Freitag, 31. August 2012

Deutschland und die Rentnerjobs: Sarkasmus pur!

Sicherlich hast du diese Infos während der letzten Tage auch irgendwie mitgekriegt: Immer mehr Menschen im Rentenalter gehen noch einer Beschäftigung nach. So sehen es die Einen, andere halten fest, sie müssten einem Zusatzverdienst nachgehen, da die Rente nicht reiche.

Bemerkenswert ist meiner Auffassung nach, wie dieser Sachverhalt von Regierungsseite und wirtschaftsfreundlichen Kommentatoren bewertet wird. Holger Schäfer vom Institut der deutschen Wirtschaft  glaubt zu wissen, dass ein hoher Anteil der arbeitenden Rentner hoch qualifiziert wären und aus Lust am Arbeiten weiter machen würden.

Noch krasser die Argumentation des Arbeitsministeriums:
Mit sinkenden Renten habe dies alles nichts zu tun, denn man müsse neben der Rente auch die neuen Einkommensformen der Rentner einbeziehen die da seien: Mieteinnahmen, Kapitalerträge, Betriebsrenten.  Die BZ hat einige dieser Rentner im Erwerbsleben portaitiert. Ein weiteres Faktum: Rentner sind auf dem Arbeitsmarkt gesucht! Hier eine Google-Suche. Sind Rentner für Arbeitgeber attraktiver  als im aktiven Arbeitsalter stehende Job-Bewerber?

Zahlen

761 000 Rentner arbeiten noch in irgendwelchen Jobs, davon sind 120 000 älter als 75 Jahre. Inzwischen sind 154 000 Rentner mit ihren Einkommen sogar wieder verpflichtet, Beiträge an die Sozialversicherungen abzuführen, das heisst, sie verdienen monatlich mehr als die 400 €. Tendenz rapide steigend. Ja und da ist mir dann auch noch der folgende Kommentar aufgefallen: Mehr Rentner arbeiten-endlich!

Die Devise: Arbeiten, so lange die Kräfte reichen

Das und nicht weniger soll offenbar im Gesellschaftsdenken implantiert werden und man erlaube mir nun ebenfalls, die Situation etwas sarkastisch darzustellen: 

Ein Lob den hoch qualifizierten Rentnern, welche neben der gesetzlichen Grundrente (welche in den letzten 10 Jahren von 1021 € auf 950 € gesunken ist, wobei Hunderttausende irgendwo zwischen 600 und 800 € Rente beziehen....) über weitere Kapitaleinkünfte aus vermieteten Wohnungen, angespartem Kapital und Betriebs- oder Privatversicherungen verfügen. Sie ruhen nicht in ihrem Schaffen, sind sich nicht zu schade, morgens um 5 bei jedem Wetter Zeitungen in die Briefkästen zu stopfen, Regale von Supermärkten aufzufüllen, Wochenenddienst als Toilettenfrau oder -mann in Discos und Vergnügungsbetrieben zu leisten. So sieht der wohl verdiente Ruhestand der Wirtschaftswunder-Generation in Zukunft aus! Das erwarten wir von euch. Um die Attraktivität dieses fröhlichen Seniorenschaffens zu steigern, will man jetzt auch den Freibetrag von 400 € anheben, vernimmt man aus Regierungskreisen. Auf dass sich Arbeit endlich wieder lohne? Ist das die Triebfeder?

Pfui pfui pfui und Schande über alle Rentner, welche im blühenden Alter von 70 Jahren und nach einem "nur" 40 Jahre dauernden Erwerbsleben nichts Anderes zu tun wissen, als ihre Rente in Form von Reisen und Langzeitaufenthalten im Ausland zu verprassen. Diese Schädlinge! Sie sind es, welche den Staat noch in den Ruin treiben werden, denn in der Rentenkasse zeichnet sich ein Billionenloch ab. Verantwortungslos, was diese Schmarotzer da machen.

Pfui Pfui Pfui und Schande über alle Rentner, welche sich entschieden haben, mit einer schmalen Rente in einem fremden Lande mit tieferen Lebenshaltungskosten zu leben, ohne weiterhin einen aktiven Beitrag zum Wirtschaftswachstum in Deutschland zu leisten, diese Fahnenflüchtlinge!

Pfui pfui pfui und Schande über alle Rentner, welche mit ihrer Minirente von 650 € auf dem Hintern hocken und nach dem Staat schreien. Selbst ist der Rentner! Dann muss eben noch ein wenig dazuverdient werden. 700 000 Rentner machen dies schon vor, wann beginnst du endlich?

Soziale Unsicherheit: Die teuerste Dauerbaustelle Deutschlands
Es geht ja nicht einfach um die Rentner. Zeitgleich müsste gefragt werden, weshalb viele dieser Jobs nicht durch Menschen im so genannt erwerbs- und versicherungspflichtigen Alter ausgefüllt werden. Immerhin belasten derzeit 2,9 Mio Arbeitslose (verharmlosend als Sockelarbeitslosigkeit beschrieben) den Staatshaushalt massiv und Versicherungsbeiträge zur Rentensicherung sind von da auch nicht zu erwarten. Noch schlimmer: Die gesamten Reformen der letzten 10  Jahre standen doch unter dem Aspekt, den Wirtschaftsstandort Deutschland zu stärken, innerhalb der EU in eine Pole-Position zu rücken. In diesem Streben mussten Sozialverträge, Gesamtarbeitsverträge usw. gelöchert werden. Damit erreichte man eine deutliche Senkung der Arbeitsplatzkosten pro Arbeitnehmer. Wirtschaftsfreundlich war das alles, zugegeben.

Nun tauchen jedoch sichtbar Probleme auf für die Leute, welche während der letzten 20 Jahre als "billige" Arbeitskräfte ihr Bestes gegeben haben. Mit Eintritt ins Rentenalter stellt sich heraus, dass diese dem Staate dauerhaft zur Last fallen werden, weil die gesetzlich berechneten Lebenshaltungskosten durch die Rente nicht gedeckt sind...  Deswegen sollen die nun also weiter arbeiten, das die Quintessenz aus dieser Medienkampagne zum Thema Altersarbeit.

Unter diesen Vorzeichen ist es nachvollziehbar, dass während der letzten zwei Jahre Wirtschaftswachstum für die Kanzlerin oberste Priorität hatte. Irgendwie müssen diese Finanzierungslücken ja geschlossen werden. "Alternativlos".  Nicht beantwortet wurde bisher jedoch die Frage: Wieviel Wachstum muss denn her, um all diese Löcher, welche sich nun offensichtlich bedrohlich öffnen, nachhaltig zu schliessen? Und wo bitte, will man nachhaltig wachsen, sprich: neue Arbeitsplätze schaffen? Es reicht ja kaum, wenn VW und andere Unternehmen bekannt geben, in China neue Produktionsstätten zu eröffnen und dies nun ein Gesprächspunkt der Kanzlerin bei ihrem China Besuch sein wird..

Gut, man könnte diese ganze Problematik auch anders zusammenfassen: So sieht Abschied vom Sozialstaat aus! Und die Botschaft an die heutigen und zukünftigen Rentner? Zieht euch warm an!!




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