Freitag, 14. September 2012

Türkei: Tierschutzgesetz, 2. Anlauf

Die letzten Tage konnte man in den Zeitungen Beiträge zu einem neuen Tierschutzgesetz in der Türkei lesen: "Kein Tier bleibt mehr auf der Strasse" und ähnlich lauteten die Titel. "Missbrauch von Tieren und Folter mit Todesfolge werden mit bis zu 2 Jahren Haft bestraft.". Das Gesetz soll noch dieses Jahr in Kraft treten.

Zuerst eine Rückblende. Bereits im Jahre 2003/04 wurde ein Gesetz eingeführt, wonach Gemeinden ab einer bestimmten Einwohnergrösse unter Strafandrohung verpflichtet seien, ein Tierheim zu führen. Damit wollte man vor allem das Problem Strassenhunde lösen. Betrachtet man die Situation heute, so mag es sein, dass in verschiedenen Großstädten solche Heime (vielfach mit Unterstützung aus dem Ausland) eingerichtet wurden.  Entlang den Küsten und vor allem an der türkischen Südküste findet man jedoch zwischen Antalya und Mersin genau zwei Tierheime. Beide werden durch die Tierhilfe Süden e.V betrieben. Während in  Alanya/Demirtas die Stadt
zumindest mit Nahrung hilfreich zur Seite steht, kämpft der Verein in Gazipasa darum, dass sich die Gemeinde trotz anders lautender Absprache überhaupt in irgendwelcher Form weiterhin für das Tierheim einsetzt und dieses unterstützt. In Zahlen: Alanya/Demirtas rund dreihundert Hunde, Gazipasa über 200 Hunde und täglich werden es mehr.

Betreut werden die Heime durch einen vollamtlich angestellten Tierarzt und Betreuungspersonal, alles finanziert von der Tierhilfe Süden. Dazu kommen die Kosten für die Ernährung der Tiere, welche man ja nicht einfach mit Abfällen durchfüttern kann. Wenn nun Gemeinden argumentieren, sie hätten einen Beitrag zum Tierschutz geleistet, indem sie den Standort zur Verfügung gestellt hätten, dann ist das Sarkasmus pur. Alle wissen es, aber jahrelang hat sich daran nichts geändert.

Was bringt das neue Gesetz?

- Gemeinden sind verantwortlich dafür, dass keine besitzerlosen Tiere die Strassen bevölkern. Diese sind in geeigneten Tierheimen unterzubringen, zu kastrieren und zu impfen. Sollten die Tierheime überfüllt sein, könne man die Tiere in Tiergärten -parks ansiedeln.

- Entkräftete oder schwer verletzte Tiere zu töten wird unter Strafe gestellt.
- Unzucht, Folter mit Todesfolgen etc. wird mit bis zu zwei Jahren Gefängnis bestraft.
- Wer Tiere aussetzt, wird mit 750 TL Geldstrafe belangt.
- Kampfhundeverbot. Das betrifft Haltung und Züchtung. Auch hier drohen bis zu zwei Jahren Gefängnis.
- Die ganzen Kastrations- Sterilisationsaktionen laufen unter Koordination des Ministeriums für Nahrung, Landwirtschaft und Tierzucht.

Theorie und Praxis
Was hier auf dem Gesetzeswege angeordnet wird, unterscheidet sich in den Kernpunkten nicht vom Gesetze aus dem Jahre 2003. Es bleiben auch dieselben Infrastrukturprobleme. Die meisten Gemeinden besitzen weder Tierheime noch so genannte Tier- und Naturparks. Wenn man also frei laufende Hunde nicht vergiftet hat, was immer wieder für hässliche Schlagzeilen sorgte, dann sammelte man sie ein und setzte sie im günstigsten Falle irgendwo in den Bergen aus, sofern man sie dort nicht vergiftet oder erschossen hat und schwer geschädigte Tiere sich selbst überlassen oder lebendig begraben hat. So versuchen Behörden bis heute, das Problem zu lösen.

Dieses Gesetz wird also nur zum Tragen kommen, wenn die Gemeinden auch strafrechtlich in die Pflicht genommen werden und überhaupt zuerst mal die entsprechende Infrastruktur, sprich Tierheime bereitstellen. Die nächste Hürde kommt dann, wenn dieses Tierheim überfüllt ist, denn so einfach ist es nicht, für ausgewachsene Hunde neue Besitzer zu finden. 

Es bleibt also abzuwarten, innerhalb welcher Zeitfristen überhaupt eine Infrastruktur bereit gestellt werden wird, damit das Gesetz überhaupt umgesetzt werden kann. Trotzdem: Für Tierschützer und Tierfreunde bringt dieser Beschluss eine Neuerung: Es reicht, Strassenhunde zu fotografieren, zu publizieren und damit ist belegt, dass die verantwortliche Gemeinde das Gesetz nicht umgesetzt hat, womit sie selbst ein schuldhaftes Verhalten an den Tag legt.

Wer sich übrigens für die Arbeit der Tierhilfe Süden e.V. interessiert, hier gibt es mehr Infos und von dieser Realität ist derzeit auszugehen. Auch Hilfe und Unterstützung in jeder Hinsicht kann dieser Verein gut gebrauchen. Wie man auf den Seiten auch sieht: Das ist nicht einfach ein türkisches Problem. Hoffen wir, dass es nun resolut angegangen wird.



Kommentare:

  1. Die einzige Möglichkeit,das Problem zu lösen, ist jeden Besitzer eines Hundes oder Katze zu zwingen, sein Tier kastrieren, impfen und chipen zu lassen, eventuell auch noch die Kosten dafür vom Staat bezahlen zu lassen, das ist billiger, als überall Tierheime aufzubauen, die nicht bezahlt werden können,die Tiere zu vergiften oder sonst wie abzuschlachten,

    Karin Klimm

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    1. Hallo Karin

      Ja, das ist sicherlich ein Aspekt. Dazu kommt jedoch noch ein weiteres Problem. In Kürze sind solche Tierheime überfüllt, dann würde also ausgesiedelt in Tierparks, so lange, bis diese auch voll sind. Der "input" der sich unkontolliert vermehrenden besitzerlosen Tiere muss eingedämmt werden können. Da sehe ich das Problem.

      Die Tatsache, dass altersschwache und schwer verletzte Tiere nicht mehr eingeschläfert werden sollen, ist ebenfalls ein fragwürdiger Entscheid. Damit verlängert man in erster Linie das Leiden eines Tieres..

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  2. ich lebe in fethiye - es funktioniert eigentlich gut mit dem kastrieren
    bei uns leben deutlich weniger tiere auf den strassen

    ich sehe die problematik die dringlichste an einer ganz anderen stelle
    immer von fethiye ausgehend...
    1. die tierhaltung - teilweise werden die armen tiere insbs hudne unter fürchtewrlichen umständen gehalten udn auch vom besitzer misshandelt nicht ordentlich ernährt usw
    2. werden in unserem tierheim die tiere einfach so rausgegeben ohne dass kontrolliert wird wo sie hinkommen - das halte ich für mehr als frgawürdig
    3. gibt es sehr viele leute die die hunde und katzen / haustiere bei nicht mehr gefallen oder veränderung der lebensumstände einfach wieder auf die strasse setzen - und diese tiere sind dann nciht mehr überlebensfähig auf d er strasse - dieses problem kommt viel auch von residenten die wieder rückkehren insbs engländer
    4. leider sind nicht alle im tierheim lebenden tiere wirklich geimpft oder kastriert
    5. ich befürchte von zeit zu zeit werden auch im tierheim tiere umgebracht wegen überfüllung
    6. auf den dörfern ist KEINER zuständig - da wird gesammelt udn getötet

    kurzum wir bräuchten dringend unterstützung hier
    finanziell geht es ganz gut - die engländer sind super im sammeln von spenden

    was tun wenn man eine grauenhafte tierhaltung sieht
    im eigenen dorf ist man handlungsunfähig - ansonsten werden die eigenen tiere umgebracht...oder vergiftet

    zuletzt habe ich noch eine frage
    bei uns heisst es hier das neue gesetz sei verabschiedet und besagt: der staat kann alle strassentiere töten oder im wald abladen
    und besitzer enteignen wenn er zu viele tioere hat - was dehnbar udn auslegbar ist
    hioer herrscht deswegen eine art massenpanik

    was ist denn da dran??

    vielen dank für die hilfe
    tina kosuch

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    1. Hallo Tina

      Danke für deine sehr differenzierende Beschreibungen. Zu deiner Frage: nach dem Gesetz, wie ich es bisher zu Gesicht gekriegt habe, sollen/dürfen Tiere überhaupt nicht mehr getötet werden. Für die Einhaltung ist Gemeinde, Bezirk oder wer auch immer (Milli Parkler) zuständig. Das ist meiner Auffassung nach ebenfalls ein Unsinn. Es gibt Tiere. welche derart krank oder verletzt sind, dass einschläfern ein tierfreundlicher Akt ist. Alle, welche schon mit solche Tieren zu tun hatten, können diesen Gedanke nachvollziehen.

      Das Problem wird sein, dass sowohl Tierheime, wie Tierparks in innerhalb eines oder zweier Jahre hoffnungslos überfüllt sind, von der Haltung mag ich schon gar nicht sprechen, weil das kostet. So. Aus diesem Grunde wird es dann wieder so sein, dass man in einem Wald oder auf einer Anfallhalde willkürlich vergiftete Tiere finden wird, welche zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort waren.

      Die Sache mit dem Kastrieren ist sicherlich toll, nur beschränkt sich das meistens auf die Städte. Das Problem sind jedoch ausgewilderte Tiere in den Dörfern und den Bergen, welche dann mit schöner Regelmässigkeit im Spätherbst an der Küste auftauchen und sich vermehren. Ein Teufelskreis aus meiner Sicht.

      Dass der Staat praktisch die Lizenz zum Töten erhält, finde ich im Gesetz nirgendwo. im Gegenteil: Der Staat verbürgt sich für "ewiges Tierleben" und stellt töten, aussetzen und anfahren von Tieren unter hohe Strafe. http://haber.stargazete.com/ege/hayvanlari-koruma-kanununa-yeni-tasari/haber-691124

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    2. Im folgenden Beitrag nehmen Tierschutzorganisationen zum neuen Vorschlag Stellung und zeigen, wie aussichtslos dieses Unterfangen sein wird/muss. http://www.haberler.com/hayvan-severler-hayvanlari-koruma-kanunu-nda-3961937-haberi/

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  3. vielen vielen dank für die ausführliche antwort!!
    gerne würde ich auf dem ein oder anderen weg in kontakt bleiben - allein d er austausch könnte immer wieder mal hilfreich sein.
    die problematik die auftauchen wird ist logisch , ja.... leider
    bei uns sind auch die dörfer dass grosse problem insbesondere eben auch in der haltung - die köpfe sind so eng.... und die denke so anders als unsere....
    schlimm ist auch dass es für die dörfer einfach keine zuständigkeiten gibt

    die tage habe ich einen toten maulesel in den bergen gefunden damit verseuchen sie ihr eigenen trinkwasser - ich bin zum orman und der sagt gesetz ja... aber wo sollen sie denn hin mit ihren toiten tieren - es gibt keinen ort keine organisation ...
    jeden tag tauchen imemr wieder neue problematiken auf und ein paar neue treuherzige augen die hilfe wollen

    wir haben hier eine facebook seite wo wir uns aufegestellt haben und auch immer wieder tiere einstellen die ein zu hause suchen
    ich habe schon einiges vermitteln können

    i.d.r. gabele ich fast jede woche "eine seele" auf.... hab mir aber geschworen keine zusätzlichen tiere mehr zu behalten sonder aufzupäppeln und zu vermitteln
    ich habe schon einige hunde fertig gemacht udn ausgeflogen und auch hioer vor ort welöche gut vermitteln können

    http://www.facebook.com/groups/animalaidfethiye/

    zum reinschnuppern oder kontakt halten...
    facebook ist ja das medium schlechthin wo sich fast jeder tummelt

    lieber walter - herzlichen dank für die antwort!!!
    einen lieben gruss aus fethiye
    tina

    tikosuch@gmx.de

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