Montag, 19. November 2012

Türkei-Nato-Deutschland: Patriots wogegen oder wofür?

Eine Meldung, welche in der türkischen Zeitung Hürriyet publiziert wurde, sorgt in Deutschland für politische Wellen: Patriots aus Deutschland werden an der syrischen Grenze stationiert. Obwohl die türkische Regierung ein derartiges Begehren laut eigenen Aussagen nicht gestellt hat (andere Quellen sagen, heute Montag werde der Antrag eingereicht) gewinnt man angesichts der deutschen Diskussion den Eindruck, Truppen und Material stünden bereits abflugbereit auf dem Flughafen. Sinn und Zweck einer solchen Stationierung treten anscheinend in den Hintergrund.

Patriot:
 .."ist ein bodengestütztes Mittelstrecken-Flugabwehrraketen-System zur Abwehr von Flugzeugen, Marschflugkörpern und taktischen ballistischen Mittelstreckenraketen", soweit die Definition in Wikipedia. 

Bisher nicht nötig
Auf Grund des bisherigen Verlaufes der Auseinandersetzungen an der türkisch-syrischen Grenze müsste also gefragt werden: Gibt  oder gab es Vorfälle, welche den Einsatz dieses Systemes erfordert hätten? Nein, gab es nicht. Was an Geschossen
auf türkische Seite eingeschlagen hat, war konventionelle Munition, Verursacher zweifelhaft und Patriots hätten hier nichts ausrichten können.

Wogegen?
Die Türkei wird mit Flugzeugen, Marschflugkörpern und taktischen ballistischen Mittelstreckenraketen angegriffen. Von wem? Syrien kann unter den gegebenen Voraussetzungen keinerlei Interesse haben, einen solchen Angriff zu starten, denn dort will man die inneren Unruhen unter Kontrolle kriegen, wenngleich die Türkei verbal immer wieder wegen ihrer Unterstützung der Opposition angegriffen wird. Es gibt also derzeit keine konkreten Anlässe, welche eine Stationierung von Patriots erfordern würde.

Wofür?
Diese Haltung könnte sich erst ändern, wenn Syrien militärisch angegriffen wird. Das könnte beispielsweise die Errichtung einer Pufferzone im Norden sein, mehrfach von der Türkei gefordert. Damit will man das Flüchtlingsproblem besser in den Griff kriegen, vor allem aber auf die kurdischen Entwicklungen im Norden Syriens Einfluss nehmen, denn die Tatsache, dass sich da nach dem Irak weitere autonome Kurdenprovinzen bilden, ist der Türkei ein Dorn im Auge. Es ist ganz klar eine der Haupttriebfedern der Türkei, eine autonome Kurdenregion à la Irak in Syrien zu verhindern. Bisher mussten die Verantwortlichen jedoch tatenlos zusehen, dass genau dies passiert.

Patriots als Rückendeckung bei einer möglichen türkischen Intervention  
Es scheint so, dass diese Patriots präventiv angefordert werden, um dann eingesetzt werden zu können, wenn Syrien auf eine mögliche Intervention mit dem Ziele der Schaffung einer Schutzzone reagieren würde. Viele andere Interpretationen sind nicht möglich. Das würde wiederum heissen, dass man sich in Sachen Schaffung einer Pufferzone international abgesprochen hat und die Türkei die Kohlen aus dem Feuer holen würde..
Dass damit der Konflikt eine gefährliche neue Dimension erreichen wird, in welcher auch der Iran und Russland eine Rolle spielen werden, scheint man derzeit auszublenden. Leid tragende Nation wird dann wiederum die Türkei sein, welche bezüglich Rohstoffen etc. auf Iran und Russland angewiesen ist.


Türkei humanitär unterstützen
Mit Recht macht die Türkei auf die Flüchtlingsproblematik aufmerksam. Sie fühlt sich in dieser Frage alleine gelassen und hier besteht klarer Handlungsbedarf.  Derzeit sollen sich nach Regierungsangaben rund 170 000 syrische Flüchtlinge im Grenzgebiet auf türkischem Boden befinden. Das gibt logistische und versorgungstechnische Probleme und hier sieht sich die Türkei alleine gelassen. Im Rekordtempo wurden vorfabrizierte Städte für über 70 000 Menschen hingebaut, ein Kraftakt, und trotzdem sieht man, dass das eben nicht reicht. Hier wäre breite internationale Unterstützung angesagt. 

Brot statt Patriots.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen