Montag, 9. September 2013

Syrien: Die Sache mit der Beweislage

Es ist wieder mal so weit: Die internationale Gemeinschaft soll einem Militäreinsatz der USA zustimmen, der in seiner ursprünglichen Begründung offensichtlich nicht mehr zu halten ist. Damit will ich nicht verharmlosen, was da passiert ist. Rund 1400 Menschen sind durch einen Giftgas-Einsatz ums Leben gekommen. Wer wie was ausgeführt und wie das alles möglich war, darüber gibt es die verschiedensten Spekulationen. Sicher scheint nur etwas: Dieser "militärische Vergeltungsschlag" kann nicht mehr in einen direkten Zusammenhang mit dem syrischen Präsidenten Assad gebracht werden.


  • Der US-Stabsschef selbst räumt ein, dass die Beweislage dürftig ist und weicht auf den "gesunden Menschenverstand" aus. In einer ersten Anhörung sollen die Kosten übrigens "mehrere 10 Mio Dollar " betragen. Ob da eine Null vergessen wurde?
  • Von einem deutschen Spionageschiff wird vermeldet, Militärs hätten Assad seit Monaten zu einem Giftgas-Einsatz gedrängt. Dieser habe dies abgelehnt und es sei davon auszugehen, dass der stattgefundene Einsatz von Assad niemals genehmigt worden sei. (Weshalb wird diese Meldung übrigens erst jetzt verbreitet?)
  • Assad selbst hat gegenüber West-Fernsehstationen ein Interview gegeben und weist die gegen ihn erhobenen Vorwürfe entschieden zurück. Diese Interviews sollen im Laufe von heute auch in den USA ausgestrahlt werden, wo ja Obama ebenfalls eine Kampagne für einen Vergeltungsschlag startet.
  • Bezüglich einer möglichen Urheberschaft gibt es außerhalb der USA auch ganz andere Meinungen, welche bezüglich "gesundem Menschenverstand" ebenso logisch sind.
  • Währenddessen rasselt die Türkei mit dem Säbel, lässt einige F-16 im Grenzgebiet herumfliegen, welche sogar die Erlaubnis haben sollen, "im Bedarfsfall das Wirkungsfeuer zu eröffnen". Angesichts der Ungenauigkeit dieser Flugrouten in den vergangenen zwei Jahren ("Verlust von zwei Maschinen durch Fremdeinwirkung) wäre es vielleicht klug, die türkische Regierung zurückzubinden, denn es macht keinen Sinn, einen wirklichen Krieg wegen solcher Stümpereien loszutreten.
  • Im Weiteren ist es so, dass die türkische Bevölkerung weder einen amerikanische und noch viel weniger einen türkischen Militäreinsatz in Syrien befürwortet, auch wenn Erdogan diesbezüglich völlig anders tickt.
  • Ebenfalls unklar und Gegenstand eines Gerangels sind in den USA Dauer des Einsatzes und Anzahl der strategischen Ziele. Offenbar will das Militär drei Tage Zeit, um Einsätze gegen rund 70 Objekte oder Anlagen zu fliegen, ein Rahmen, der über das von Obama angedachte Strafmaß hinaus geht.


Bemerkenswert: Es wird zu keiner Zeit und in keinem Medium darüber nachgedacht, welches die Folgen dieser Aktion für die USA, aber auch für die Nachbarländer Syriens sein könnten. Ganz am Rande: Natürlich müssten auch Folgen für Europa bedacht werden, beispielsweise Rohstoffversorgung, ein ziemlich delikates Thema, nicht wahr? Erklärt sich daraus die Zurückhaltung der EU-Staaten?

So betrachtet scheinen sehr viele Parallelen zur Situation VOR dem Angriff auf den Irak  offensichtlich. Ein deutlicher Unterschied außerhalb der Entscheidungszirkel:  Das Oberhaupt der katholischen Kirche, Papst Franziskus nimmt in der Entscheidungsphase der USA klar Stellung und macht es Obama damit nicht einfacher. 



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