Sonntag, 25. März 2012

Türkei: Schulreform aus der Sicht Erdogans


Auf seinem Flug nach Südkorea hat Ministerpräsident Erdogan wieder mal Audienz gehalten und zu verschiedensten Themen Stellung genommen. Darunter befindet sich auch die Bildungsreform:


12 yıl zorunlu eğitim konusunda ısrarınız neden? 4+4+4 ile ne amaçlıyorsunuz?
Öncelikle teknik eğitim Avrupa’da yüzde 65-70. Bizde tam tersi. Bunu düzeltmeliyiz. Sonra ailelerin endüstri meslek, ticaret, Anadolu veya imam hatip arasında tercih noktasında serbest bırakıyoruz. Ama 12 yıl zorunlu eğitime de sevk ediyoruz. Özellikle Güneydoğu’da akıl baliğ olan (ergen) kız çocuklarını aileler okula göndermiyor. Açık lise bunun için. Ev okul sisteminin önü açılacak.  Bir de organize sanayi bölgelerinin meslek okulları açmasına fırsat sağlıyoruz. Çocuk hem okuyacak, hem staj yapacak. Belki para da kazanacak. Endüstri de çok ihtiyaç duyduğu “ara elemanı”, sektörün ihtiyaçlarına göre kendisi yetiştirecek.

Die Frage nach der Absicht dieses Systems beantwortet er mit: Die technische Ausbildung umfasst in Europa rund 70% des Bildungsprogrammes. Wir überlassen es dann den Eltern, welchen Tip chule (auch imam hatip) sie für das Gaymnasium wählen. Besonders im Südosten haben wir das Problem, dass Eltern ihre Kinder, vor allem Mädchen, weiterhin nicht in höhere Schulen schicken. Deswegen gibt es hier das "offene" Gymnasium (also Heimstudium). Im Weiteren sollen in den grossen Gewerbezentren direkt Schulen eröffnet werden. Damit kriegen die Schüler die Gelegenheit, vor Ort Praktikas zu absolvieren und auch Geld zu verdienen. Die Industrie wird in diese Schulen eingebunden und kann so ihre Bedürfnisse am besten abdecken.

Samstag, 24. März 2012

Schweiz: Stunde der Wahrheit für AKW-Industrie

Seit geraumer Zeit fordern Kritiker in der Schweiz die Abschaltung der Kernkraftwerke Mühleberg und Beznau. Letzteres ist seit 42 Jahren im Betrieb und somit das weltweit älteste Strom produzierende AKW. Eine Handabschaltung am Freitagabend hat die Aufmerksamkeit auch unserer deutschen Nachbarn auf diese von Anfang an umstrittene Anlage gelenkt. Einmal mehr wird über den hoch problematischen Standort informiert und diskutiert. Ausserdem soll Ende März durch eine EU-Expertenkomission die Stresstest-Tauglichkeit dieses AKW's geprüft werden. Gleiches gilt für das AKW-Mühleberg, welches in den letzten Jahren wegen diversester Schäden immer wieder in den Schlagzeilen war.

Angst vor dem Ausstieg?

Die Betreiber dieser Anlagen führen die abenteuerlichsten Argumente ins Feld, um weiter produzieren zu können und dies mit wirklichen antiken Anlagen. So behaupten die Bernischen Kraftwerke, Betreiber von Mühleberg, eine Laufzeit bis zum Jahre 2022 würde es dem Unternehmen erlauben, problemlos von der Atomkraft auf alternative Energierzeugung umzusteigen. Dies mit einem Meiler, dessen Kernmantelprobleme seit 1990 bekannt sind und welche grösser werden..

Diese Strategie ist dreist und die BKW müssen sich fragen lassen, wie es kommt, dass sie erst jetzt
auf die tolle Idee kommen, diese andern Energieträger zu fördern, denn die Leistungsdauer des Reaktors war doch ursprünglich auf 40 Jahre angelegt...

Freitag, 23. März 2012

Türkei: Harte Zeiten für Privathaushalte und Kleingewerbe

Das Jahr 2012 bringt in der Türkei erstmals eine Reihe von Reformen, welche einerseits das Problem Privatverschuldung und andererseits den Bereich Soziale Sicherheit verbessern sollen. Dies bewirkt, dass die Haushaltsbudgets der Familien, aber auch der Kleingewerbler völlig anders aussehen als in den Jahren zuvor. Eine Reihe von Gesetzesänderungen sind dafür verantwortlich:

