Dienstag, 14. Januar 2014

Türkei: YouTube und Vimeo gesperrt.


Letzte Woche war in der Türkei plötzlich der sehr beliebte Video-Dienst Vimeo nicht mehr erreichbar (Quelle Hürriyet). Gestern nun hat es auch YouTube erwischt. Beim Öffnen der Seite erscheint die übliche Mitteilung, dass auf Grund eines Gerichtsbeschlusses diese Seite in der Türkei verboten worden sei. Diese Aktion geht ganz klar auf sein Betreiben zurück und die wurde schon frühzeitig angekündigt. Im Sinne von: Dunkle Mächte versuchen über "so genannte" Soziale Netzwerke Lügen zu verbreiten....


Mit diesem Mittel versucht Erdogan offensichtlich wieder eine mediale Monopolposition aufzubauen. Speziell in diesem Zusammenhang ist die Tatsache, dass der Regierung nahe stehende oder durch die Regierung unter Druck stehende Medien seit zwei Wochen  damit beschäftigt sind, täglich eine bis zwei Reden Erdogans im vollen Wortlaut zu publizieren. Wer Erdogan kennt, weiß, dass das keine kurzen Ansprachen sind, denn da erklärt er den Zuhörern seine Sichtweise der Tages-Realitäten und der Welt. Nicht mehr und nicht weniger...) Vor allem aber wird verhindert, dass über Ereignisse in der Türkei aus der Sicht der Betroffenen berichtet werden kann.

Die Strategie ist durchschaubar: So lange man von mir spricht, gibt es keinen  Platz, über andere zu berichten. 

Festzuhalten ist: Demokratie geht anders und gemessen an den Protesten, welche man China und andern Staaten vor zwei Jahren im Zusammenhang mit der Zensur des Internets vorgetragen hat, wäre jetzt eigentlich von denselben Diplomaten nicht nur Protest, sondern klare Abgrenzung angesagt. Immerhin handelt es sich bei der Türkei um einen EU-Beitrittskandidaten. Indem nun weiter kooperiert wird, legitimiert man Erdogans Handeln. 

Denn: Ein nächster Schritt, den man von solchen Staatsmännern kennt, könnte darin bestehen, dass die Konten ausländischer Investoren, welche derzeit wegen der Politik Erdogans sehr viel Geld abziehen und für die Turbulenzen am Devisenmarkt und an der Börse mitverantwortlich sind, gesperrt werden. Denn auch das könnte der Ministerpräsident in seiner Optik als "unfreundlichen Akt mit dem Ziel, die Türkei zu destabilisieren und somit kriminell" bezeichnen.

Nachtrag 14.01. 2014  22 Uhr: Inzwischen soll YouTube wieder zugänglich sein.  Grund für die Sperrung soll übrigens ein Video sein, in welchem sich Nutzer über die Sperrung von Vimeo beschwert haben.

Auch facebook ist skeptisch:  Angesichts immer neuer Vorschläge im Parlament zum Thema Regulierung des Internets hat sich nun laut hürriyet auch Facebook kritisch zu äußern begonnen.

1 Kommentar:

  1. Auch in D gibt es so etwas, sie glauben nur, dass sie es geschickter anstellen.
    Deutschland in der UkraineAbweichungen vom einheitlich gleichgeschalteten Mainstream sind heutzutage schwer zu finden. Aber es gibt noch aufrechte und mutige Leute.
    Im Zusammenhang mit den festgesetzten "harmlosen" deutschen (angeblich OSZE-) Militärbeobachtern war im Netz folgendes zu finden:
    (Siehe dazu auch den Georg/Bräutigam-Ukraine-Artikel in der nrhz (neue rheinische Zeitung):http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=20289 “Ein ungewöhnlicher Einsatz”)
    Zitat:
    Volker Bräutigam
    Adlerweg 1
    23879 Mölln
    Frau Ute Schildt, Vorsitzende des NDR-Rundfunkrats, Hamburg, Rothenbaumchaussee 131
    Nachrichtlich an: Herrn Intendant Lutz Marmor (p. E-Mail: ndr@ndr.de) Herrn ARD-aktuell-Chefredakteur Kai Gniffke (redaktion@tagesschau.de)
    Frau Chefredakteurin Claudia Spiewak (p. E-Mail: ndr@ndr.de) Redakteursausschuss des NDR (p. E-Mail: ndr@ndr.de) Beschwerde über desinformierende Ukraine-Berichterstattung des NDR resp. der Redaktion ARD-aktuell
    Sehr geehrte Frau Schildt,
    hiermit mache ich von meinem Recht Gebrauch, wegen Art der Berichterstattung des NDR und der von ihm zu organisierenden Sendungen fürs Erste Deutsche Fernsehen, ARD-aktuell, über die Ereignisse in der Ukraine
    Beschwerde wegen Verletzung des NDR-Staatsvertrags zu erheben. Konkret beziehe ich mich auf zwei Komplexe von fahrlässiger, wenn nicht absichtlicher Falschinformation:
    Die in der Ost-Ukraine am 25. April festgesetzte Gruppe von Offizieren, die dort angeblich auf Basis des Wiener Dokuments der OSZE informationssuchend tätig geworden war, wurde noch vier Tage nach dem Zwischenfall in den NDR- und ARD-Nachrichten fälschlich als “OSZE-Militärbeobachter” tituliert, obwohl die OSZE sofort klargestellt hatte, dass die Männer nicht zur OSZE-Mission gehörten.

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