeigt, dass der Mann sehr klar denken, planen und handeln kann, selbst wenn da noch Hintermänner oder Helfer zum Vorschein kommen sollten, wovon ich allerdings nicht ausgehe.
Vor allem die Killerei auf der Insel muss ebenfalls genau betrachtet werden: Der Mann entscheidet sich, 90 oder mehr Menschen wahllos abzuknallen, damit er seine Vision von einer neuen (christlichen!!!) Welt der breiten Öffentlichkeit mitteilen kann. Je mehr Opfer, desto stärker der Lautsprecher. Andere Überzeugungsarbeit schien ihm zu mühsam.
So tickt der Mann offenbar.

Die Behörden:
Sie werden sich zwei heiklen Fragen stellen müssen:
Der Polizeieinsatz auf der Insel fand 90 Minuten nach den ersten Schüssen und der Alarmierung statt. Eine unglaublich lange Zeit, welche da verstrichen ist. Helikopter nicht einsatzbereit und organisieren eines Schiffes um auf die Insel zu kommen, werden als Gründe für diese Verspätung angeführt.
Der Extremist hat via eine oder mehrere Bestellungen beim selben Händler total 6 Tonnen eines Düngers bestellt, der in dieser Menge niemals verwendet wird. Der Händler hat daraufhin die Polizei informiert. Scheinbar wurde der Hinweis nicht ernst genommen.

Wie weiter?
Natürlich tauchen jetzt wieder jede Menge Forderungen nach Internetkontrolle, besserer Ahndung von dubiosen Inhalten usw. auf. Klar, das ist genau das System, auf welchem der Extremist aufbaut. Sicher steht irgendwo in seinem Pamphlet, dass Verfolgung durch den Staat, Verbot der Vision 2083 etc. die Bewegung nur stärker machen würden und die Anhänger erst dadurch zu einer verschworenen Gemeinschaft würden… Womit er dann ja Recht hätte, was den ersten Teil seiner Aussage betrifft… So werden Legenden gebildet.

Ich hatte heute morgen bezüglich Umgang mit dem Täter einen völlig anderen Gedanken: Wie stark ist die Persönlichkeit dieses Menschen wirklich? Ich würde mir wünschen, die Gesetze liessen es zu, ihn täglich mit einem 60-Minuten Video eines Opfers und dessen Familie zu konfrontieren. Damit ist er neben Einvernahmen und Verhandlungen für die nächsten 90 Tage mit seinem Abstecher in die Realität sehr unmittelbar konfrontiert und ich bin mir ziemlich sicher, dass dies nicht spurlos an ihm vorbei gehen wird. Denn selbst in eine andere Ecke schauen, die Hände vor die Augen halten etc. sind ja Reaktionen, welche nicht dem entsprechen, was er vorgibt zu sein. Auch der hämische Spott auf die Opfer ist nur eine Staffage, darunter passiert was Anderes.
Ich würde mir wünschen, diese Massnahme könnte sofort eingeleitet werden und zwar bevor irgendeine Diagnose wegen Bewusstseinsspaltung oder sonstigen psychischen Gebrechen ihn für verhandlungsunfähig erklären wird.

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