Freitag, 18. Januar 2013

Kath. Kirche und Staat: Bündnis auf immer und ewig....

In den letzten drei Jahren wurde im Zusammenhang mit Missbrauchsvorwürfen, aber auch Skandalen auf der höheren Führungsebene der kath. Kirche immer mehr Stimmen laut, welche nach dem Staate riefen. In der Tat: Es ist schon erstaunlich, wie hier ein Staat im Staate toleriert wird, welcher auch vom Gesetzgeber mit Samthandschuhen angefasst wird - wenn überhaupt. Diese Situation findet sich so lediglich im deutsch sprachigen Raum. In den USA beispielsweise wurden Bischöfe wegen derselben Dinge, welche wir hier im Zusammenhang mit Missbrauchskandalen erlebt haben, verurteilt, die Kirche zu horrenden Geldstrafen verdonnert und das alles ist im Internet auf speziellen Plattformen aktualisiert nachzulesen.

Hier baut sich Entrüstung über nationale Vorfälle auf und oft wird übersehen,
dass dieses Problem und vor allem der Umgang damit tiefere Wurzeln haben muss.. Dazu muss man sich ein bisschen in Irland , Spanien (bis anfangs der 90-er Jahre!!) , Niederlande,  Belgien, mit einem bischöflichen Interview jenseits des Vorstellbaren, Italien umlesen. Dann wäre noch das dunkle Feld der Mission - davon hat man bisher kaum was gehört...

Staat und Kirche
Mit Ausnahme Frankreichs und der USA kann die kath. Kirche darauf bauen, vom Staate in unterschiedlichster Form unterstützt zu werden. Dies geschieht über Steuern, welche durch den Staat eingezogen werden.... In einzelnen Ländern gibt es ein liberaleres Modell: Hier kann der Steuerpflichtige entscheiden, ob die zu entrichtende Summe tatsächlich der Kirche oder aber anderen Institutionen zukommen soll. (Italien, Island).
Diese Verknüpfung Staat-Kirche ist ein Überbleibsel aus der Zeit, in welcher die Kirche ihre weltliche Macht nach und nach abzugeben hatte, sich aber vertraglich so absicherte, dass ihr Besitzstand auf hohem Niveau gesichert blieb.

Für Deutschland bestand  und besteht dies in Form von Konkordaten  , deren Besonderheit es ist, dass sie nur einvernehmlich aufgelöst werden können, so die Lesart. Grundlage für dieses Konstrukt war eigentlich die "Heilige Allianz von 1815", in welcher der Vatikanstaat nicht als überkonfessionelle, sondern klar katholische Einrichtung anerkannt wurde, überkonfessionelle Definition wurde vom damaligen Papst abgelehnt. 

Zwischen dem ersten. und zweiten Weltkrieg musste die Kirche erneut um ihren Stand und Besitztümer bangen. 1924 gelang es jedoch mit dem Bayrischen Konkordat, dies zu verhindern, noch viel mehr: Das Rad der Zeit, was die Interessen der Kirche betraf, konnte um hundert Jahre zurückgedreht und als unaufkündbare Bestandessicherung festgezurrt werden. Bis heute sprechen wir deswegen nicht einfach von Kirchensteuer, sondern da ist ein ganzer Rattenschwanz von weiteren Leistungen des Staates detailliert umschrieben, Wer sich interessiert, wird hier fündig.

Nur in diesem Kontext ist es zu verstehen:

  • dass die kath. Kirche auch juristisch und strafrechtlich eine Sonderposition einnimmt. Ihre Ordensträger sind nicht dem weltlichen, sondern dem kirchlichen Gesetze verpflichtet, selbst wenn damit staatliche Gesetze missachtet werden.
  • dass der Staat die kath. Kirche mit Samthandschuhen anfasst, denn, indem man diese Institution in Frage stellt, gefährdet man als C-Partei auch die eigenen Pfründe.
  • dass die kath. Kirche zu sozialen Themen, welche natürlich immer politisch sind, schweigt und schweigt, obwohl sie schon lange die Stimme erheben müsste.(Niemand schlachtet das Huhn, das goldene Eier legt, auch das hat eine lange krichliche Tradition...)
  • dass Krisen wie die erwähnten Missbrauchsfälle einvernehmlich in weltlich/kirchlichen Kommissionen und für die Opfer auf schäbigste Art und Weise gelöst werden und der Staat dies  rechtens findet. Schwamm drüber!!
  • dass der Vatikan sich bis heute den Luxus leisten kann, jahrelang  irgendwelche Vereinigungsgespäche mit Erztraditionalisten zu führen (Priesterbruderschaft Pius X, welche sich allerdings derzeit selbst zu zerlegen scheint..), sich aber weigert, ein gesellschaftlich taugliches Zukunftsmodell zu entwickeln.
  • dass eigentlich nur noch knapp 15% der so genannten Katholiken regelmässig zur Kirche gehen (So lange die restlichen 85% jedoch weiterhin Steuern zahlen, interessiert dies niemanden).
  • dass  hochgejubelte kirchliche Internatsschulen (weitgehendst vom Staate finanziert!) in Wirklichkeit Orte sind, in welchen das Beziehungsfeld für späteren wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Erfolg und damit verknüpft, auch Stabilität für die Kirche, gestrickt wird.
  • dass sich die Kirche schon längst von ihrem Kerngeschäft, der Seelsorge, abgewendet hat und inzwischen ein staatlich finanzierter Multi im Dienstleistungsbereich geworden ist.
Austrocknen!
  • Viele Katholiken, vor allem auch ehrenamtliche Mitarbeiter und Laienprediger, stehen vor der Frage, ob und wie sie unter diesen Rahmenbedingungen ihre christliche Lebenseinstellung weiter verwirklichen können und betrachten dann oft den institutionellen Überbau der kath. Kirche als ein notwendiges Übel. Dass genau diese Leute mit ihrem Einsatz das Funktionieren von dem, was wir Kirche nennen, überhaupt noch aufrecht erhalten, scheint ihnen nicht bewusst zu sein. Falls doch, wäre mal ein zweimonatiger Streik im Deutsch sprachigen Raume angesagt. Spätestens dann würde auch den Herrschaften in Rom bewusst, dass ihr Weltbild und die Realität nicht mehr zusammenpassen. Dass dort, wo eigentlich "Kirche" sein sollte, nichts mehr ist.
  • Die kath Kirche selbst befindet sich in Europa, ungeachtet der weltlichen Realitäten, ideologisch seit mehr als 20 Jahren auf einem Weg hin zu mehr Traditionalismus, zu einer Religion unter der Glasglocke.
  •  So lange all jene, welche zwar nicht zur Kirche gehen,  weiterhin ihre Kirchen-Steuern zahlen und damit Milliarden einschießen, wird sich an dieser Entwicklung kaum etwas ändern.
  •  Christliches Leben, das kann eine Überzeugung sein. Diese kann  im Widerspruch zur heutigen "Betriebsgesellschaft kath. Kirche" stehen. 
  • Indem mich der Staat zwingt, als Katholik genau diese unchristlichen Strukturen finanziell aufrecht zu erhalten, lässt er mir eigentlich nur noch eine Wahl: Austritt!!
Bleibt die Frage, was mit den Politikern zu geschehen hat, welche dieses System weiterhin stützen.

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