Dienstag, 5. Juni 2012

Çıralı: Rätselraten und Gerüchte

Es ist derzeit nicht gerade einfach, die Abläufe in und um Cirali zu beschreiben, denn es ist ganz schwer, zwischen Gerüchten und wirklichen Ereignissen zu unterscheiden, selbst für Leute, welche in Cirali wohnen. Trotzdem, es gibt einige "harte" Neuigkeiten:

1. Vergangen Woche trafen sich Vorstandsmitglieder der Ulupinar-Kooperative in Ankara mit dem Generaldirektor der Nationalen Parkverwaltung, Ahmet Özyanık. Die Vorstandsmitglieder hatten Gelegenheit, ihre Sicht der Dinge  darzulegen. Bezüglich konkreter Ergebnisse ist nichts bekannt.


2. Dieses Wochenende nahm Prof. Dr. Kantarci  in Cirali an einer Konferenz teil und machte in seinem Vortrag auf die Widersprüchlichkeiten in der Planung, aber auch im Konzept Cirali aufmerksam. Es ging dabei auch um das Thema, ab wann sich Tourismus und Naturschutz in die Quere kommen. Seiner Auffassung nach müssten die Probleme lösbar sein, indem die Kooperative von Cirali diese ominöse Parzelle 397 (auf welcher zu 2-B-Zeiten über 100 Anspruchsberechtigte Einzelpersonen eingetragen waren) mietet und weiter verwaltet.

Griechenland in die Drachme-Spanien husch husch unter den Schirm?

EU- und bankenpolitisch stecken wir wieder mal in einer heissen Woche. Viel zu erklären gibt es kaum, das Meiste war und ist täglich nachzulesen. Bezüglich Griechenland steht der Austritt aus dem € zur Debatte. "Machbar und verkraftbar" kommentieren die Banker und wollen damit wohl in erster Linie beruhigen. Ganz so reibungslos dürfte dies nämlich kaum gehen, wie die neuesten Moodys-Bewertungen für französische Banken zeigen. Denen werden die griechischen Klumpenrisiken zum Verhängnis. 

So erstaunt es nicht, dass nun Frankreichs Politiker und die Bankenriesen es sinnvoll finden, dass Gelder aus dem Rettungsfonds direkt in die Banken fliessen...Klar, dann kann man sich die Schmach des Rettungsschirmes ersparen und erst noch dem EU-Spardiktat entrinnen. 

Nun ja, das ist alles nicht neu. Die unvorstellbare Summe von rund einer Billion € floss doch schon  in zwei Tranchen in die Banken.... Die Erwartung bestand, dass dank Vorzugszins  wieder mehr Geld in Umlauf kommt, Kredite erteilt werden. Ja, was ist damit passiert.Laut Recherchen in der Welt vom März horteten die Banken jedoch über 700 Mia € erneut bei der Zentralbank...

Spanien taumelt und Frankreich beginnt zu wackeln.

Dienstag, 29. Mai 2012

Çıralı: Die grosse Stille


Seit einer Woche hört man aus Çıralı so gut wie gar nichts mehr und wer was in den Medien sucht, muss sich auf Kommentare oder Blogs konzentrieren. Ein solcher beachtenswerter Beitrag von Melis Alphan  erschien vor einigen Tagen in der Auflage starken Hürriyet unter dem Titel. : In Cirali beginnt das schmutzige Feilschen: In ihren Beitrag liess sie auch Ergebnisse des engagierten Umweltjournalisten Yusuf Yavuz einfliessen. 


Klagerückzug sichert eigene Existenz?


