Samstag, 27. Dezember 2014

Nahost "Erfolgsstory"(3): Syrien

Syrien ist ein ethnisch/religiös ziemlich bunt gemischter Staat, der bis 1919 ebenfalls zum osmanischen Reich gehörte, welches dann nach dem 1. Weltkrieg zerschlagen und neu aufgeteilt wurde. Syrien und der Libanon gehörten  zur französischen Zone, was dazu führte, dass diese Region bis 1945 im Prinzip unter französischer Verwaltung stand.

Nach der Unabhängigkeit Syriens  und der kurz darauf folgenden Gründung des Staates Israel war diese ganze Region äußerst unstabil und geprägt von verschiedensten Auseinandersetzungen. Ab 1970 wurde Syrien vom Vater des heutigen Staatspräsidenten geführt. Sie vertreten eine ethnische Minderheit und insbesondere der Vater  war berüchtigt für sein radikales Vorgehen gegen die islamistische Opposition. Mehrere Aufstände wurden brutal niedergeschlagen.

2000
Baschar- al Assad, der zweitjüngste Sohn des verstorbenen Herrschers übernimmt die Führung des Landes.
In London ausgebildet, versuchte er, in einer ersten Phase das Land zu
modernisieren und zu liberalisieren.

2004
Immer größere Spannungen mit den Kurden im Norden des Landes,
welche mehr Unabhängigkeit oder Autonomie erforderten.

Zu der Zeit freundschaftliche Beziehungen mit der Türkei.
Einig sind sich die Staatschefs, dass die Kurden zurückgebunden
werden müssen.

2011
Die islamistische Opposition macht auf breiter Front gegen Assad mobil.
Diese Proteste führen zum Bürgerkrieg, in welchem von beiden
Seiten mit äußerster Brutalität vorgegangen wird.

Eine wichtige Rolle in diesem Prozess spielt die Türkei, welche
die Oppositionellen unterstützt und seit
2012 den sofortigen Rücktritt Assads fordert.

2012
International gerät Assad unter Druck. Vor allem die Türkei
befeuert den Konflikt mit Meldungen zu stattgefundenen oder
bevorstehenden Giftgasangriffen.
Sanktionen gegen Syrien werden ergriffen.
Das Land gerät wirtschaftlich unter Druck, erhält
von Russland Unterstützung. International mehren sich die Forderungen nach
einem Rücktritt Assads.

2014
Die ISIS, gegründet von ehemaligen irakischen Widerständlern und Armeeangehörigen, 
ruft den islamischen Staat aus und besetzt Schlüsselstellen
im Irak und in Syrien.
In Syrien selbst kämpfen verschiedene ethnische Gruppen gegeneinander.

Im Kampf gegen die ISIS bildet sich eine breite Allianz, wieder angeführt von den USA
 und wie es ausschaut, ist inzwischen auch die Regierung Assad darin eingebunden

Rolle der Türkei:
Erwähnenswert: Lange Zeit war es offenkundig, dass ISIS-nahe Gruppierungen
durch die Türkei unterstützt wurden.
Bis heute fehlt eine klare Distanzierung der Türkei von der ISIS.

Ebenso fällt auf, dass die Türkei zwar pro forma im Anti-ISIS Bündnis vertreten ist, aber nicht aktiv teilnimmt. Im Gegenteil: Erst dank dem monatelangen Taktieren der Türkei
gelangen der ISIS  beachtliche Geländegewinne im Norden Iraks
und Syriens. Bekanntlich sind das Kurdengebiete.
 Man unterstellt der Türkei,
dass sie über ISIS das latent vorhanden Gespenst Kurdischer Staat
lösen möchte.

Gleichzeitig muss gesagt werden, dass sich inzwischen über eine Million Flüchtlinge
in der Türkei aufhalten, was das Land vor große logistische Probleme stellt.
Diese riesige Hilfsbereitschaft ist jedoch damit zu begründen, dass die politisch
Verantwortlichen im Jahre 2012 von einem unmittelbar bevorstehenden
Sturz Assad's ausgingen und damit natürlich bei der Bevölkerung punkten wollten.
Eine Fehlannahme, wie wir inzwischen wissen. 

An der Schwelle zu 2015 
ist Syrien ebenfalls in ein Land zerfallen, in
welchem verschiedenste Gruppen, derzeit vereint gegen die ISIS,
Einfluss und Oberhand zu gewinnen versuchen..

Leid Tragend ist die Zivilbevölkerung, welche seit 
2012 zwischen die Fronten der verschiedenen
Interessengruppen gerät.
Neben 2,8 Mio registrierten Flüchtlingen (inzwischen über 3,2 Mio!) in den Nachbarländern 
spricht man außerdem von rund 6 Mio Inlandvertrieben.



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