Freitag, 27. Dezember 2013

Türkei: Erdogans Ende lässt sich nicht herbeischreiben!


Wer die Türkeithemen der letzten Tage interessiert durchliest, gewinnt den Eindruck, die Türkei stehe unmittelbar vor einem Regierungswechsel, Erdogans Zeit sei abgelaufen.  Es scheint eine üble Angewohnheit der Medien zu sein, mit reißerischen Schlagzeilen für Aufmerksamkeit zu sorgen. Doch mehr als nur das: Es wird nun auch medial breit gegen Erdogan mobil gemacht, in der deutschsprachigen Presse. Dabei scheint oft der Titel wichtiger, als der Inhalt.  


Und: Ich erinnere mich, anlässlich der Gezi-Proteste ähnliche Schlagzeilen gelesen zu haben. Das ist verkehrt und vor allem irreführend für die Leute, welche in der Türkei protestieren. Sie glauben an wirkliche Unterstützung aus dem Ausland, welche sich in Tat und Wahrheit auf  Floskeln beschränkt. Um einige Beispiele zu nennen:

"Börsen sacken weg", eine heutige Schlagzeile. Verlust war heute 1,04%. Wie das genau errechnet wurde ist für mich als Laie unklar, denn viel wichtiger scheint mir das, was heute mit den verschiedenen Aktienkursen der Firmen passiert ist. Minus, soweit das Auge reicht, teilweise im zweistelligen Bereich. Dieser Aderlass findet seit Tagen statt,  MUSS an die Substanz der Firmen gehen, welche mit hohen Kreditlinien arbeiten. Hier wären schon längst Wertberichtigungen angebracht...

"Erdogan mit dem Rücken zur Wand". Nein, das mag von außen so ausschauen, weil wir den politisch rauhen Ton nicht gewohnt sind. Beispiel: Erdogan hat trotz laufender Ermittlungen seine Pakistanreise planmässig  angetreten und absolviert. Er fühlt sich sicher, lediglich stärkerer Kritik ausgesetzt. Diese Sicherheit strahlt er auch bei seinen Reden vor ausgewähltem Publik um aus. Dabei teilt er heftig aus, das kennt man von ihm und genau damit schart er seine Wähler um sich...

"Protesttwelle" .. ist klar zu relativieren. Wenn in Millionenstädten 10 000 Menschen protestieren ist das eine kleine Gruppe. Anders sähe es aus, wenn  sich da mal eine Million Menschen in Istanbul in Bewegung setzen würden. DAS wäre ein ernsthaftes Problem. Anzufügen auch hier, wie damals bei den Gezi-Protesten: Es gibt dann eine Reihe Trittbrettfahrer, welche diese Demos für ihre Ziele missbrauchen. Bilder von heute aus Istanbul Izmir und  aus Ankara  (ca. 500 Personen!!!) .

Erdogan steht und fällt mit der Wirtschaft!
Es dürfte so sein, dass die Unterstützung für Erdogan dann zusammenfällt, wenn Börse und/oder TL kollabieren, was jeder Türke dann sofort am eigenen Leibe zu spüren kriegt. Wenn das passiert, DANN steht Erdogan an der Wand, DANN kann über Rücktritt und Regierungswechsel spekuliert werden.

Nur: Welche andere Partei bietet sich denn an? Damit wären wir beim nächsten türkischen Problem. Mangels einer wirklichen politischen Opposition würde ganz klar ein Vakuum entstehen, in welchem sich erneut Radikalismus und
Willkür ausbreiten würde. DAS ist das Schlimme an der ganzen Situation.

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