Die Journalistin, welche sich schon eingehender mit Cirali befasst hat, schildert nochmals die verquickte Geschichte der verschiedenen Umzonungen und fragt natürlich nach dem Sinne und auch der Rechtmässigkeit. Zum Schlusse erwähnt sie, dass die Stille in Cirali damit zu erklären sein, dass inzwischen hinter geschlossenen Türen verhandelt werde. Das Motto: Du ziehst die Klage gegen die Sportanlage zurück und wir verzichten auf den Abbruch deiner Pension. Sollte dem so sein, wäre dies ein Skandal und  die gesamte Argumentation, mit welcher die Ministerien bisher operierten, eine Farce.. Noch nicht bestätigt ist die Meldung, dass innert Monatsfrist drei weitere Pensionen geleert und zurückgebaut  werden müssen.

Montag, 21. Mai 2012

Cirali und Artenschutz in der Türkei


Nachdem in Cirali die ersten vier Pensionen abgebrochen wurden, stellt sich die Frage, was in den kommenden Monaten mit den restlichen über 100 Betrieben geschieht, welche gemäss erlassener Verfügung ebenfalls geleert und abgebrochen werden müssten.

Die Tatsache, dass der Ausgangspunkt des neuen Streites in Cirali die Vermietung eines 18 000 m2 grossen Geländes direkt am Legestrand zu touristischen Zwecken war, wirft die Frage auf, inwiefern die verantwortlichen Behörden überhaupt noch an einem echten Artenschutz interessiert sind, oder aber sich darauf verlegt haben, Meeresschildkröten als Werbemittel einzusetzen, während man gleichzeitig die Lebensgrundlage dieser Tier, die Legestrände, zerstört. Diese Unterstellung lässt sich begründen.

Mittwoch, 16. Mai 2012

Griechenland: Die nächste "letzte Warnung"

Seit nun bald zwei Jahren hören wir aus Ur-Europa die so genannt "letzte Warnung" an Griechenland. Will heissen: Entweder, es läuft jetzt so, wie wir das vorschlagen oder abgemacht haben, oder die Finanzhilfen fallen weg, wir lassen euch fallen. Die Tatsache, dass diese Drohgebärde so alle zwei Monate stattfindet, ohne dass sich in Griechenland was ändert, hat natürlich dazu geführt, dass auch ihre Wirkung inzwischen nicht mehr sonderlich gross ist, vor allem was die Griechen selbst betrifft.

Es ist ja nicht so, dass Griechenland nicht sparen würde, ganz im Gegenteil. Die massiven Einschnitte haben das Leben verändert, ohne dass am Horizont irgendwelche positive Signale wie Wirtschaftswachstum oder Schuldenabbau zu erkennen wären. Ganz im Gegenteil, alle Daten haben sich verschlechtert. Unter diesen Vorzeichen sollte man das folgende Interview lesen: Man muss der EU klar machen, dass ein Austritt keine Lösung ist. 

Mittwoch, 9. Mai 2012

Türkei Çıralı: Ereignisse vom 8./9. Mai


Hier eine kurze Zusammenfassung, was gestern und heute in Çıralı passiert ist:


Nach einem Sitzstreik gestern, welcher von einem grossen Polizeiaufgebot aufgelöst wurde, hat man eine Pension eingerissen. (Video). Nach Informationen von Leuten vor Ort, wurden rund 25 Personen festgenommen. Neben einem Gerichtsverfahren sollen sie wegen Behinderung und illegaler Demonstration mit 5000 TL gebüsst werden.

Heute morgen sollten drei weitere Pensionen abgerissen werden. Allerdings gab es da erneut Verzögerungen, weil nämlich eine Frauengruppe während 2 Stunden mitten auf der Strasse meditierte (Video, auch mit Stellungnahme einer deutschen Touristin.) und den Einsatz schweren Räumgerätes offenbar verhinderte. 

In dieser Zeit gelang es dann, mit den Behörden insofern eine Einigung zu erzielen, dass die betroffenen Pensionen von den Betroffenen selbst abgebrochen werden. Dies mit dem Vorteil, dass der Garten nicht durch schwere Baumaschinen zerstört wird. Für eine Pension wurde  im Laufe des Nachmittags laut facebook-Quellen die Abbruchbewilligung ausgesetzt, dies nachdem bereits die halbe Pension geschliffen war.

