Freitag, 12. April 2013

Mittelbau Dora: Gegen das Vergessen und Klittern

Gestern jährte sich der Jahrestag der Befreiung des KZ's Mittelbau-Dora, heute finden Gedenkanlässe statt. Keine Sorge, es folgt kein Beitrag in Richtung "ewige Schuld" usw. Sehr wohl jedoch einige Gedanken zum Thema schön reden und klittern. 

Dieses bei Nordhausen gelegene Lager wurde erst 1944 so richtig installiert, Ziel war es, die zerstörte V-2 Produktion in Peenemünde hier unterirdisch im Berg weiter laufen zu lassen. Dazu wurden tausende von Häftlingen benötigt, um überhaupt die entsprechenden Tunnels und Kavernen unter misslichsten Voraussetzungen herauszuhauen. Was hier passiert ist, war der Start zu einer unvorstellbaren Neuausrichtung der Konzentrationslager: Tod durch Arbeit. Gezielt und kompromisslos umgesetzt. Wer verbraucht war, kam in Sterbelager, wo er  unter anderen Menschen in derselben Situation sich selbst überlassen wurde. Nicht zu fassen ist das,
was dann die US-Truppen am 11. April 1945 im Lager sogenannten Krankenlager/Sterbelager Boelcke-Kaserne von Nordhausen vorfanden. 



In knapp einem Jahr wurden im Lager Mittelbau-Dora mit zahlreichen Außenlagern total rund 60 000 Häftlinge eingesetzt, von denen rund 20 000 auf Grund von Erschöpfung und zuletzt in den angeordneten Todesmärschen starben.  Wie die Maschinerie Mittelbau-Dora  funktioniert hat, ist hier ausführlich dokumentiert. Entsetzlich. Es kommt aber noch dicker: Dieses gesamte System lief keineswegs fernab von der Öffentlichkeit, sondern in dieser integriert. Wer Zeit zum Lesen hat, soll sich mal diesen Beitrag anschauen.

Dass es auch in der Verfolgung der Verantwortlichen zweierlei Recht gab, sei nur am Rande und Beispiel Wernher von Brauns erklärt, eng verknüpft mit der Entstehung und der Geschichte von Mittelbau-Dora. Da geht es nicht um Wissenschaft, welche sich der Diktatur beugen musste, sondern um eine abartige Kooperation auf Führungsebene.  Die Einen hängte man, andere wurden geehrt....

Irritierend ist es, wenn heute noch Schüler Bildungseinrichtungen besuchen müssen, welche den Namen dieses Menschen tragen. Dass dieser Schul-Name erst 1979 gewählt wurde erhöht das Unverständnis. Noch pikanter wird das alles, weil sich offensichtlich die Schulleitung, in deren Kompetenz die Namensgebung steht, nicht zu einer Korrektur durchringen kann. Auf all die noch existierenden von Braun-Strassennamen möchte an dieser Stelle nicht weiter eingehen. 

Es geht in dieser ganzen Thematik heute nicht mehr um Schuld - sondern um Wissen. Daraus entsteht eine Verantwortung,  Nationen übergreifend, keinesfalls einfach auf Deutschland beschränkt. Gestärkt wird diese Haltung maßgeblich durch die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit. 

Daraus entsteht eine Haltung, eine Lebenseinstellung. Es gibt genügend aktuelle Beispiele, bei denen sich genau dieselbe Frage wieder stellt, auch wenn wir inzwischen von "sauberen Kriegen" sprechen. Eine zentrale Rolle spielen dabei jene Länder (hier die Rangliste), welche dank Waffenlieferungen solche Greueltaten überhaupt erst ermöglichen, also Krieg führen lassen.

Trage ich mit diesem Beitrag Wasser in den Rhein??? Nein!! Betrachte das verlinkte Video. 10 894 mal angesehen (Rihanna bringt es locker auf 2 Mio Zugriffe...)....  Dann die Leserkommentare....

Nie wieder Krieg - und Nein zu Rassismus, aus welcher Ecke auch immer.




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