Kreditkartengesetz:
Bisher war es so, dass Privaleute mit einer Festanstellung praktisch von jeder Bank Kreditkarten beziehen und mit teilweise bis zu drei Monatslöhnen überziehen konnten. So hat sich die Unsitte eingeschlichen, dass viele Privatkonsumenten bis zu 6 verschiedene Kreditkarten benutzten und auf entsprechend hohen Kleinkrediten sassen.
Das neue Gesetz sieht vor,

Montag, 19. März 2012

Song Contest: Die Babuschkas

Werden sie es schaffen? Der Zweck heiligt die Mittel... Sie wollen ja nur ihre Kirche renovieren. Das gibt sicher Vorschussbonus:




Bischof Ackermann: Weiterhin Pädophile im Bistum beschäftigt

Es scheint, als habe man in der kath. Kirche aus den Missbrauchsskandalen wenig gelernt. Spiegel deckt auf, dass im Bistum Trier mindestens 7 Priester beschäftigt sind, welche als pädophil bezeichnet werden müssten, einer davon hatte nachgewiesen sexuelle Beziehungen mit Minderjährigen.

Dies wird ausgerechnet in dem Bistum bekannt, dessen Vorsitzender, Bischof Ackermann, in der heissen Phase des Skandals als Missbrauchsbeauftragter im Dienste der Kirche die Wogen zu glätten versuchte. Dies sollte mit dem Image, jung, dynamisch und kompromisslos geschehen. Entsprechend hat er sich in der Öffentlichkeit auch geäussert. Damals vertrat er die so genannte Null-Toleranz Linie, das heisst, kein Platz für Pädophile im öffentlichen Dienst der Kirche. 

Nun klingt das anders. Die Pressestelle des Bistums lässt vernehmen, dieses Handeln stehe im Einklang mit den Leitlinien der Deutschen Bischofskonferenz. Das wiederum würde heissen, dass auch aus der damals angekündigten Überarbeitung der Leitlinien nicht das geworden ist, was man ursprünglich angekündigt hat. Das ist ein Skandal! Hier die Erklärung der Pressestelle im Wortlaut.

Weitere Infos auf netzwerkB, einer Selbsthilfeorganisation von Betroffenen sexueller Gewalt.


Sonntag, 18. März 2012

Türkei Cirali Abbruchbescheide: Naturschutz oder Massentourismus?


Der Ort Cirali sieht sich mit einer Flut von Abbruchbescheiden konfrontiert. Rund 100 Pensionen und Restaurants sollen innert sehr kurzer Frist abgerissen werden, da aus Sicht des Staates illegal gebaut. Das will etwas genauer erklärt sein:

In der Vergangenheit bestand ein Gesetz, wonach Land, welches dem Staate gehörte, von Privaten gegen eine kleine Entschädigung zu landwirtschaftlichen Zwecken genutzt werden konnte und nach einer bestimmten Bewirtschaftungszeit (25 Jahre) bei einem allfälligen Verkauf mit Vorzugsrecht erworben werden konnte. In diesem gesetzlichen Rahmen wurde Cirali besiedelt. Dieses Land nannte man 2B-Land.

Das sanfte Tourismuskonzept der 90-er Jahre

Steiger Awards und Erdoğans Toleranzverständnis


Dieser Beitrag war eigentlich am 16.03 versandbereit, doch sorgte ein orkanartiger Sturm für einen zweitägigen Stromausfall, weshalb ich jetzt den Ereignissen hintennachhinke.

Heute reist der türkische Regierungschef Erdoğan nach Deutschland, wo er morgen den Steiger Award für Toleranz überreicht kriegt. In Bochum hat man  inzwischen erkannt, dass der Anlass wegen dieser Nominierung äusserst brisant werden könnte und zieht Polizeikräfte zusammen, welche die verschiedensten Demonstrationen unter Kontrolle bringen sollten. Einfach wird das nicht.

Spiegel der türkischen Gesellschaft
Erstmals sieht sich Erdogan im Ausland persönlich mit dem konfrontiert, was wir gesellschaftliche Vielfalt nennen und zwar gleich auf zwei Ebenen: 

Da wäre einmal die Türkei mit ihren verschiedenen religiösen, ethnischen Gruppen, welche sich je nach Regierung gestützt oder diskriminiert sehen. Diese Inland-Diskussion wird nur allzugern damit abgewürgt, es handle sich um Kräfte aus dem Ausland, Provokateure, Agenten, Missionare, Stiftungen, welche dies anzetteln würden. Das Problem bestehe in Tat und Wahrheit nicht. Oder aber die Stellungnahme der regierungsnahen zaman gazetesi, welche titelt:   

Mittwoch, 14. März 2012

Türkei: Parlamentsarbeit a la turka


Dieser Tage ist die Türkei wieder einmal sehr gespalten. Ausdruck dafür sind auch schwere Demonstrationen in Ankara, weitere dürften folgen. Anlass sind zwei Ereignisse:

Der Progrom von Sivas:
    Hier geht es um Ausschreitungen gegen Aleviten, welche anlässlich einer Zusammenkunft in Sivas bedrängt wurden. Anschliessend wurde das Hotel, in welchem viele der Teilnehmer nächtigten, in Brand gesteckt. Dabei kamen  37 Menschen ums Leben. Mehr dazu hier.