Gross ist die Unsicherheit, wie denn nun mit den andern Pensionen weiter verfahren wird. Bleibt es bei diesen vier Pensionen, oder werden in Kürze weitere Pensionen mit dem Abbruchentscheid konfrontiert? Selbst wenn es dabei bleibt: Das Problem ist damit keineswegs gelöst. Was fehlt ist eine verlässlicher Bebauungsplan, der eigentlich 2007 vorgelegt wurde, jedoch vom zuständigen Verwaltungsgericht abgelehnt wurde und seither ist nichts mehr Konkretes passiert. Deswegen wird auch immer mehr Kritik am Kultur- und Tourismusministerium laut, welches sich in dieser Frage sehr passiv verhalten haben soll.

Alle Beiträge zum Thema

Türkei Çıralı: Abbruch hat begonnen

Gestern wurde in Çıralı , begleitet von einem massiven Polizeiaufgebot, mit dem Abbruch einer ersten Pension begonnen. Heute sollen drei weitere Betriebe geschleift werden. Obwohl wieder zahlreiche Demonstranten erschienen, blieben deren Bemühungen, diesen Abbruch zu verhindern, erfolglos. Etwa 25 Personen wurden festgenommen. Die Zeitung Hürriyet hat Bilder und ein Video ins Netz gestellt.

Der Landrat der Region hat den Abbruch damit begründet, diese Pensionen befänden sich auf Waldgebiet und seien illegal, weshalb sie abzubrechen seien. Das mag aus heutiger Sicht stimmen, wenn man nur die Momentaufnahme als Richtschnur hinzuzieht. Wie bereits in einem früheren Beitrag berichtet, sind die Sachlage und die Geschichte Çıralıs jedoch bedeutend komplexer. In einem der bisher besten Beiträge zu diesem Thema fragte der Journalist Yusuf Yavuz im Atlas Dergi: Hat das Modell Cirali im Tourismus ausgedient? Er listet da sachlich die Ereignisse seit 1990 auf und fragt nach der Zukunft dieses Ortes, welcher touristisch ja durchaus eine Marke darstellt.

Retourkutsche nach Klage gegen Tourismusprojekt?

Dienstag, 8. Mai 2012

Europa zerlegt sich selbst

Zurück von einem zweiwöchigen Urlaub zuerst ein Blick auf die aktuelle Situation im Krisen geschüttelten Europa. Was sich seit mindestens einem Jahr erahnen liess, trifft nun Schritt für Schritt ein: Die EU-Strategie zur Bewältigung der Finanzkrise in verschiedenen europäischen Ländern wird von der Bevölkerung der betroffenen Mitgliedsstaaten nicht  mitgetragen.  

Griechenland straft die beiden grossen Volksparteien ab und steht politisch vor einer mehr als ungewissen Zukunft. Wut- oder Protestwahl, aber keine Perspektive. Die von der EU benötigten Ansprechpartner auf dem Wege Griechenlands aus der Finanzkrise fallen weg. Das Volk macht nicht mehr mit und hat dies auf demokratischem Wege kundgetan. 

Mit der Abwahl Sarkozys muss die Achse Berlin- Paris neu definiert werden. Es ist nicht ausgeschlossen, dass dabei die, von vielen anderen Staaten als penetrant wahr genommene,  Bevormundung der EU durch Frankreich und Deutschland zu Ende geht. Der neue Staatspräsident Hollande setzte zumindest während des Wahlkampfes in Sachen Bewältigung der Wirtschaftskrise Akzente, mit denen Frau Merkel kaum wird leben können. Es dürfte also vorbei sein mit den schnellen EU-Entscheiden, da inhaltlich breiter gesteckte Vorschläge, Anträge zu erwarten sind.