Montag, 27. August 2012

Fukushima: Noch Zeit für Neuigkeiten? Das wäre gut..

Angesichts von EU-Krise und Nahost-Spannungen ist Japan medial wieder einmal ganz weit weg gerückt. Dabei ist es noch gar nicht so lange her, dass man befürchten musste, der dort stattfindende Gau könnte unmittelbare Auswirkungen bis nach Europa haben. Erbittert wurde über Atomkraft gestritten, bedeutsamste Folge war wohl Angela Merkels Kehrtwende in Sachen Atomenergie, als sie praktisch im Alleingang den Atomausstieg und die Stilllegung aller Kraftwerke anordnete.

Geblieben sind mir aus jenen "heißen" Tagen die massiven Versuche von Kreisen aus der Atomlobby, diesen ganzen Vorfall herunterzuspielen, alles als "unter Kontrolle" darzustellen und weiterhin auf die "unbestrittenen Vorzüge der preiswerten Atomenergie" zu verweisen. Da der finale Show down in Form einer gewaltigen Explosion, welche die Reaktoranlagen in nichts aufgelöst hätte, ausgeblieben ist, wurde sogar behauptet, somit sei bewiesen, dass man Atomkraft auch in schwierigsten Situationen handeln könne. Plumpe Lobbyarbeit, denn wer sich ein wenig informiert, muss zu einem anderen Schluss kommen.

Tepco ist pleite und verstaatlicht

Der japanische Staat schiesst 9,7 Mia € in den wackelnden Stromriesen und erwirbt im Gegenzug 50% der Aktien. Bereits zuvor waren schon 25 Mia € staatliche Gelder für Komopensationszahlungen an Geschädigte geflossen.  Der Deal beinhaltet die Option, dass dieser Anteil auf bis zu 2/3 erhöht werden kann, sollte Tepco die angestrebten Ziele nicht erreichen. Es sind also die Steuerzahler, aus deren Geld ein Fond finanziert wird, welche die Zeche für diesen Crash bezahlen. Bisher stolze 35 Mia €. Tepco alleine kann das Ding nicht stemmen.

Zugleich akzeptiert der Staat, dass Tepco die Strompreise für Privathaushalte um 10%, diejenigen für die Industrie um 17% erhöht. Damit ist gleichzeitig gesagt, dass Atomkraft nur so lange preiswert ist, wie man die wirklichen Risiken aus der Kalkulation ausschließt.  Quelle

Fische mit Cäsium-Werten, welche die Grenzwerte 250-fach  überschreiten
Fische, 20 Kilometer vor dem AKW gefangen, wiesen diesen katastrophalen Wert auf. Somit ist auch klar, dass genau so mit einer hohen Belastung von Meeresfrüchten gerechnet werden muss, für die japanische Speisekarte ein Fiasko.  Mit Bangen erwartet man auch die kommende Reisernte, denn bereits letztes Jahr hat man kontaminierte Reislieferungen stoppen müssen. Quelle

Mutationen bei Schmetterlingen
Hierbei handelt es sich um ein wissenschaftliches Projekt der Ryukyu-Universität. Dabei hat man zunehmende Mutationen bei Schmetterlingen in der inzwischen dritten Generation festgestellt. Besonders beeindruckend: In Versuchen wurden Schmetterlinge aus der Gegend Fukushima mit Artgenossen aus völlig anderen Regionen zusammengebracht. Bis zu 35% Mutationen.   Bild- und Textquelle  Das sieht nicht schön aus und bezogen auf die Menschen: Was wird da in den kommenden Jahrzehnten wohl alles mit dieser Katastrophe in Verbindung gebracht werden müssen? Zur Erinnerung: Wochenlang lebten Menschen in stark belasteten Regionen, bis sich dann die Regierung endlich durchrang, den Evakuationsgürtel zu vergrößern.

Der Tunnelblick der Technokraten-Lobby
Es schreit zum Himmel, mit welcher Ignoranz und Menschenverachtung diese Leute ihren Focus auf die rein technische Bewältigung der Katastrophe richten und so tun, als sei dies das einzige Problem. Natürlich müssen die "Kolateralschäden" ausgeblendet werden, denn wenn man sich auf die Berechnung dieser Schäden einlassen würde, dann wird es ganz schwierig, von preiswerter Energie zu sprechen.
Dass jedoch genau diese Auswirkungen immer mehr ins Zentrum rücken, kann man  dem verlinkten Bericht aus spreadnews entnehmen. Hier wird übrigens von verdächtigen Veränderungen der Schilddrüsen auffällig vieler Kinder berichtet. 
Vielleicht noch dies: Veranschlagte Rückbauzeit von Fukushima 30 - 40 Jahre. Und die Kosten? Eben... preiswerter Atomstrom. Ein Hohn.


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