    Schnell waren Täter festgenommen und kurze Zeit später wurden auch Verfahren gegen insgesamt etwa 50 Leute aufgenommen. Das war vor 19 Jahren. Nun

Dienstag, 13. März 2012

Bildungsstudie Deutschland! Überrascht?


Ein erstmals von der Bertelsmann-Stiftung durchgeführter Vergleich der Schulsysteme in den verschiedenen Bundesländern bringt das an den Tag, was Lehrkräfte und wohl auch Eltern schon längst wissen: Es bestehen eklatante Unterschiede im Bildungssystem der einzelnen Bundesländer, was unmittelbare Auswirkungen auf die Zukunftschancen  der Auszubildenden hat. Die Ergebnisse sind im Einzelnen recht krass, in der Summe stimmen sie nachdenklich. Dazu kommt, dass sich dieselbe Problematik im Deutsch sprachigen Raume auch in der Schweiz stellt, nicht aber in Oesterreich, dazu mehr später.

Der Luxus Bildungsföderalismus ist kontraproduktiv
Sowohl in der Schweiz wie in Deutschland liegt die Schulhoheit bei den Kantonen, respektive den Bundesländern. In der Schweiz mag dies auf Grund der Vielsprachigkeit in einem bestimmten Sinne noch plausibel erscheinen. Trotzdem ist es nicht nachvollziehbar, dass ein Land mit weniger als 8 Mio Einwohnern 26 Bildungsdirektionen mit entsprechendem Mitarbeiterstab, Lehrmittelkommission etc. etc. beschäftig, Schulplanung betreibt und erst in den letzten Jahren ein wenigstens halbwegs koordiniertes Vorgehen nach Sprachräumen statt findet. Weiterhin bestehen jedoch zwischen den Kantonen eklatante Unterschiede im Bildungssystem, genauso in den Anstellungsbedingungen für Lehrkräfte.

Samstag, 10. März 2012

Syrien: 1 Jahr Drohungen - gemordet wird weiter

Seit einem Jahr versinkt Syrien zunehmend im Chaos. Verantwortlich dafür sind einerseits innenpolitische Unruhen und andererseits eine ganz seltsame diplomatische und politische Haltung vor allem der Westmächte.
Seit letzten August wird Stärke demonstriert, aber Schwäche praktiziert, wird die Opposition ermuntert, aber nicht wirklich unterstützt, werden Aussagen  gemacht, welche wenige Wochen später widersprüchlich korrigiert oder sich in Luft auflösen und zu gegebenem Zeitpunkt erneut als Symbol der Stärke medial verbreitet werden.

Leid Tragende sind klar die Bevölkerung und die Opposition in Syrien. Sie haben sich mehr an Unterstützung erhofft und sehen sich nun einem weiterhin ungebremst wütenden Despoten ausgesetzt, der scheinbar unbehelligt sein Land zerbomben darf. Man kriegt den Eindruck, niemand wolle sich hier die Finger verbrennen, zumal auch bezüglich Energie und Rohstoffen Einiges auf dem Spiel stehen könnte. Wieder einmal scheinen Wirtschaftswachstum und Rendite vor Menschenrechten zu stehen.

Dazu einige Zitate seit April 2011.

Sonntag, 4. März 2012

Causa Wulff und die Ineffizienz der Internetgemeinde

Nicht nur in Deutschland regen sich Hunderttausende über die Dreistheit eines ehemaligen Bundespräsidenten auf, der für sich in Anspruch nimmt, aus "politischen Gründen" sein Amt aufgeben zu müssen, während beinahe täglich neue Enthüllungen über fragwürdige Geschehnisse in seinem privaten und persönlichen Umfeld bekannt werden.

Die Sachlage ist eigentlich eindeutig: Tritt ein Bundespräsident aus gesundheitlichen oder politischen Gründen (und nur unter diesen Voraussetzungen!) zurück, hat er Anspruch auf Ehrensold und Büro, Fahrzeug etc. im Werte von total rund 500 000 € jährlich. Genau dieser Punkt ist ist also zu prüfen und hier müsste Druck auf die zuständigen politischen Instanzen oder Untersuchungsbehörden ausgeübt werden.

