Samstag, 12. Januar 2013

Kath. Kirche, Einschub: Von wegen Aufklärung!!!!

In irgend einem Interview mit Vertretern der Kirche glaubte ich ganz am Ende gehört zu haben, dass mit der Sichtung der Akten durch Herrn Pfeiffer noch gar nicht begonnen worden sei. Ich habe dann etwas gesucht und bin hier fündig geworden: "Die Untersuchung der Akten, die seit anderthalb Jahren hätte laufen sollen, hat noch gar nicht begonnen, von kleineren Stichproben abgesehen." Ich komme am Ende des Beitrages darauf zurück.

Das Projekt mit Herrn Pfeiffer ist befristet auf drei Jahre, so der Vertrag,  welcher im August 2011 unterzeichnet wurde. Nachzulesen hier.

Das heisst: 50% der vertraglich vereinbarten Zeit für diese Untersuchung sind vorbei und bisher steckt man in Verfahrensfragen fest, ohne die eigentliche Arbeit begonnen zu haben!

Dafür ist vor wenigen Tagen
eine erste, von der Kirche in Auftrag gegebene Studie publiziert worden (welche von Politik und Betroffenen bereits bei Auftragserteilung  in ihrer Anlage scharf kritisiert wurde), die Ergebnisse einer zweiten Studie werden für die kommenden Wochen angekündigt. In diesem Umfeld eingebettet, wird die zentrale Studie, welche von allen Seiten als Zeichen der Öffnung der Kirche begrüsst wurde, gestoppt. 

So sieht Egoismus aus
Einmal mehr scheint es so, dass sich die Welt, auch die Justiz, den Ritualen und Gesetzen der Kirche anzupassen hat und nicht umgekehrt,  selbst wenn es um die Aufklärung von Verbrechen geht.  Damit befinden wir uns auf dem selben Weg, den wir schon zur Genüge kennen. Sämtliche bisher erlebten Initiativen der kath. Kirche gehen dahin, sich selbst zu schützen. Dabei bleiben Opfer und Täter außen vor. Sie sind letztlich unwichtig. Um diese Behauptung zu unterlegen, benötigt es keine Untersuchung Pfeiffer, es reicht, den ersten Untersuchungsbericht von Ursula Raue und den Abschlussbericht von Aerzte ohne Grenzen aufmerksam zu lesen. Ohne irgendwelche Skrupel haben da Verantwortliche von Orden und Kirche Unbeteiligte wissentlich ins offene Messer rennen lassen. Was jetzt kommt, empfehle ich, mit nüchternem Magen zu lesen:

1. Abschlussbericht Aerzte für die Dritte Welt welche jahrelang ihren Gründer in der Organisation beschäftigt hatten, ohne von den Jesuiten über dessen Verfehlungen formell informiert worden zu sein. Folge: Als das dann alles aufflog, wurden Aerzte ohne Grenzen kalt erwischt und innerhalb von 24 Stunden strich das Bundesamt für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung die Fördergelder! Stellungnahme zum Abschlussbericht Aerzte für die Dritte Welt vom Mai 2012.  (Im Bericht erwähnte Links werden unter 2 und 3 in diesem Beitrag separat aufgeführt.

2. Bericht von Ursula Raue vom Mai 2010, Täterbiographien, berufliches Stationen, Versetzungen etc. Umgang mit Klagen, Informationen innerhalb des Ordens. Hier wird Fall für Fall nachgewiesen, dass sehr wohl Wissen vorhanden war, Klagen erhoben wurden. Ich empfehle insbesondere die Lektüre des Falles Bertram und obwohl mir im Zusammenhang mit Tätern die Verwendung des Begriffes "tragische Lebensgeschichte" schwer fällt; hier halte ich das für angebracht.  Im Bereiche D wird auf das Verhalten des Ordens und Roms bezüglich Opfern und Tätern eingegangen. Die Aussagen sind eindeutig. Bericht Ursula Raue vom Mai 2010

3. Bericht von Andrea Fischer 8.7.2010.  Im Auftrag der Jesuiten wird hier der Umgang des Ordens mit Opfern und Tätern sowie die Kommunikation innerhalb des Ordens untersucht. Interessant vor allem der Aspekt, wie Versetzungen vorgenommen, kommuniziert oder eben nicht kommuniziert wurden. Ein langer Bericht, sehr aufschlussreich. Wer es kürzer haben möchte soll ab Seite 18 "abschließende Bemerkungen" lesen. Bericht Andrea Fischer

Was in allen drei Berichten deutlich wird, ist die Systematik der Verschleppung, Vertuschung oder das sich Verschanzen hinter Kirchenparagraphen, dies mit dem Ziel, Schaden abzuwenden, selbst zum Preise, dass Unbeteiligte neu oder weiter geschädigt werden.   Täter wurden nach dem Motto "aus den Augen, aus dem Sinn" wegbefördert.

Damit wären wir wieder in der Aktualität. Das Thema Pfeiffer passt da nahtlos hinein, wie im folgenden Bericht mit etwas mehr Hintergrundinfos nachzulesen ist. (ab "Überblick über das Ausmass des Skandals")

Eine Hoffnung allerdings keimt jetzt neu auf: Ich wünsche mir, dass die Vorwürfe, mit denen man sich derzeit überhäuft, gerichtlich geklärt werden müssen. Pfeiffer selbst scheint dies ganz entschieden anzustreben, was heißen würde, dass er seine Vorwürfe belegen kann.

Freiwillige/Laien sind Opfer desselben Systems
Die kath. Kirche ohne Laien ist heute unvorstellbar. Sie schuften mangels Priestern an der Basis, erkennen Bedürfnisse oder Probleme und versuchen seit Jahrzehnten, die Kurie darauf zu sensibilisieren. Ihre Erfahrungen sind dieselben, wie sie die oben erwähnten Opfer machen mussten: Problem kommuniziert, aber es interessiert niemanden. 
Verwunderlich, dass sie, trotz des unverkennbaren Trends zu mehr Traditionalismus, sich überhaupt noch weiter engagieren und damit dieses System stützen. Denn Meldungen wie diese sind Stiche ins Herz jedes einigermaßen aufgeschlossenen Menschen. Fortschritt und Ehrlichkeit vor sich selbst und anderen gegenüber sehen anders aus. Die Bevölkerung hat schon längst ihre Schlüsse gezogen: 69% halten die kath. Kirche für unehrlich.

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