Samstag, 7. Juni 2014

Demografischer Wandel - Unaufhaltbar?

Unter diesem Titel laufen seit Jahren die unmöglichsten Diskussionen. Was wird nicht alles unter diesem Dach eingeordnet und geplant!
  • Rentenversicherungs-Reformen
  • Hochschulpläne und -reorganisationen
  • Raumplanung bis 2030
  • Medizinische Versorgung der Zukunft
  • Umkrempelung der Grundschullandschaft in vielen Bundesländern.
  • Studien zum Thema "Rückzug des Staates aus dem ländlichen Raum"
  • usw. usw.
Politiker bauen vielerorts Infrastrukturen zurück, um auf etwas, was vielleicht 2030-50 eintreffen könnte, vorbereitet zu sein.
Politiker setzen keine Zäsuren, um diesem Trend entschieden entgegen zu wirken. Genau das wäre jedoch gefragt.

Auslöser ist die Tatsache, dass eine Bevölkerung, in welcher immer weniger Familien immer weniger Kinder haben (derzeit 1,2 Kinder/Familie), langsam aber sicher ausstirbt. Ein unangenehmer Begleiteffekt ist die Tatsache, dass die Lasten dessen, was wir soziale Sicherheit nennen, auf immer weniger Schultern ruhen. Immer weniger Arbeitnehmer schultern die Renten von immer mehr nicht mehr Erwerbstätigen.

Das Kernproblem ist eigentlich bekannt: Ohne eine ausgewogene Altersstruktur in der Bevölkerung gibt es Ungleichheiten, müssen Wenige für eine Mehrheit sorgen, oder aber: Es entsteht unkontrollierbares Bevölkerungswachstum. Angesichts der Entwicklung der Weltbevölkerung ebenfalls ein Thema.

Lösungsansätze an der Wurzel des Übels
Wir kennen aus der jüngeren Vergangenheit verschiedene Ansätze. Frankreich beispielsweise fuhr in den 60-er Jahren ein Familienförderungs-Programm, in welchem sehr hohe Kindergelder ausbezahlt wurden. Das hatte zur Folge, dass viele Familien plötzlich 4 – 6 Kinder hatten, ohne dass sie damit in wirtschaftliche Schwierigkeiten gerieten.
China ging den umgekehrten Weg. Die rasende Bevölkerungszunahme und sich abzeichnende Versorgungsschwierigkeiten bewogen die damalige Regierung, die Einkind- Familie zu propagieren. Allerdings musste jetzt von dieser Rezeptur Abstand genommen werden, denn auch hier zeichnet sich natürlich eine Überalterung ab, welche gesellschaftlich nicht zu schultern ist.
Die Türkei machte vor drei Jahren Schlagzeilen, als der dortige Ministerpräsident die Drei-Kind-Familien einforderte, später sogar 5 Kinder als sinnvoll bezeichnete. Die Beweggründe: Wachsende Bevölkerung = mehr Konsum = wirtschaftliche Impulse. Daneben verfolgte er auch noch ziemlich niederschwellig den Aspekt Ausbreitung des Türkentums gegen die gesellschaftliche Durchsetzung der Kurden mit ihren kinderreichen Familien.

Eine ethische Grundsatzfrage?
Man kann von den obigen Massnahmen halten, was man will. Sicher ist, sie zeigten Wirkung. Dabei betrachte ich die türkische Variante als hochproblematisch, denn diese Botschaft ist an einen politischen Führer gekoppelt und nicht unbedingt ein gesellschaftlicher Konsens.
Abgesehen davon stellt sich jedoch die Frage, ob es nicht politisch ein Muss ist, auf demographisch problematische Veränderungen zu reagieren, indem Rahmenbedingungen geschaffen werden, die zum angestrebten Ziel führen.
Derzeit beschränkt man sich in erster Linie auf das Jammern und dem Suchen nach Alternativen. Das heisst dann: Fachkräftemangel aus dem nahen und fernen Ausland decken. Gleichzeitig handelt man sich jedoch innenpolitisch neue Probleme ein, so lange man Integration als Einbahnstrasse definiert.

Nicht ganz nachvollziehbar ist die ganze Murckserei um das Thema familienfreundliche Wohn- und Lebensstrukturen. Das ist ja alles gut und recht. Nur: Heute ist Doppelverdiener im Bereiche nieder- bis mittelqualifiziert angesichts der bezahlten Löhne ein Muss. Dazu kommt eine weiterhin sehr hohen Sockelarbeitslosigkeit. Damit lastet ein entsprechender Druck auf den Arbeitnehmern und „Familienpausen“ sind nicht unbedingt gewünscht.

Kinder haben, aufziehen, ist rein finanziell sowas von unattraktiv, dass sich viele Paare nur sehr skeptisch an die „Familie“ wagen. Bestärkt werden sie in diesem Entscheid von Studien, welche belegen: Mehr Kinder bergen das Risiko der Armut... Das ist ein Blocker. Also ändert die Reihenfolge: Job, besserer Job, Eigenheim ansparen und wenn es dann endlich so weit ist, würden eigentlich Kinder diese eingespielte Paertnerschaft gehörig durcheinanderwirbeln.

Somit bleibt der Schwarze Peter in der Politik. Wie können diese Risiko-Faktoren ausgeschaltet und gesetzlich attraktive Strukturen geschaffen werden, welche nicht nur Partnerschaften, sondern auch Familiengründungen fördern? 

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