Donnerstag, 5. April 2012

Kitas: Ungelöste Dauerbaustelle

Was wurde und wird seit Jahren zu diesem Thema nicht alles geplant, angekündigt und kommuniziert. Kitas: Damit scheint man sich noch schwer zu tun in der deutschen Politik. Hängt es wohl damit zusammen, dass noch in den 80-er Jahren Kitas als sozialistisches DDR-Kinder-Abrichtinstrumentarium verteufelt wurden? Damals gehörte doch das gut deutsche Kind in die Familie und wer von dieser Linie abwich, musste sich durchaus etwas schief anschauen anlassen.  

Seit 2005 wird jedoch umgedacht. Auslöser ist nicht unbedingt das Kind, welchem optimale Betreuung zukommen sollte, nein: Es geht um die Klage der Industrie und der Eltern, dass jahrelange berufliche Abwesenheit einem Karriereknick oder gar dem Ende einer viel versprechenden Berufstätigkeit gleich kommen können. In dieser Not ergriffen Betriebe sogar lobenswerte Initiativen, indem sie selbst solche Betreuungsangebote schufen, damit geschätzte Arbeitskräfte nicht länger als nötig aus dem Arbeitsprozess ausscheiden mussten.

Das Land braucht mehr Kinder !


Noch was soll mit den Kitas erreicht werden: Stopp der Überalterung der Bevölkerung. Es ist offensichtlich, dass unter den gegebenen Voraussetzungen Familien mit mehr als zwei Kindern letztlich wirtschaftlich und gesellschaftlich bestraft werden. Kinder aufzuziehen ist nicht mehr attraktiv oder finanzierbar...

Was folgte, war die Zeit der Versprechungen. Ein Kita-Platz für jedes Kind, welches einen solchen benötigt und zwar bis 2013! Inzwischen scheint klar, das Ziel kann nicht erreicht werden. So gibt es im Süden Kölns rund 1600 Kinder, welche auf einen der 120 Kita-Plätze warten... Quelle

Es ist klar, kostenlos ist diese Zielvorgabe nicht zu erreichen und da es im Moment im Finanzgebälk der Kommunen an allen Ecken und Enden knirscht, ist  kein rasanter Aufschwung in Sachen Infrastrukturen, vor allem aber auch Anstellungsbedingungen und Entlöhnung des Kita-Personals zu erwarten. Gut, prioritär wird bevorzugt, wer berufstätig ist, dann wer den Alltag allein erziehend bewältigen muss usw. Nun wird zusätzlich gemauschelt, indem Betreuungsgeld für Eltern, welche ihre Kinder nicht in Kitas schicken, ausbezahlt werden soll. Die Einen sind dafür, andere meinen, es wäre sinnvoller, diese Beiträge direkt in Schaffung von Kitas zu investieren. Gut, auch das ist ja dann nicht kostenlos, da man davon ausgeht, dass die Mutter in dem Falle einer Arbeitstätigkeit nachgehen kann und für diesen "Luxus" ruhig etwas bezahlen soll. 

Klingt alles gut und logisch, es sei denn, besagte Tätigkeit bestehe in einem Mini- oder 400 €- oder flexiblen Teilzeit-Job, in welchem sich besagte Mutter abzumühen hat und dafür jährlich 500 € - 800 € für einen Halbtages-Kita-Platz bezahlen soll? Recherche Spiegel 2010.  Da lohnt sich Arbeit offensichtlich nicht...

Worum geht es eigentlich? Wirtschaftswachstum oder Kinder?

Wenn ich die Diskussion der letzten Wochen etwas verfolge, so kann ich mich des Eindruckes nicht erwehren, dass eigentlich in erster Linie wirtschaftsorientiert argumentiert wird. Man kann es sich nicht leisten, auf Arbeitskräfte, welche in der Wirtschaft benötigt werden, wegen so Nebensächlichkeiten wie Kinderbetreuung zu verzichten. Es geht also nicht primär um eine optimale Kinderförderung ab dem 3. Lebensjahr, nein: Man braucht  eine Art Aufbewahrungsstätte, um die benötigten Arbeitskräfte möglichst schnell wieder vom heimischen Herd ins Wirtschaftsgetriebe einbauen zu können. Ich weiss, dass ich mit dieser Äusserung Kita-BetreuerInnen nicht gerecht werde. Es ist jedoch so, dass genau diese Berufsgruppe diese Gefahr immer wieder erwähnt, wenn es um die Frage der Arbeitsbedingungen geht.

Seltsamerweise haben wir uns daran gewöhnt, dass in immer mehr Berufen ein Vollzeitjob nicht mehr ausreicht, um eine Familie zu ernähren und interessanterweise wird dies als gegeben hingenommen.. So gesehen hat uns die damalige Familienrealität der DDR eingeholt, nur waren dort die Kita-Plätze kostenlos... und offenbar mit ausreichendem Platzangebot vorhanden.

Spannend ist das Konstrukt der Trägerschaft, respektive der Personalpolitik. Erzieher an einer Kita studieren 3 -4 Jahre, um dann auf Löhne zu kommen, welche (häufig wegen 80% Pensen) zu niedrig sind, um wirklich mit einer Familie über die Runden zu kommen. Lohntabellle

Als besonders problematisch erweist sich die Tatsache, dass der Staat, welcher diese Vorgaben macht, die Personalkosten Ländern und Kommunen aufbrummt, während derselbe Staat gleichzeitig Billionen schwere Rettungsschirme über Europa aufspannt. Dazu kommt, dass das benötigte Personal offensichtlich gar nicht vorhanden ist und man auf Pflege- oder Betreuungsfamilien ausweichen muss. Das ist nicht unproblematisch, da sich die Fälle häufen, in denen man feststellen muss, dass Kinder massiv zu Schaden gekommen sind und die Kontrollen der Behörden völlig unzureichend waren.

Ausserdem wird sichtbar, dass es wichtige und weniger wichtige Themen in der Politik gibt. Betrachtet man den seit Jahren bestehenden Mangel an gut qualifiziertem Fachpersonal und dessen Auswirkungen auf Wirtschaft und Arbeitslosigkeit, müsste diese Thematik schon längst neben Rettungsschirm ganz oben auf dem Kanzlertisch liegen. Statt dessen wurstelt man auf Länderebene gemächlich weiter. 

Es lebe der Föderationsirrsinn im Bereiche Kinderbetreuung und Schule. Die Leid Tragenden sind ganz klar die Kinder und deren Eltern, welche auf solche Betreuungsangebote angewiesen wären.




1 Kommentar:

  1. Da kommen wir doch ganz schnell zum übergeordneten Thema: Aufbewahrungsstätten sage ich zu allen diesen Institutionen, denn egal ob Kind oder älterer Mensch, Randständiger, Ausländer usw. >>>irgendwo sind und bleiben diese Kitas, Altersheim und sonstige Zentren doch einfach "Gettos".
    Wie wäre es mit zentraler, altersdurchmischter, kombinierter und kostenneutraler Gemeinschaftsanlage, wo verschiedene Bedürfnisse abgedeckt werden? Attraktive Arbeitsplätze als Pflegefachperson, Aktivierungstherapeut, in der Küche, im Cafe, als Landschafts-oder Tierpfleger, in Kitas und vielen weiteren Sparten wären da möglich.
    Ein gutes funktionierendes Zusammenleben, statt der teuren und ausgrenzenden Form wie sie heute mehr Regel als Ausnahme darstellt.
    Synergien könnten so besser genutzt werden, davon bin ich überzeugt! Gewinnen würden Alle...aber für solche Projekte muss man über die Bücher...grundsätzlich und mit Köpfchen!
    Das wäre mein Traum für eine gute Zukunft ....auch der Kinder, Eltern mit Berufswunsch und den immer älter werdenden Menschen!
    artemis64

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