Freitag, 11. November 2011

EU-wie weiter? Ein Gemischtwarenladen

Wer in den letzten Tagen die Fülle der Meldungen zur gegenwärtigen Krise etwas aufmerksamer betrachtet hat, kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Es ist ja nachvollziehbar, dass jedes Thema verschieden betrachtet und gewertet werden kann. Das nennt man Meinungsfreiheit. Die Frage ist, ob diese Einschätzungen aus dem Zentrum der Macht oder durch Aussenstehende erfolgen.

Die aktuelle Krise wird von Journalisten ausführlich kommentiert. Noch viel präsenter sind jedoch die Statements der verschiedensten Politiker aus der EU und den einzelnen Ländern. LeserInnen, vor allem aber Anleger und Finanzwelt werden dabei  politischen Aussagen ihre besondere Aufmerksamkeit und Priorität zukommen lassen.

Beispiel Griechenland, wo die neue Regierung inzwischen stehen soll:

Interessant ist das alles vor dem Hintergrund, dass nirgendwo eine Strategie kommuniziert wird, sondern nur alle panisch in der Gegend rumschreien und dabei übersehen, dass es Leitungsgremien der EU sind, welche diese Entscheide tatsächlich zu fällen haben werden. Einschränkend und erschwerend: Teilweise sind Parlamentsbeschlüsse in den Mitgliedsländern Voraussetzung.



In Italien schaut das anders aus, da hängt noch Vieles in der Luft. Entsprechend bunt die Kakaphonie:

So könnte man ganze Seiten mit Links füllen und staunen, wie es einzelne Politiker fertig bringen, die Öffentlichkeit innerhalb von 24 Stunden mit einer solchen Vielfalt von sich selbst widersprechenden Aussagen zu füttern. Natürlich, es sind oft Zeitungen, welche titeln, dies müsste aber jedem Polit-Profi klar sein und gerade deswegen könnte man eigentlich erwarten, dass mit weiteren Äusserungen äusserst zurückhaltend umgegangen wird, denn solche Schlagzeilen erzielen Wirkung in Bevölkerung und Wirtschaft.



Von aussen muss man den Eindruck gewinnen, dass da in einem Krankenhaus Dutzende von Ärzten angesichts eines Patienten, dessen Krankheit noch nicht definiert ist, orientierungslos in den Gängen herumirren und Statements abgeben. Noch besser: Aus benachbarten Spitälern erfahren sie via Zeitung, was noch zu machen, noch abzuklären und ausserdem einzubeziehen sei.. Vertrauen erweckend ist dies alles nicht und wirkt ein schiefes Licht auf den Berufsstand.


Das ist wohl der Unterschied zwischen Politik und Wirtschaft. Letztere arbeiten ein Konzept aus und kommunizieren dieses dann, müssen aber auch die unternehmerische Verantwortung tragen (wenn wir mal von der ganzen Bankenmisere absehen). Würden sie die gegenwärtig von der Politik angewandte Kommunikationstechnik verwenden, wären Riesenkonzerne innerhalb von Monaten pleite, denn niemand würde dieser Führung zutrauen, diesen Konzern strategisch erfolgreich zu führen.

Also: Vielleicht wäre es angesagt, wenn diverse Politiker für die nächste Zeit zum Thema EU und Euro  einfach mal die Klappe halten, sich aber der demokratischen Einrichtungen und Gefässe innerhalb der EU erinnern, in denen eigentlich diese Entscheide zu beraten und zu fällen sind. EU kann in der Öffentlichkeit nicht einfach aus Merkel und Sarkozy bestehen, darauf reduziert werden..

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