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Rückblick 2012 EU/Deutschland

Im Laufe dieses Jahres hat sich mein Interesse immer mehr in Richtung EU/Deutschland verlagert. In verschiedenen Beiträgen habe ich mein Erstaunen über Entwicklungen im Laufe der letzten 10 Jahre geäußert, welche ich so zuvor nicht wahr genommen hatte. Im Detail können sie im Archiv nachgelesen werden. Ich beschränke mich in diesem Rückblick auf einige Stichworte, Gedanken , Fragen und richte damit auch den Projektor für 2013 neu aus. Neuer Lebensmittelpunkt verlangt Neuorientierung

EU/Deutschland
War das doch ein EU-Krisenjahr! Griechenland permanent mit einem Bein pleite, Spanien und Italien am Taumeln und irgendwann
ergossen sich dann wieder Geldströme in die Kassen der Regierungen, aber auch der Banken, um die völlige Handlungsunfähigkeit zu verhindern, andere sagen, hinauszuzögern. Billionen Euros in Form von Barem oder Garantien fluteten die Märkte. Trotzdem: Die Wirtschaft dieser Wackelkandidaten brach ein, Arbeitslosigkeit explodierte, Soziale Not beherrschte und beherrscht weiterhin den Alltag.
In diesen Wirren ist es derzeit genau ein Land, welches entgegen dem Trend boomt, weiterhin Wachstum ausweist und sich auf den ersten Blick  als solide erweist. 2013 wird sich weisen, wie solide, denn dann wird die wirtschaftliche Abkühlung auch da ankommen.

Zu diesem Thema beschäftigt mich folgende Frage: Wenn in einer WG von 8 Personen sieben feststellen, dass ihre Lebensqualität sinkt, ihre finanziellen Möglichkeiten wegbrechen, während die achte Person vor Selbstbewusstsein und Wirtschaftspotenz beinahe platzt, allen Ratschläge gibt, was sie zu tun hätten, dies mit dem Resultat, dass die Extreme noch grösser werden.... ja, was passiert dann?
Solidarität über den Geldbeutel ist ein gefährliches Instrument. Es schafft Gönner und Almosen-Empfänger. Wenn diese jedoch immer mehr den Eindruck kriegen, ihre Abhängigkeit sei wegen eines unsolidarischen Verhaltens des achten Mitgliedes entstanden, dann wird es heikel für die WG und genau an diesem Punkt ist meiner Auffassung nach die EU inzwischen.

Zu erwähnen sind die Großbanken, denn die meisten frischen Euros flossen an diese Adressen. Offensichtlich konnten diese Institute während der letzten Jahre weit gehend unbehelligt Geschäftszweige auf- ausbauen und verschachteln und Perfomance vorweisen, wo eigentliche schon länger gefährliche Virusinfektionen hätten diagnostiziert werden müssen. Nun gab es die Billion Antibiotika, Ursache der Infektion nicht behoben...

Deutschland
In den letzten 3 Monaten habe ich via Medien viel gehört, gelesen und in meiner Wohnregion Sachsen-Anhalt auch direkt mitgekriegt.

Der stärkste Eindruck gleich zuerst: Gibt es eigentlich noch irgendwelche Politiker und Spitzenfunktionäre, welche sich konkret zu gesellschaftlichen Problemen äußern, ohne  zuvor eine wissenschaftliche Studie in Auftrag zu geben? Täglich werde ich mit solchem Unsinn erschlagen, wobei Studie A durchaus das Gegenteil von Studie B als Ergebnis zum selben Thema präsentieren kann. Es sind dies die Türöffner für die Politiker und je nach Parteifarbe beruft man sich dann auf Studie A oder B. So plappert man von drohender Altersarmut, welche es gibt oder nicht gibt, über Nettolöhnen voll Berufstätiger, die unter dem gesetzlichen Existenzminimum liegen, was von andern Studien "in der Sache" nicht bestätigt wird..., von Stundenlöhnen, welche nach Arbeitszeit und ausbezahltem Lohn bei unter 4 € liegen, was andere Studien widerlegen....
Mit etwas Glück findet man dann einen Beitrag,  der Trends  nicht mit Studien, sondern mit Zahlen erklärt.

Politisch hat sich die CDU mit dieser Arbeitsmarkt-"Liberalisierung" der letzten Jahre weit in FDP-Bastionen hineinbegeben und der fehlen nun plötzlich die wirklichen Inhalte. Gefährdet wird damit der Weiterbestand der Koalition, vielleicht sogar die FDP als Ganzes. 

Der zweite starke Eindruck bezieht sich auf meinen Lebensraum "neue Bundesländer". Hier kriegt man das Gefühl, ganze Regionen würden verwaltungstechnisch abgewickelt. Als Grundlage dienen Prognosen bezüglich Bevölkerungsentwicklung, hochgerechnet bis  2030, und geschätzt bis 2050. Auf Grund dieser Daten werden neue Regionalzentren gefördert und ländliche Regionen entinstitutionalisiert. Das heißt: Auflösung der Gemeinden, Schließung der Schulen, folgerichtig auch Wegzug von Infrastrukturen im Dienstleistungsbereich. Vielerorts bleibt die Altersgruppe 60 plus. Ja, was findet man hier zwanzig Jahre später? Wochenendhäuschen? Das Thema: Findet Regionalentwicklung von oben nach unten oder umgekehrt statt, wird sicherlich auch 2013 immer wieder angeleuchtet. Bereits 2012 war dies ein Thema eines dreiteiligen Beitrages Bundesländer 1-3.

Was passiert da eigentlich gesellschaftlich, menschlich? Wie muss sich ein Stadtpräsident einer neuen Einheitsgemeinde mit 7200 Einwohnern und 12 Ortsteilen im Osten fühlen, der 40 000 € für die dringend benötigte Sanierung einer KITA nicht bewilligen kann, weil seine Verwaltung eh schon in den roten Zahlen steckt, 350 000 € Jahresbudget für Investitionen bereits ausgereizt sind. Wie muss er sich fühlen angesichts der Tatsache, dass zur selben Zeit Dutzende von Milliarden in einen neuen Rettungsschirm mit mehr als unsicherer Halbwertszeit gepumpt werden? Investition in die Zukunft? Und was geht eigentlich in den Menschen dieser Regionen vor, welche merken, dass ihre Fixpunkte der letzten 20 Jahre wegzubrechen beginnen, sie immer isolierter leben? Alles so negativ? Nein! Da sind viele Positivas, Initiativen, usw. und hoffentlich setzen sie sich durch. Auch das wird ein Thema 2013

Letzter Gedanke: 
Wenn schon Studien, dann vielleicht dazu? Um wie viele Stunden pro Woche hat sich die aktive, wirkliche Gesprächszeit von Mensch zu Mensch, Auge in Auge in den letzten zehn Jahren reduziert? Welches sind die Auswirkungen auf Grundfähigkeiten wie Sozialkompetenz, Gesprächskompetenz, Hören-Verstehen, Realitätssinn?
Steuern wir in Richtung "Leben auf virtuellen Inseln"? 

2013 folgt 2012. Keine Zäsur. Und trotzdem, wie wäre es mit Neutag an Stelle von Neujahr? Dann werden  Erwartungen  und Enttäuschungen kleiner. Das neue Jahr, Tag für Tag ein neuer Tag. 365 mal. 

Allen einen guten Rutsch!

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