Mittwoch, 1. August 2012

Deutsche Bank: Irrsinn Quartalsbilanzen und Sparmassnahmen.

Gestern bin ich per Zufall über die Quartalszahlen der deutschen Bank gestolpert. Das liest sich ja entsetzlich:
Quartalsgewinn "jämmerliche" 661 Mio € , davon "nur" noch 357 Mio € aus dem Investmentbanking, wo man doch noch im Vorjahresquartal 1,7 Mia zusammengerafft  hat. Um gar keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Davon sind die Personalkosten natürlich abgezogen und gesetzlich mögliche Rückstellungen und Pufferpositionen in etwa derselben Höhe bereits gefüllt.

Message an die Aktionäre: rund 2000 Leute, vorwiegend aus dem Investmentbereich werden entlassen und im September soll dann ein Sparmassnahmen-Paket bekanntgemacht werden, bei welchem alleine 350 Mio € aus dem Personalpolster rausgekitzelt werden. Zum selben Zeitpunkt wird dann eine Neustrukturierung präsentiert werden, dank welcher jährlich 3 Mia € Fixkosten wegfallen werden. Wau!!!! Ihr versteht schon, liebe Freunde: Voraussichtliche 4 Milliarden Reingewinn 2012 sind ein derart mageres Ergebnis, dass nun auf allen Ebenen die Notbremse gezogen werden muss, ansonsten geht die Bank unter..

Ah ja, noch die Eigenkapitalrendite: 6.8%, zum Heulen, gemessen an über 11% im Vorjahresquartal und irgendwann mal versprochenen 25% eines gewissen Herrn Ackermann. Das sind Zahlen, Freunde!! 

Ihr merkt, diese Angaben gelten nur für eine bestimmte Liga von Finanzhaien und Anlegern, welche glauben, es sei ihr Recht, mit Geld zu wuchern. Ich als Normalkunde kriege sagenhafte 2,5%, wenn ich mein Geld in dieses Karussel einschiesse, aber nur unter der Bedingung, dass ich es auch lange Zeit  liegen lasse, auf dass die Oberliga damit spielen kann... Das alles ist völlig legal, offenbar. 

Von wegen Effiziensteigerung
Was der Deutschen Bank bevorsteht, haben Schweizer Institute bereits in die Wege geleitet und eine dieser Massnahmen betrifft mich derzeit persönlich. Mit einem normalen Konto besitze ich als im Ausland Sesshafter einen persönlichen Ansprechpartner mit Direktnummer. Früher war es so: Besetztzeichen, ok, er ist belegt, rufe ich später an. Irgendwann hatte ich ihn dann sicher am Draht.


Irgendein Superhirn für Verwaltungsorganisation hat nun herausgefunden:

Anruf auf Privatberaternummer - Musik -"der Mitarbeiter, den sie anrufen wollen, ist derzeit besetzt, wir werden Sie schnellstmöglichst weiterverbinden" (auf englisch) - Musik - (mom, bin ich da bei sunexpress gelandet??) - Telefonstimme A "Ja bitte, mein Name ist usw. usw. usw. wie kann ich Ihnen helfen?" - Ich hätte gerne Herrn X gesprochen. -"Ja, das ist jetzt gerade schlecht, er ist am Telefon beschäftigt.." (hmmm, das wusste ich ja schon) - "Vielleicht rufen Sie in einigen Minuten nochmals an"- Klar, 30 Minuten später, identischer Ablauf, aber nun Telefonstimme B, kann kein Deutsch, nur englisch oder französisch - Dasselbe Sprüchlein, dasselbe Anliegen - "aach, das ist jetzt aber ungünstig, Herr X ist am Telefon.."- Alles klar, rufe später an. Neuer Versuch, gleiche Prozedur - Telefonstimme C und die Aussage dieselbe.

Seit 4 Tagen habe ich auf diesem Wege 5 verschiedene Telefonstimmen,, viel Musik und Ansagen, nicht aber meinen Berater an den Telefonhörer gekriegt, dies bei einer Grossbank, welche es den Mitarbeitern verbietet, mit Kunden per e-Mail zu korresponieren, auch wenn es lediglich darum geht, ob ein bestimmtes Dokument auch tatsächlich via Hauspost auf dem Tische meines Beraters gelandet ist. Dies, nachdem es in einem vergleichbar früheren Falle nicht geklappt hat.

So, ihr Dumpfbacken von Organisationsspezialisten!! Ich nehme an, ich sei kein Einzelfall, nehme zur Kenntnis, dass diese tolle Reform mich dazu zwingt, rund 1 Stunde Zeit und ca. 15 € Telefonkosten aufzuwenden, ohne dass ich  die von mir gewünschte Person überhaupt an den Apparat kriege... Da ich inzwischen rund ein halbes Dutzend mal angerufen habe, verursache ich unnötigen Traffic und Personalkosten, aber das interessiert euch nicht, denn ich gehe davon aus, dass euer Callcenter im Zuge von Strukturanpassungen und Kosteneinsparungsmassnahmen ausgelagert  worden ist. Ihr spart Geld und ich verschwende Geld und Zeit, finanziere also als Kunde eure Effizienz- und Gewinnsteigerung. 

So bleibt nur noch etwas: Konten auflösen und dort eröffnen, wo weniger gierig Spekulanteinteressen befriedigt werden. Denn: Unter miesesten Bedingungen macht ihr mehrere Milliarden Reingewinn pro Jahr und jammert uns die Tasche voll, wie schlecht es euch geht, erhöht Kontoführungsgebühren usw. usw.

Und schau schau, tauchen dann doch irgendwo Risiken auf, für welche keine Garantie besteht, dass ihr einen möglichen Ausfall durch Staat oder EZB oder Rettungsschirm abgegolten kriegt, dann seid ihr husch husch weg, Kapital abgezogen, Krise im betreffenden Lande verschärft und den Rest soll der Steuerzahler nun besorgen. Aktuelles Beispiel Spanien. Schade, was konnte man doch da an Renditen bolzen, gell ?... Kommen euch  im Gedenken an diese goldenen Zeiten auch die Tränen, liebe Banker???


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