Freitag, 4. November 2011

Zum islamischen Opferfest

Wie sich doch die Festtage in allen Kulturen ähneln. Noch zwei Tage bis zum islamischen Opferfest. Seit mehreren Tagen stehen eigentlich alle Aktivitäten, auch bei uns im Dorf unter diesem Vorzeichen. Die Frauen sind damit beschäftigt, die eh schon sehr sauberen Wohnungen auf Hochglanz zu polieren, rund ums Haus sauber zu machen. Das geschieht, indem alles, was rumliegt und nicht mehr benötigt wird , eingesammelt und verbrannt wird. Eben hat unsere Nachbarin mit dieser Methode beinahe einen Flächenbrand verursacht, da plötzlich aufkommende Winde das Feuer auch auf die umliegenden trockenen Grasflächen greifen liess. Mit Einsatz von zwei Schläuchen konnte Schlimmeres verhütet werden.

Die Männer sind derzeit vor allem auf dem Ziegenmarkt zu finden. Sie suchen das ergiebigste, aber auch preiswerteste Schlachttier. Da wird dann viel spekuliert: Jetzt kaufen, oder warten bis am Samstagabend? Falls nämlich ein Überangebot an Ziegen besteht, könnten die Preise fallen und bei momentanen Tagespreisen von rund 300 € könnte man schon noch recht Geld einsparen. Bei all dem Debattieren geht der Tag schnell vorbei und nach 17:30 ist es dann eh schon dunkel. Morgen ist dann Grosskampftag auf dem Ziegenmarkt und nicht nur da. In der ganzen Stadt wird man Schwierigkeit haben, überhaupt einen Parkplatz zu finden, denn es gilt noch Geschenke und Spezialitäten einzukaufen.

Am Sonntag finden sich alle Männer früh in der Moschee zum Gebet ein. Anschliessend geht man nach Hause und schlachtet das Opfertier, zerlegt es und verteilt das Fleisch in der Familie und unter den Nachbarn. In grösseren Siedlungsräumen wird direkt bei den Schlachthäusern geopfert und das Fleisch abgepackt nach Hause gebracht. Anschliessend ist alle Hektik weg, das Leben scheint still zu stehen. Auf den Strassen gibt es kaum Verkehr, man bleibt im engsten Familienkreis.

Neben dem Erbringen des Opfers ist es  vor allem so, dass sich die Familie trifft, am ersten Tage bei oder mit den Familienältesten, dann in der erweiterten Familie und am dritten Tage besucht man Freunde. Bei uns im Dorf ist es ausserdem Tradition, dass die jüngeren Männer von Haus zu Haus gehen und den Älteren zum Festtage gratulieren. Da gibt es Tee oder Cola, etwas zu knabbern. Man sitzt eine halbe Stunde beisammen und dann ziehen sie weiter. Beim Zuckerfest ist dies ein fester Bestandteil, beim Opferfest sind viele damit beschäftigt, das Fleisch für das Festessen vorzubereiten.

Wir wünschen allen muslimischen Freunden ein friedliches Opferfest. Iyi bayramlar,arkadaşlar.


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