Montag, 26. Dezember 2011

2011: Eine Zäsur in der türkischen Geschichte


Nach nunmehr beinahe 10 Jahren Regierungstätigkeit hat die türkische AKP ein wichtiges Ziel erreicht: Sie hat die politisch unumstrittene Führungsrolle eingenommen, Opposition und Militär zurückgebunden und inzwischen auch verschiedenste Schlüsselämter in Gerichten und ausserparlamentarischen Ämtern besetzt. Während sich diese Partei in der Vergangenheit innenpolitisch stark damit profilieren konnte, dass verschiedenste Kreise direkt oder indirekt an ihrem Umsturz arbeiten würden, entfallen diese Argumente heute objektiv.

Unter dem Schutzschirm der EU-Verhandlungen war ein Prozess möglich, den Türkeikenner noch vor 15 Jahren für unmöglich gehalten hatten: Installierung eines Parlamentes, welches über dem Militär und traditionell Atatürk-verbundenen Parteien und Institutionen steht. Ob dies gleichzeitig auch mehr Demokratie bedeutet, muss die Zukunft weisen. Zugleich waren und sind es wirtschaftliche Erfolge, welche dazu führten, dass die Regierungspartei auch 2011 mit beinahe 50% aller Wählerstimmen bestätigt wurde.


Wirtschaftswachstum auf Pump

Gerade die wirtschaftliche Entwicklung liess und lässt europäische Kommentatoren immer wieder zum Begriff Tigerstaat greifen und manchmal macht es den Anschein, als sei dies in

Sonntag, 25. Dezember 2011

Türkei-Frankreich-Armenier: Den Bogen überspannt?


Alle Jahre wieder, könnte man sagen, steht das Thema „Umgang der Türkei mit den Armeniern“ an. Diesmal ist es Frankreich. Hier wurde eine Vorlage durchs Parlament gewunken, wonach das Leugnen eines Genozids generell mit bis zu einem Jahr Haft und Geldstrafen bis zu 45 000 € bestraft. Vom rund 600-köpfigen Parlament haben rund 10% der Mitglieder dieser Sitzung beigewohnt und das Gesetz genehmigt. Nun muss diese Vorlage noch vor den Senat und falls auch dort Zustimmung kommt, liegt es an Sarkozy, den Beschluss mit seiner Unterschrift endgültig rechtskräftig werden zu lassen. Kritiker werfen ihm vor, dieses Thema aus wahltaktischen Gründen auf die Tagesordnung gebracht zu haben.

Seit Wochen wurde aus der Türkei gegen diese Vorlage mobil gemacht, indem national in den Medien die dunklen Punkte aus der französischen Kolonialgeschichte aufgelistet wurden, gleichzeitig international breiter Lobbysmus gegen diese Vorlage einsetzte. Im Falle der Nationalversammlung war diese Arbeit wirkungslos.

Überrissene türkische Reaktion

Bereits vor der Abstimmung hatte Ministerpräsident Erdogan durchblicken lassen,

Sonntag, 18. Dezember 2011

Gesellschaft: Das Ende windschlüpfriger Politik...

Eigentlich kennen wir dieses Phänomen ja aus der Wirtschaftsepoche der 80-er und 90-er Jahre. Smarte Manager, meistens in irgendwelchen Beratungsfirmen angesiedelt, prüfen einen Konzern, empfehlen Reorganisationen, führen diese durch und setzen sich gleich selbst auf den Chefsessel.

Was in vielen Fällen wirklich gemacht wurde, war eine Buchführungs- und Bilanzoptimierung, was nicht hiess, dass diese nun transparenter geworden wären.  Die Spezialität dieser Manager bestand darin, Konzerne in eigenständige Departements oder Profit-Centers aufzusplitten und unter einem Holdingdach zusammenzufassen.  Unter diesem Deckel konnte man nach Belieben, verkaufen, zukaufen, outsourcen usw. Alles hübsche Dinge, welche auf den Tag X zugespitzt, den Konzern als solvent, liquide, erfolgreich darstellte, auch wenn es unter diesem Dach an allen Ecken und Enden knirschte und krachte. Grösse wurde mit Aufkauf der Konkurrenz bewerkstelligt, womit zwar der Marktanteil stieg, nicht aber unbedingt der Cash. Sicher jedoch erhöhten sich die Prämien der Managertruppe, während in der Produktion an allen Ecken und  Enden, auf kurzfristigen Gewinn bedacht, gespart und rationalisiert wurde. Schliesslich ist es ja der Staat, welcher Arbeitslose übernehmen muss und so lief das eigentlich auf dem Papier recht erfolgreich, genau so lange, bis das grösstmögliche Wachstum erreicht war. Wer erinnert sich an ABB, an Swissair, an die grossen deutschen Bau- und Versicherungsholdings, an den erst kürzlich beigelegten (?) Bieterstreit zwischen Porsche und VW ?

All diesen Firmengeschichten ist gemeinsam,

Freitag, 16. Dezember 2011

Grundschulen: Reorganisation und Umdenken sind angesagt!



Es mehren sich die Stimmen, welche die heutige Rolle der Lehrkraft, der Schule als Ganzes, in Frage stellen. Immer wieder haben Gerichte zu entscheiden, ob Eltern das Recht zugestanden wird, ihre Kinder selbst zu schulen. Noch sind es meistens religiöse Gründe, welche hier angeführt werden, doch kommen immer mehr Begehren dazu, welche die allgemeine Schulpflicht in Frage stellen.

Als Alternative spricht man dann von Bildungsgutscheinen. Kinder sollen vom Staate eine Art Check- oder Bon-Heft erhalten und Eltern können entscheiden, wo und wann diese Bons eingelöst, das Kind ausgebildet werden soll. Damit würde wohl neben der öffentlichen Schule eine private Parallelstruktur aufgebaut, eine Art Konkurrenzsituation wäre die Folge. Ja, bei Jahreskosten von rund 10 000 €/Kind in der Grundschule wittern natürlich viele ein gutes Geschäft.

Ich bin entschieden gegen diese Pläne, denn sie führen zu einer weiteren Aufsplitterung und letztlich einem Bildungssystem, in welchem dann gegen Aufpreis „noch bessere Bildung“ versprochen wird, in Tat und Wahrheit eine soziale Selektion betrieben wird. Ich meine, die öffentlich-rechtliche Schule und somit der Staat haben die Pflicht, die Möglichkeit und das Potential, hochwertige Bildung zu vermitteln und zwar für alle. Daran sollte nicht gerüttelt werden. Denn das Recht auf bestmögliche Ausbildung ist ein Grundrecht.

Das heisst nun jedoch nicht, dass die öffentliche Schule unantastbar ist und behäbig in ihren Strukturen verharren kann. Nein, ganz im Gegenteil: An Stelle von dauerndem Ausbessern mit dem Farbpinsel ist eine konsequente, zeitgemässe Neuorganisation der Grundschule erforderlich.

Abschliessend möchte ich drei Felder aufzählen,

Dienstag, 13. Dezember 2011

Deutschland: Lebenserwartung von Geringverdienern sinkt !!

Ich habe bereits in einem früheren Beitrag auf die sich rasant verändernde Sozialstruktur in Deutschland hingewiesen. Es ging dabei um das sich deutlich abzeichnende Problem der Altersarmut.

Nun lässt eine neue Studie aufhorchen:


Langjährig rentenversicherte Männer - also jene, die mindestens 35 Versicherungsjahre vorweisen - und weniger als 75 Prozent des Durchschnittslohns verdienten, wurden 2001 durchschnittlich noch 77,5 Jahre alt. Zehn Jahre später liegt ihre Lebenserwartung fast zwei Jahre darunter. Besonders deutlich ist der Rückgang in den neuen Bundesländern. Männer, die während ihrer Berufstätigkeit weniger als die Hälfte des Durchschnittseinkommens erhielten, sterben dort heute 2,6 Jahre früher als noch 2001. Verdienten sie zwischen 50 und 75 Prozent dieser Bezugsgröße, sind es sogar fast vier Jahre.
Diese Zahlen der Deutschen Rentenversicherung stammen aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Große Anfrage der Linksfraktion im Deutschen Bundestag. Zwar fielen bundeweit 2010 nur knapp 20.000 Männer in diese Kategorie, der Deutschen Rentenversicherung zufolge eine zu kleine Gruppe, um daraus einen Trend abzuleiten. Doch die Zahlen stützen die Thesen von Experten. Quelle Süddeutsche.de 

Freitag, 9. Dezember 2011

Wieder mal hingeschaut: Fukushima

Es ist klar, dass uns derzeit Finanzkrise, Veränderung der Sozialstruktur Deutschlands, Champions League etc. näher liegen, als das unangenehme Thema Fukushima. Trotzdem möchte ich hier einige Neuigkeiten auflisten:


"Die in normalen Zeiten geltende Höchstgrenze liegt bei einem Millisievert pro Jahr. Für die Untersuchung errechnete die Regierung eine geschätzte Strahlendosis auf Basis von Gesundheitschecks von rund 1730 der 29 000 Bewohner der Orte Namie, Kawamata und Iitate. Demnach liegt die durchschnittliche Dosis bei etwas über einem Millisievert. Das meldete die Agentur Kyodo...."
Atom: Bis zu 37 Jahresdosen Strahlung für Bürger Fukushimas - weiter lesen auf FOCUS Online: http://www.focus.de/politik/ausland/atom-bis-zu-37-jahresdosen-strahlung-fuer-buerger-fukushimas_aid_692423.html

"Wie die Financial Times berichtet, steht Tepco erneut vor großen finanziellen Problemen - wie auch schon direkt nach der Katastrophe, bei der das AKW Fukushima Daiichi nach einem Erdbeben und einem Tsunami stark beschädigt wurde. Diese könnten Insidern zufolge bald dazu führen, dass die japanische Regierung Kapital in das Unternehmen einbringt und es damit faktisch verstaatlicht." Quelle Süddeutsche  Somit wären dann Staat und Steuerpflichtige vollends in die Pflicht genommen. Dieses Szenario würde sich wohl auch bei einem groben AKW-Störfall in Europa abspielen (müssen).

Die ungelösten Probleme mit verstrahltem Reaktor-Wasser sind weiterhin ein Thema.  Hier ein Bericht aus RP-online

Ungeachtet der Atomkatastrophe in Fukushima will Japan seine Kernkraftwerkstechnologie weiter exportieren. Das Parlament segnete am Freitag entsprechende Kooperationsvereinbarungen mit Jordanien, Russland, Südkorea und Vietnam ab. Quelle relevant.at  

Weiter wird von Verseuchung von Baby-Milchpulver, von der Speiseröhrenkrebs-Erkrankung des ehemaligen Betriebsleiters von Fukushima, von zusätzlicher Belastung des Meeres durch Strontium und von der Umleitung von Tsunami-Hilfsgeldern in Richtung Unterstützung der japanischen Walfischindustrie berichtet.

Es lohnt sich, bei diesem Thema dranzubleiben, denn nun puzzelt sich langsam, langsam die Tragweite dieser Katastrophe zusammen.


Donnerstag, 1. Dezember 2011

Schule: Altersdurchmischtes Lernen mit klaren Strukturen


Dieses Thema sollte in der Schule von morgen von Grund auf neu durchdacht werden. Gehen wir davon aus, dass künftig Lehrerteams Klassen unterrichten werden und bauen wir darauf auf, dass künftige Klassenzimmer mit Minimalgrössen um 90 m2 wirkliches Lernen ermöglichen, dann sollte auch der Begriff altersdurchmischtes Lernen eine Qualität werden. Dazu eine bekannte und eine neue  Definitionen:

a)      Klassen werden mit Schülerinnen und Schülern aus 2 – 3 Jahrgängen durchmischt, verändern ihre Zusammensetzung also jedes Jahr, indem ein Jahrgang aus- und ein neuer Jahrgang eintritt, während 2 Jahrgänge in der Klasse  verbleiben. Wir nennen dies Mehrklassenschule.

b)      Die unterschiedlichen Lernfähigkeiten, der unterschiedliche Entwicklungsstand von Schülern im Einklassensystem bringen es mit sich, dass auch das Lerntempo unterschiedlich ist, einzelne Schüler in 2 Jahren das schaffen, was andere in drei  Jahren knapp erreichen. Dabei ist jedoch nicht ausgeschlossen, dass bei diesen „schnellen“ Schülern ein oder zwei  Jahre später ein Durchhänger kommt, während die ehemals „Langsamen“ plötzlich flott vorankommen. Es gibt also verschiedene Leistungsniveaus und daraus resultiert ein unterschiedlicher Leistungsstand. Bisher hat Schule zu diesem Thema den gangbaren Mittelweg gesucht, was zu permanenter Unter- oder Überforderung eines Grossteils der Klasse geführt hat.

Während die Mehrklassenschule derartige Leistungsschwankungen einzelner Schüler bis zu einem gewissen Grade abzufedern vermochte, stiess diesbezüglich das alte Einklassensystem sehr schnell an seine Grenzen.
 Repetition oder Anschluss verlieren, das waren die Konsequenzen. Ein weiterer, ganz kritischer Punkt muss hier ebenfalls beleuchtet werden:

Schule: Das Schulzimmer - Schwitzkasten mit 64 – 72 m2


Ich erinnere mich an mein erstes Schulzimmer als Lehrkraft. Ein monumentales , dreistöckiges Sandstein-Schulhaus aus dem Jahre 1912 thronte da auf einem Hügel. Den Abschluss machte zuoberst  ein schmuckes Türmchen. Klassenräume mit rund 90 m2 und eine imposanten Raumhöhe. Beeindruckend.

Was für ein Unterschied zu den Räumen, in welchen ich noch unterrichtet wurde. Neubau 1960, modellhafte Architektur in Schweizerkreuzform, in einer ganzen Region umgesetzt,  Schulzimmer mit 60 m2 und beinahe dreissig Schülern.  Zwei Quadratmeter pro Kind und entsprechend war dann auch die Luft  im Raume, wenn zwei Lektionen vorüber waren.  Die Sekundarschule bestand aus einem Altbau aus der Jahrhundertwende und einem Neubau, in welchem es platzmässig ebenfalls  recht eng zu und her ging. Auch hier war im Winter selbst in den Morgenstunden Gähnen angesagt, wenn die zweite Lektion sich dem Ende zuneigte. Mit Müdigkeit hatte das nichts zu tun, sehr wohl aber mit Sauerstoffmangel und zwei Stunden auf dem Stühlchen sitzen.

Gut, damals „floss“ Bildung massgeblich über die Lehrkraft in unsere Köpfe und als highlight wurde vielleicht mal eine gigantische Maschine namens Episkop hereingerollt, welche Bilder aus einem Buch an eine Leinwand projizierte und ganz selten mal konnten wir im Biologiezimmer  des Altbaus mit der nach hinten erhöhten Fixbestuhlung einen Film anschauen. Das war dann schon ein grosses Ereignis. Später kamen noch Dia-Serien dazu. Das wars an Technik. Trotz dieser technischen Einöde, schon damals gab es gute Lehrer, welche zu fesseln vermochten und andere, welche ihren Stoff herunterspulten.

Dienstag, 29. November 2011

Ruhezone oder: Wo ist das Grüezi geblieben?


Wieder einmal befinde ich mich in der Schweiz, welche ich seit nun 8 Jahren nur noch sporadisch besuche. Flughafen Kloten, einsteigen in die S2 kurz nach Ladenschluss. Der Zug wird mich ins Stadtzentrum von Zürich und dann nach Pfäffikon bringen. Ja, der öffentliche Verkehr in der Schweiz darf sich schon sehen lassen. Eindrücklich, was da in 15 Minuten alles an Zügen  auf den 4 Geleisen des Flughafenbahnhofs anhält und wieder abfährt.  Dann gibt es noch Abteile auf Fernzügen, welche speziell mit Ruhezone gezeichnet sind.. An alles ist gedacht.

Mein Zug bringt mich in 10 Minuten in den Hauptbahnhof Zürich, wo sich die Abteile leeren und natürlich gleich wieder neu belegt werden. Es entsteht ein interessantes „Lademuster“.  Zuerst schnappt sich mal jeder Passagier einen Platz in einem leeren Viererabteil. Anschliessend erfolgt die Diagonalvariante, also sich nicht gegenüber dem bereits sitzenden Fahrgast platzieren, sondern gegenüber dem leeren Platz neben dem Fahrgast. So, damit ist das Viererabteil eigentlich gefüllt und man kann es sich bequem machen.

Wer nun zusätzlich Platz einfordert, scheint eher ein Störefried zu sein, jedenfalls lassen Mimik und eher widerwilliges Gerutsche des 50% Viererabteils darauf schliessen. Sollte dann auch noch eine vierte Person dazu kommen, dann war das wohl kein guter Reisetag, unterstelle ich mal.

Schule von morgen: Unterrichtet von Klassenlehrerteams!


Ich möchte jetzt eine Lern- und Lehrform umreissen, welche auf den ersten Blick völlig realitätsfremd und nicht realisierbar erscheint, bei genauerem Hinschauen jedoch objektiv unbestreitbare Vorzüge hat. Diese wurden  immer wieder mit dem Argument „zu teuer“  vom Tische gewischt, ohne weiter darauf einzugehen.  Stattdessen  hat man Alternativen entwickelt, welche in ihrer Gesamtheit viel teurer sind, und da  man dafür vielfach einen anderen Kostenträger gefunden hat, macht die Schule bereitwillig mit.

Weg vom 1-Lehrer-Denken, hin zum Klassen- Lehrerteam

Es ist nirgendwo begründet, weshalb die Lehrform  „ein Lehrer eine Schulklasse“ effizient sein soll. Das war einfach schon immer so und trotz Fachlehrern, methodischen Reformen, neuen Lehrmitteln etc. hat sich an diesem Dogma so gut wie nichts geändert. Dabei gibt es gerade heute viele Argumente, diese alte Struktur aufzulösen, denn: