Donnerstag, 23. Februar 2012

EU-Griechenland: Den Besitzer geschont, den Esel verkloppt.

Die letzten Tage zum Thema Griechenland waren ja wieder sehr interessant. Wieder einmal fand eine Rettungsaktion statt, wieder einmal wurde mit Zahlen in der Gegend rumgeschmissen und wurden Perspektiven entwickelt, wie es "dank" dieser neuen Tranche mit Griechenland nun aufwärts gehen sollte. Wieder einmal hat man einen Nachtmarathon hingelegt und als dann wohl alle müde genug waren, hat man dieses Hilfspaket beschlossen. (Ab wann geht man eigentlich bei Politikern davon aus, dass ihre Geistesleistung in Folge Übermüdung abnimmt? Bei Buschauffeuren sind dies 9 Stunden mit vorgeschriebenen Pausen....) Oft hat man den Eindruck, auch für Politiker müssten derartige Schranken gesetzt werden.

Zeitgleich erfährt man aus zuvor unter Verschluss gehaltenen Papieren der Troika, dass die angestrebten Ziele und somit der gesamte Fahrplan  (Staatsverschuldung bis 2020 auf 120 Prozent reduzieren) nicht erreicht werden können.

Einen Tag nach dem Nachtmarathon wird bekannt, dass das griechische Staatsdefizit 2012 nicht 5,4%,sondern 6,7 Prozent betragen wird. Dies eine Folge von Beschlüssen des Parlaments, um EU-Vorgaben gerecht zu werden. 

Haben wir uns schon daran gewöhnt, dass die Regie der Entscheidungsfindung offenbar systematisch von solchen "Hurra historischer Entscheid"- und einen Tag später "Hoppla hoppla, da ist noch was"-Meldungen flankiert ist.?

Das alles steht und fällt mit einem noch zu unterzeichnenden Schuldenerlass der Privaten,
der jedoch noch nicht unter Dach und Fach ist und von 95% der Gläubiger bewilligt werden muss. Hier schlummern für diverse Banken, vor allem für die Commerzbank, grosse Abschreibungsrisiken. Man spricht alleine von 2 Mia € für die letztgenannte Bank.

Was soll das alles? Zwei Interpretationen.

1. Betriebsblindheit 
Die EU will sich nicht eingestehen, dass die gesamte Nord- Süd-Problematik innerhalb der EU sträflich vernachlässigt wurde. So lange Geld vorhanden war, hat man via diverse Förderfonds Geld in diese Länder gepumpt, ohne dass dabei wirklich nachhaltige Veränderungen entstanden wären. Ein krasses Beispiel ist der heutige Zustand des Tourismuslandes Griechenland. Trotz milliardenschwerer Förderung von Randregionen ist dieser Bereich irgendwo in den späten 90-er Jahren stehen geblieben und gibt zu immer mehr Klagen Anlass. Doch müssen dieselben Fragen für Italien, Spanien und Portugal gestellt werden. Was ist mit all den Subventionen und Aufbauprojekten aus dem EU-Topf passiert und weshalb brechen ganze Industriezweige einfach weg, schiesst die Arbeitslosigkeit in Besorgnis erregende Höhe?

Versucht hatte man, mittels Geld das hinzukriegen, was Deutschland oder Frankreich stark gemacht hat. Vergessen hatte man die Mentalität, die Kultur, in welcher sich diese nördliche Wirtschaftsstärke entfalten sollte.

Jetzt, wo die Probleme offensichtlich geworden sind, will man das, was sich über 30 Jahre eingeschliffen hat und auch toleriert wurde, innerhalb von zwei Jahren bereinigen. Unmöglich.

Die Antwort hier erscheint mir relativ einfach: So lange man mit diesen Ländern Geld verdienen konnte, indem sie einfach ihre Schulden erhöhten, hat kein Hahn darnach gekräht. Jetzt, wo die Grenze überschritten oder erreicht ist, sollen sie zu sparen beginnen und zwar auf eine Art und Weise,  welche sozial unverträglich sein wird und letztlich mit  Aufständen und Unruhen in den Ländern und gegenüber dem diktatorischen Übereuropa enden wird. Da sind wir schon auf gutem Weg, Herr Rösler!!!