Freitag, 2. März 2012

Ehre und Sold

Zwei Begriffe, mit denen ich persönlich bis heute meine liebe Mühe habe..

Sold steht für mich in enger Verbindung mit Militär, erinnert mich an meine Dienstzeit und das, was ich mir damals alles über die Geschichte der Schweiz, die Wehrhaftigkeit unserer Armee im zweiten Weltkrieg, dank derer es Hitler "nicht gewagt hat", unser Land zu überfallen, anzuhören hatte (auch wenn bereits damals bekannt war, dass es Faktoren wie heimliche Kooperation waren, welche die Schweiz vor diesem Kriege verschonten). Dafür, dass wir das alles über uns ergehen liessen und ideologisch gegen den Feind aus dem Osten fit gemacht wurden, kriegten wir Lohn, oder eben Sold. 5 Franken im Tag. Diese Grundausbildung und die in der Schweiz üblichen zwei- oder dreiwöchigen Wiederholungskurse alle zwei Jahre musste man als Pflicht am Vaterland  erbringen, egal in welcher beruflichen Situation man steckte. Der Sold war eine bescheidene Entschädigung, welche üblicherweise bei Besuchen in Wirtshäusern und Kantinen in Flüssiges und Kulinarisches umgewandelt wurde.

Der Begriff  Ehre wurde damals vor allem in dem Zusammenhang herangezogen, dass es eine "Ehre sei, dem Vaterland zu dienen" und Persönlichkeiten, welche sich durch besondere Verdienste hervorgetan hatten, wurden geehrt. Ehre  stand also auch in Verbindung mit erbrachter Leistung. Geehrt wurde in Vereinen, der Politik, der Gesellschaft generell.

Ehre und Sold standen jedoch in keiner unmittelbaren Beziehung.

Heute, 40 Jahre später,

Dienstag, 28. Februar 2012

Bundestag: Gysi und der Rettungsschirm


Ein Gedanke zur gestrigen Debatte im Bundestag bezüglich des neuen Hilfspaketes für Griechenland . Dabei habe ich der Rede von Herrn Gysi mit Erstaunen, aber auch Interesse zugehört. Gysi ist ja als ziemlich fundamentaler Oppositionspolitiker bekannt, doch hat er in seiner Rede Fakten auf den Tisch gelegt, welche eigentlich für sich sprechen, allseits bekannt, aber nirgendwo in all den Reden vorher und nachher so erwähnt wurden. Dann hat er einen nachvollziehbaren Vergleich herangezogen, um diese Situation Griechenlands zu verdeutlichen.

Er nannte das, was jetzt passiert, ein Vertragsdiktat a la Versailles. Das löse die Probleme nicht, sondern schaffe nur neue Schwierigkeiten, zumal der Vertrag für die Griechen nicht umsetzbar sei.

Man brauche keinen Vertrag von Versailles, welcher ja ein wesentlicher Faktor gewesen sei, dass ein Hitler die Strasse des 2. Weltkrieges eingeschlagen habe. Nein, man brauche einen Marshall-Plan. Dieser habe es Deutschland ermöglicht, nach dem zweiten Weltkrieg wieder wirtschaftlich auf die Beine zu kommen. Gysi hat also einen, seiner Meinung nach, unmöglichen Vertrag und eine, seiner Meinung nach, praktikable Lösung mit konkreten Beispielen unterlegt.

Was nun in der Folge

Wulff: Auch DAS noch !


Ich finde, es gibt Anlässe, mit welchen eine herausragende Leistung gewürdigt, honoriert werden soll. So zumindest lässt jeweils der Titel vermuten. Wenn also ein Bundesverteidigungsminister, ein Bundespräsident etc. nach erfolgreicher Tätigkeit sein Amt verlässt, gebührt im beispielsweise ein Grosser Zapfenstreich. Kein Zapfenstreich, sondern der Grosse Zapfenstreich. Nichts Alltägliches also.

Wenn nun dasselbe Prozedere dem, wegen privater Mauscheleien zurückgetretenem Bundespräsidenten angeboten wird und dieser dieses Zeremoniell ANNIMMT, besagt dies nicht mehr und nicht weniger, als dass sich viele Vorgänger (mal abgesehen von Guttenberg), im Nachhinein beleidigt vorkommen müssen, diese Zeremonie wertlos wird und eigentlich abzuschaffen wäre...

Dass Herr Wulff der Meinung ist, auch ihm gebühre diese Verabschiedung, ist aufschlussreich und erklärt Einiges bezüglich seiner Denkmuster: