Samstag, 4. Februar 2012

Obdachlose: Die Kälte bringt es an den Tag


Die Kälte, welche von Osten und Norden her über Europa hereingefallen ist, führt uns etwas vor Augen, was üblicherweise locker verdrängt werden kann: Auch in unserer Gesellschaft leben Menschen ohne ein Dach über dem Kopf wie herrenlose Hunde auf der Strasse. Letztere werden eingesammelt und kommen in ein Tierheim..., von wo man hofft, die Tiere weitervermitteln zu können. Bei „den Obdachlosen“ sind es jeweils die Kälte und die damit verbundenen Todesfälle, welche uns dieses Problem ins Bewusstsein bringt.

Es wäre zu einfach, diese Menschen einfach als asozial und „die wollen es ja nicht anders“ etc. abzustempeln. Die Zeiten haben sich geändert. Heute findet man unter diesen Obdachlosen Personen mit guten Berufsabschlüssen, welche in einem bestimmten Moment ihres Lebens arg gebeutelt  wurden und dann die Kurve nicht mehr gekriegt, sich mangels Perspektive teilweise auch aufgegeben haben. Seit Jahren leben sie auf der Gasse. Keiner macht dies freiwillig und hätte er die Wahl und die finanziellen Möglichkeiten, würde sich jeder ein Zimmer mieten, so er denn eines bekäme.

Nur, er hat nichts zu erwarten. Denn zuerst soll er sich mal äusserlich so herrichten,
wie man es von einem Mieter erwartet, soll er ein Einkommen vorweisen, welches die Miete garantiert, soll er Referenzen vorweisen, welche allenfalls für ihn bürgen. Ja, all dies haben diese Menschen schon hinter sich und sie wissen: Für mich bürgt niemand und das, was ich allenfalls vom Staate angeboten kriege, ist an Auflagen gebunden, welche nicht mehr erfüllt werden können. Damit ist gesagt, viele dieser Leute sind krank, physisch und psychisch.

Wo der Glaube an sich selbst fehlt, können von aussen noch so viele Ratschläge gegeben werden. Wissen wir denn, was diese Person vor Jahren alles probiert , genau diese Ratschläge angewendet hat, sich gegen das, was sich da abzeichnete, mit aller Kraft aufgebäumt und sich auf Grund der gemachten Erfahrungen aufgegeben hat?

Geblieben sind Allmosenempfänger. Keine Perspektive und kein Schutz. Die Kältetoten dieses Wochenendes sind nur die Spitze des Eisberges.

Ich wünschte mir für die meisten dieser Menschen, sie hätten die Möglichkeit, in einer sicheren Umgebung, einem andern Umfeld Schritt für Schritt in kleinen Stufen wieder zu einem Selbstvertrauen zu kommen. Bauernhof-WG, Alp-Sommer, Kleinbetrieb.. Es kann und soll der Staat sein, welcher dies anordnet, auch wenn sich Betroffene im Moment sperren. Sie werden ihre Meinung relativ schnell ändern. Wer glaubt, dies sei zu drastisch und verletze die Grundwerte, evt. gar das Grundgesetz, sollte sich Folgendes fragen:

„Wie Menschen verachtend ist es denn, wenn jetzt, wo Hunderte von Menschen in der Kälte ohne Obdach elendiglich zu krepieren drohen, sich Freiwilligenorganisationen auf den Weg machen, Suppen ausschenken und versuchen, die Leute zumindest zum Aufenthalt in einem geheizten Raum zu bewegen, sofern noch Platz da ist?“ Es ist NICHT der Staat, welcher dieses Netz institutionell bereit stellt, es sind Vereine und Stiftungen sowie hunderte von Freiwilligen.   

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