All diese Fehler will sich die EU nicht eingestehen und geisselt stattdessen Griechenland. Für die Menschen in den nördlichen EU-Ländern ist dies griffiger: "Schaut, wohin unser sauer verdientes Geld fliesst. Diese faulen Säcke sollen mal arbeiten usw." Das kommt an, da kann man wieder mal Dampf ablassen. Ja, es ist leichter, den Esel zu prügeln, obwohl diese Tracht dem Besitzer zukommen sollte. Unter diesem Aspekt wäre vielleicht der folgende Satz von Frau Merkel auszulegen: 

"Wir wissen, wir können es in Deutschland nicht mehr allein schaffen. Deshalb ist Europa unsere Zukunft." Quelle

Nicht gesagt hat Frau Merkel, wozu Deutschland Europa braucht. Als Produzent oder als Konsument? Konsument hatten wir schon.....62,3% der deutschen Ausfuhren gingen 2009 in den EU-Raum...... Klingelt es ?

2. Zeit schinden
Es sind nicht irgendwelche Spinner, sondern gewiefte Finanzfachleute, welche für Griechenland kein Entkommen aus diesem Teufelskreis sehen. Einzelne warnen beispielsweise davor, dass genau dieselben Fehler, welche 2001 mit Argentinien gemacht worden seien, am Beispiel Griechenlands 1:1 wiederholt würden. (Troika muss ihren Kurs korrigieren) Dass dies kein rein griechisches Problem ist, kann man seit einiger Zeit in den verschiedensten Kommentaren nachlesen. Einer davon aus presse.com

Nun gehe ich nicht davon aus, dass diese Entwicklung von den Regierungschefs und den EU-Verantwortlichen nicht erkannt worden wäre. Vielmehr denke ich, dass allen klar ist, dass eine mögliche Rezession Italien, Spanien und Portugal genau so ins Verderben reissen wird, wie wir es derzeit am Beispiel Griechenlands sehen. Natürlich ist Italien potenter, doch deren Schulden sind ja auch einzigartig und wieder: Regierungen können nicht auf Dauer ein Volk knebeln, um EU-Vorgaben zu erfüllen, welche aus  Sicht der Betroffenen  keinen Sinn mehr machen, abgesehen davon, dass der Besitzstand einiger weniger Länder gewahrt wird. Dieser Preis ist nicht zu vermitteln, denn er heisst in Portugal derzeit 25% Arbeitslosigkeit. Jugendarbeitslosigkeit 47%.  So sieht Zukunftslosigkeit aus... Gefunden unter dem Titel Südeuropas Musterschüler  Ob die Portugiesen stolz auf diesen Titel sein werden?

Es erscheint derzeit wahrscheinlicher, dass innerhalb der EU tatsächlich an einer Neuordnung gearbeitet wird, dass Pleiteszenarien durchgespielt, A- und B- Ligen mit unterschiedlichen Rahmenbedingungen geschaffen werden, Klumpenrisiken in Bad-Länder gebündelt werden. Die Tatsache, dass bereits Griechenland viele europäische (bereits alimentierte!!!) Banken erneut in Schwierigkeiten bringen könnte, lässt die Frage aufkommen, was denn passiert, wenn Italien oder Spanien wackeln sollte.

Diese Modelle wollen entwickelt sein, ein riesiger Rettungsschirm muss her und der soll ja in Form des ESM diesen Sommer kommen. Kritik am ESM Dann wird die Dynamik eine neue Qualität erhalten, denn ab diesem Moment ist die EU auf den Finanzmärkten institutionell angreifbar und kann zu einem Griechenland werden, einfach ein bisschen grösser. 

Ob man dafür auch schon ein Szenario hat?






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