Sonntag, 30. Oktober 2011

Syrien: Noch einer, der die Zeichen der Zeit nicht erkennt

Die innenpolitische Entwicklung der letzten Monate in Syrien zeigen deutlich, dass sich da ein weiterer Führer eines arabischen Landes geistig einzubunkern beginnt, die Realitäten nicht mehr zu erkennen scheint.


Syrien, ein Land mit Bodenschätzen, welche jedoch langsam versiegen und trotz des Erdölbooms der vergangenen Jahrzehnte lediglich ein Pro-Kopf-Einkommen von rund 2500 Dollar ausweist, befindet sich seit nunmehr 6 Monaten im Ausnahmezustand.


Im Zuge der Revolutionen in Tunesien und Aegypten, begann sich auch in diesem Lande die Opposition hör- und sichtbar gegen den seit Jahrzehnten herrschenden Familienclan der Assads aufzulehnen. Seither wiederholen sich trotz rigorosester Sanktionen der Regierung jeden Freitag dieselben brutalen Szenen. Im Anschluss an die Freitagsgebete werden Demonstrationen mit härtester Gewalt und einem entsprechenden Blutzoll durch  Militär und Polizei aufgelöst. Bisher gab es über  3000 Tote.

Obwohl selbst im Militär vereinzelt die Solidarität zu Assad bröckelt, spielt dieser weiterhin den grossen, unantastbaren Herrscher. Neuerdings will er damit auch den Westen beeindrucken und damit die Nato von einer möglichen Intervention abhalten. Er prophezeit bei einem allfälligen Einmarsch "10 Afghanistan", will damit sagen, dass die Region völlig unstabil wird.

Dabei verkennt er, dass das Land selbst inzwischen auch in der arabischen Welt zu grossen Teilen isoliert ist. Die Türkei hat sich schon vor Wochen sehr deutlich von Assad distanziert und beginnt, Oppositionelle und Verfolgte zu schützen, während Assad diese Leute als Terroristen bezeichnet. Die arabische Liga mahnt ein Ende dieser Staatsgewalt an, was der Präsident als Fehlbeurteilung, basierend "auf Lügen  von aufgestachelten Fernsehsendern" zurückweist.

Nicht zu vergessen ist: Es waren syrische Sender, welche bis zuletzt als Sprachrohr Gaddafis fungierten, nachdem dieser im eigenen Lande schon längst sämtlichen Einfluss über die Medien verloren hatte. Anders sieht es  in Syrien selbst aus: Hier versucht Assad, sämtliche Medienarbeit, aber auch die Internet-Kanäle auszuschalten. Journalisten berichten schon längst nicht mehr aus dem Lande und so bleibt Vieles, was im Lande passiert, weitgehend im Dunkeln oder kann nicht überprüft werden. Sicher ist: Der Herrscher regiert derzeit gegen grosse Teile seines Volkes. Folglich muss es nun darum gehen, diese Opposition völlig auszuschalten und dies, ohne dass die Weltöffentlichkeit allzuviel mitkriegt.

Was der Vater des heutigen Herrschers 1982 mit dem Massaker von Hama verbrecherisch durchsetzte, scheint sein Sohn, über einen viel längeren Zeitraum angesetzt, aber letztlich mit demselben Ziel, genau so anzustreben: Die Kräfte physisch ausschalten, welche mit der jetzigen Regierung nicht einverstanden sind.

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