Direkt zum Hauptbereich

Ein Hilferuf aus dem Landkreis Stendal

Liebe Freunde, ich leite diesen Hilferuf einfach weiter, denn offensichtlich gibt es da einen Landkreis, der weiterhin mit riesigen Schwierigkeiten nach den Überschwemmungen kämpft.

HILFE!!! Wir schaffen das nicht alleine vor Ort... Wir bräuchten Leute, Unterkünfte, Verpflegung für die Helfer, Tankgutscheine, Einweg-Schutzanzüge, Mundschutzmasken, Handschuhe, Mückenschutz, Desinfektionsmittel, Fahrzeuge mit Fahrern... Die Helfer müssten eigentlich auch einige Schutzimpfungen bekommen... Die Koordination ist trotz guter Zusammenarbeit mit den Behörden, Verwaltung und den anderen Hilfsorganisationen vor Ort nicht zu bewältigen... DANKE IM VORAUS!

Der neueste Stand: 

Unser Landkreis ist einer der am stärksten von der Elbeflut 2013 betroffenen. Diese Elbeflut traf auf eine dünn besiedelte, struktur- und wirtschaftsschwache Region, die ohnehin marode Infrastruktur ist nun zerstört und kann aus eigener Kraft der Region nicht wieder hergestellt werden.

Im Landkreis Stendal sind in 24 Orten ca. 5000 Menschen vom Hochwasser betroffen. Die Elbe hat sich nach dem Deichbruch bei Fischbeck ihr altes Bett wieder gesucht und ist in einer Breite von 10 km über eine Länge von 20 km parallel zum neuen Flussbett nach Norden geflossen. Das Wasser floss mit einer so hohen Geschwindigkeit und Höhe, dass zum heutigen Zeitpunkt von über 400 Häusern ausgegangen werden muss, die wahrscheinlich abgerissen werden müssen. Viele Straßen sind durchbrochen worden, damit das Wasser wieder aus der Region abfließen kann, Brücken sind zerstört, die ICE-Strecke Hannover-Berlin wird noch Monate nicht wiederhergestellt werden können, da das Wasser dort noch an den Schienen steht, die ebenfalls unterspült wurden. In vielen Orten steht das Wasser noch, ist mit Öl verschmutzt. Es gibt in einigen Orten auch nach 4 Wochen noch keinen Strom, das Wasser von vielen Brunnen ist verseucht. In der Region leben viele ältere Menschen, die keine Angehörigen mehr haben. Dies ist das Ergebnis jahrelanger Abwanderung junger Menschen. Diese älteren Menschen sind oft hilflos und nicht mobil. Da das Hochwasser flächendeckend kam, reicht die Nachbarschaftshilfe oft nicht aus, da ja die Nachbarn ebenfalls betroffen sind. Weil auch Supermärkte betroffen sind, gibt es Probleme beim Einkauf von Lebensmitteln.

Die zuständige Verwaltungseinheit ist eine kleine Verbandsgemeinde. Durch die Verwaltungsreformen der letzten Jahre gibt es für die 16 betroffenen Orte östlich der Elbe nur 4 ehrenamtliche Bürgermeister mit je einer Schreibkraft. Der Landkreis Stendal unterstützt mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln. Auch wir als Deutsches Rotes Kreuz Kreisverband Östliche Altmark e. V. haben kaum eigene Ressourcen, da wir hauptsächlich in Bereichen arbeiten, in denen seit Jahren gekürzt wurde. Wir arbeiten bereits mit anderen Hilfsorganisationen vor Ort zusammen, die ebenfalls nur geringe Ressourcen zur Verfügung haben.

Aus dieser Situation ergibt sich das Problem, dass wir zwar Spenden- und Hilfsangebote bundesweit erhalten, die Koordinierung dieser Hilfen aber nicht aus eigener Kraft im Landkreis Stendal bewältigen können. Schon die Erfassung der Schäden bei den Einwohnern ist nach vier Wochen noch nicht bewältigt. Die Begutachtung und Bewertung der Schäden und der sich daraus ergebenden Hilfebedürftigkeit sind auch in absehbarer Zukunft nicht abzuschließen. Daher können zur Verfügung stehende Spenden nicht ausgezahlt werden, wenn nicht riskiert werden soll, dass gravierende Ungerechtigkeiten die Verzweiflung der Menschen noch erhöht.

