Montag, 16. Januar 2012

Costa: Verantwortungslose und kostspielige Show-Time


Zum ersten Male ist einer der wirklich grossen Megaliner der Kreuzfahrtbranche verunglückt. Gemäss ersten Auswertungen der Blackbox hat sich der Kapitän der über 450 Mio € teuren Costa Concordia zu einem Manöver hinreissen lassen, welches man üblicherweise mit einem Schlauchboot oder Meeres-Scooter ausführt: Eindruck schinden, indem man möglichst nahe der Küste entlangflitzt und die Blicke vieler Bewunderer auf sich zieht. Dies mit einem Hightech-Kahn von 290 Metern Länge und so nebenbei noch rund 4500 Personen an Bord. Show-Time im Hochrisikobereich.


Dass ein derart verantwortungsloses Manöver wenige hundert Meter vor einer Insel und mehr als 4 Seemeilen abseits des vorgeschriebenen Kurses möglich ist, selbst wenn es vom Kapitän angeordnet wurde, wirft viele Fragen auf. Dank der Tatsache , dass die Costa Constanze nicht völlig kentern und absaufen konnte ,da sie auf eine Sandbank zu liegen kam, konnten während Stunden Passagiere gerettet werden, welche ansonsten jämmerlich ertrunken wären.  Vielleicht war es der Kapitän,  der  angesichts der sich abzeichnenden Katastrophe
die Constanze noch näher ans Ufer gelenkt hat. Möglich.

Ein weiteres unglaubliches Szenario: Es soll nach der Havarie mehr als eine Stunde gedauert haben, bis der Befehl „in die Rettungsboote“ erteilt wurde. Genau so lange wartete man vergeblich auf den offiziellen SOS-Notruf bei der Küstenwache. Diese Angaben stammen von den Untersuchungsbehörden und Passagieren, welche die absolut chaotischen Zustände und fehlende Koordination bemängeln.

Da passt hinzu, dass der Kapitän des Havaristen, diesen rund 1 1/2 Stunden nach der Kollision verlassen haben soll, während noch Hunderte von Menschen auf ihre Rettung warteten.

Notfallszenarien?
Es ist vielleicht der richtige Zeitpunkt, einige kritische Fragen bezüglich der Sicherheitsdispositive dieser Kreuzfahrtschiffe der Superklasse zu stellen. Airbus musste mit seinem A-380 beweisen, dass es möglich ist, sämtliche Passagiere innert 90 Sekunden aus der Maschine zu kriegen. Erst dann wurde eine Flugtauglichkeitslizenz erstellt. Wie sehen diese Konzepte für die neuen Luxuskreuzer aus?

Mal abgesehen von der Tatsache, dass diese neuen „Schiffe der Superlative“ derzeit zu den verheerendsten Dreckschleudern überhaupt gehören, da sie aus Kostengründen mit Schweröl/Restöl als Brennstoff betrieben werden, stellen sich eine Reihe weiterer Fragen, bei denen Sicherheit und Umweltschutz vor kommerzielle Interessen gestellt werden müssten:

Ab wann ist denn eigentlich die Grenze bezüglich des Verhältnisses von Tiefgang und Freibord erreicht? Wann legt sich der erste Riese auf Grund einer unglücklichen Verkettung von Riesenwellen, Maschinenschaden und Sturmböen auf offenem Meer auf die Seite?

Gibt es bezüglich des Fassungsvermögens eines einzelnen Kreuzfahrtschiffes eine Begrenzung nach oben? Inzwischen liegen wir ja bei rund 2500 Doppelkabinen und der dazugehörigen Infrastruktur.

Wie steht es mit der elektronischen Überwachung aller Aktionen auf der Kommandobrücke und im Maschinenraum durch ein Operationszentrum an Land? Derartige Unregelmässigkeiten würden frühzeitig erkannt, selbst Interventionen von aussen wären denkbar Das ist doch heute technisch machbar. Angesichts dessen, dass hier offenbar ein Irrer einen Schaden von weit über 600 Mio € anrichtet, wäre das eine lohnende Investition....

Ja, ich weiss: Der Kapitän befiehlt über sein Imperium. Ein alter Zopf und zu hinterfragen ,wie man nun eindrücklich feststellen musste....

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