Dienstag, 12. Februar 2013

Kath. Kirche: DER Rücktritt

Gestern platzte also die Bombe. Der amtierende Papst Benedikt XVI tritt auf Ende Februar von seinem Amt zurück, ein erst einmal da gewesener Vorgang. Das passiert zu einem Zeitpunkt, in welchem sich die kath. Kirche gespalten und von inneren Richtungskämpfen zerrissen wie noch selten präsentiert. Gerade die letzten 8 Jahre haben diese Entwicklung beschleunigt, wozu der scheidende Papst in seinem früheren Amt als Präfekt der Glaubenskongregation und später als Papst Wesentliches beigetragen hat.  Andererseits muss man festhalten, dass der damalige Kardinal dieses Amt nie gesucht hat. Das ist keine Entschuldigung für die Tatsache, dass die Institution Kirche sich in den vergangenen 8 Jahren so gut wie nicht bewegt hat. Im Gegenteil, man spricht von einem Rückschritt, zumal in der Zwischenzeit das Kardinalskollegium mit vielen Leuten bestückt ist, die auf der theologischen Linie des Papstes und dessen Vorgänger liegen.

Was wird wohl später in den Büchern über diesen Papst berichtet werden?

- Papst wider Willen. Er wollte dieses Amt im Alter von 78 Jahren nicht mehr annehmen,
trotzdem wurde er dazu verdonnert und hat seine Pflicht erfüllt, obwohl er seinen Lebensabend lieber mit Studien und dem Schreiben von Büchern verbracht hätte.
- Versuch der Versöhnung Einigung mit Traditionalisten. Dazu gehörte ein weiteres Abrücken vom 2. Vatikanischen Konsil, die Zulassung der Tridentinischen Messe, die unglücklichen Annäherungsversuche mit der Priesterbruderschaft oder Opus Dei.. Von außen musste das alles wahr genommen werden als Rückkehr in den Traditionalismus, allen schönen Worten zum Trotz.
- Annäherung an andere Religionen bei gleichzeitiger Abgrenzung und Brüskierung derselben bei späteren Reden. Das muss wohl im persönlichen Spannungsfeld des Papstes als Realist und gleichzeitig sehr beschlagenem Theologen gesehen und verstanden werden.
- An den strukturellen Problemen der Kirche konnte oder wollte der Papst faktisch nichts ändern, was sich gerade auch bei den Mißbrauchsfällen durch Kirchendiener sehr klar gezeigt hat.
- Sein Rücktritt. Das wird an erster Stelle mit diesem Papst verknüpft sein, und vielleicht können wir momentan die Bedeutung dieses Schrittes noch gar nicht ermessen. Er besagt, dass die Institution Kirche ganz klar von jemandem zu führen ist, der im Vollbesitz seiner geistigen und physischen Kräfte sein sollte. Damit tritt der Papst persönlich der Tradition entgegen, wonach ein Papst sein Amt bis ans Lebensende auszuführen hat. Ich denke, DAS ist die herausragendste Zäsur, welche Papst Benedict in seinem Pontifikat gesetzt hat und dafür ist ihm zu danken, verdient er grössten Respekt.

Die Zerreissprobe geht weiter


Nun muss also ein neuer Papst erkoren werden. Kardinäle, welche älter als 80 Jahre alt sind, dürfen daran nicht teilnehmen. Wünschenswert wäre natürlich, dass z.B ein Papst im Alter von unter 65 gewählt würde, welcher diesen Rücktritts-Schritt von Benedict XVI im fortgeschrittenen Alter ebenfalls anwendet, also mit spätestens 75 Jahren zurücktritt. DAS wäre ein Zeichen. Ansonsten verständigen sich die Kardinäle weiterhin auf die Formel: "So jung geht nicht, der bleibt sonst zu lange im Amte".. und es werden weiterhin Greise gewählt, deren Wirken zeitlich eingegrenzt werden kann.....


Es lauern  Stolpersteine auf die Institution kath. Kirche:

- Papst aus Afrika oder Südamerika? Es wäre an der Zeit, sagen die Viele. Hat man sich schon mal überlegt, welches die Auswirkungen auf die Kirche in Europa sein werden? Gerade die traditionellen Kreise sehen doch noch heute Afrika, Südamerika als Missionsgebiete. Und jetzt soll "so" einer...??? Für Zoff unter den Traditionalisten ist also gesorgt. Wird dieses Amt jedoch erneut durch einen Europäer besetzt, so stellt sich die Frage, was mit den "jungen" Kirchenkontinenten geschiehen wird. Sagen sie sich los von der Mutterkirche?

- Reformen!!!! Wer wagt sich an diese Herkulesaufgabe? Es braucht einen Papst, welcher mindestens 20 Jahre im Amte ist, denn  es dauert alleine 10 Jahre, bis die Kardinalsgremien, welche vorwiegend mit sehr traditionell denkenden Katholiken bestückt sind, personell so weit erneuert sind, dass auch neue Mehrheiten entstehen können.  Ein ganz problematischer Zustand.

- Realitätsbezug! Genau diesen vermissen viele Gläubige im Laufe der letzten 20 Jahre. Sie erleben eine Kirche, welche sich immer mehr auf Dogmen fixiert, welche in der Praxis von einer Mehrheit der Gläubigen schon längst über Bord geworfen wurden. Reformer aus der kath. Kirche sehen sich sehr schnell auf irgend ein Abstellgleis versetzt, während die Hardliner recht geradlinig in die Machtzirkel aufsteigen. Diesen Teufelskreis zu durchbrechen verlangt einen langen Atem

- Was ist die Vison heute? Geht es darum, angesichts schwindender Mitgliederzahlen in Europa sich als Dienstleister im Erziehungs- und Gesundheitsbereich zu etablieren und damit die Institution materiell über die Runden zu bringen, oder vermag sich die kath. Kirche glaubwürdig als religiös- gesellschaftliche Instanz zu profilieren? Derzeit sind wir weit davon weg.

Der neue Papst zieht ein in ein vom  Einsturz gefährdetes Gebäude. Das wissen auch alle potentiellen Nachfolger und so ist es wirklich spannend, zu verfolgen, wer  letztlich zum neuen Papst gekürt werden wird. Zu beneiden ist er nicht.

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