Wir haben uns gemeinsam darum bemüht, von deutschen Medien unterstützt zu werden, doch das Desinteresse an der ohnehin strukturschwachen Region bleibt bestehen.



Es scheint so, dass die Leute im Kreise Stendal sehr sich selbst überlassen sind, logistische Hilfe und professionelle Koordination gefragt ist. Weshalb wird da nicht ein staatlicher Krisenstab aktiv und wenn nötig nochmals die Bundeswehr?

Viele Betroffene wissen nicht, wo sie Hilfe erhalten können... Da es noch immer nicht über Strom oder Telefon gibt, und Zeitungen noch nicht überall ausgetragen werden konnten. Die Frist für die Soforthilfen des Landes Sachsen-Anhalt laufen am 15.07.2013 ab... Nochmals Danke!!!


Facebook-Seite

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Türkei Çıralı: Zerstörung eines Paradieses

Çıralı liegt in der Nähe von Kemer und ist bekannt für ein einzigartiges Tourismuskonzept, welches in den 90-er Jahren in Zusammenarbeit zwischen WWF und Bevölkerung entwickelt wurde. Mehr dazu hier . Dieses Konzept hat gegriffen und der kleine Ort erfreut sich grösster Beliebtheit vor allem auch bei deutschsprachigen Urlaubern, welche keinen Rummel möchten. Diese Einzigartigkeit hat dazu geführt, dass viele Urlauber seit Jahren immer wieder an diesen sehr speziellen Ort zurückkehren. Bilder Aus Çıralı erreichte mich heute folgende Meldung:

Türkei Çıralı: Abbruch hat begonnen

Gestern wurde in Çıralı , begleitet von einem massiven Polizeiaufgebot, mit dem Abbruch einer ersten Pension begonnen. Heute sollen drei weitere Betriebe geschleift werden. Obwohl wieder zahlreiche Demonstranten erschienen, blieben deren Bemühungen, diesen Abbruch zu verhindern, erfolglos. Etwa 25 Personen wurden festgenommen. Die Zeitung Hürriyet hat Bilder und ein Video ins Netz gestellt. Der Landrat der Region hat den Abbruch damit begründet, diese Pensionen befänden sich auf Waldgebiet und seien illegal, weshalb sie abzubrechen seien. Das mag aus heutiger Sicht stimmen, wenn man nur die Momentaufnahme als Richtschnur hinzuzieht. Wie bereits in einem früheren Beitrag berichtet, sind die Sachlage und die Geschichte Çıralıs jedoch bedeutend komplexer. In einem der bisher besten Beiträge zu diesem Thema fragte der Journalist Yusuf Yavuz im Atlas Dergi : Hat das Modell Cirali im Tourismus ausgedient? Er listet da sachlich die Ereignisse seit 1990 auf und fragt nach der Zukunft d...

Von Flüchtlingslagern, Festungen und Mauern

Mauer zwischen der Türkei und Syrien Neben der Fußball-WM sind es dieses Jahr Horst Seehofer, Kanzlerin Merkel und einige Exponenten der AfD, welche für das große Sommertheater besorgt sind. Ein "Masterplan" soll die Grundlage liefern, dass Europa mehr oder weniger flüchtlingsfreie Zone wird, in erster Linie aber Deutschland von weiteren Asylsuchenden entlastet wird. Mit einer "Festung Europa", einem von Goebbels im zweiten Weltkrieg eingeführten Begriff, soll vermeintlicher Schutz Sicherheit vor Flüchtlingsströmen suggeriert werden. Auch hier ist eigentlich offensichtlich, dass die treibende Kraft innereuropäische Staaten sind, welche das Ziel verfolgen, Flüchtlinge dorthin abzuschieben, wo sie erstmals europäischen Boden betreten haben - also in die Staaten, welche die Aussengrenze Europas bilden. Schauen wir doch etwas genauer hin: