Mittwoch, 2. November 2011

EU-Krise: Und was das mit Deutschlands Lohndumping zu tun hat.


In einem früheren Beitrag habe ich angekündigt, gesondert auf die Rolle Deutschland in der gegenwärtigen EU-Krise einzugehen. Diese Einschätzung beruht auf persönlichen Wahrnehmungen über einen längeren Zeitraum und trotz vieler anderslautender Theorien aus Wirtschaft und Finanzwelt sehe ich derzeit keinen Grund, von dieser Meinung abzuweichen.


Ich möchte dies an einem völlig anders gelagerten Beispiel erklären:

In einer Strassenzeile eines Badeortes liegen nebeneindander 5 4-Sterne-Hotels. In Sachen Grösse und Ausstattung gibt es nur kleine Unterschiede, dasselbe gilt auch für die Verpflegung. Um sich nun nicht in die Quere zu kommen, einigten sich die 5 Besitzer auf eine Art Preisabsprache. Sie legten eine Bandbreite von 65 - 70 € Doppelzimmer All inclusive fest. Damit lebten sie nicht schlecht, auch nicht gerade blendend, aber alle hatten irgendwie zu tun, waren auf die ganze Saison gerechnet zu ca.60% ausgelastet.

Dies änderte, als ein Hotel den Besitzer wechselte und dieser seine Preise auf 55 - 60 € senkte. Er begann mehr Gäste zu sammeln, seine Auslastung stieg, diejenige der Konkurrenz sank, denn neue Gäste wurden damit nicht aquiriert. Die vier verbliebenen Kollegen suchten das Gespräch mit dem Dumper und rechneten ihm vor, dass dieses 10 € Dumping dazu führen würde, dass man notwendige wiederkehrende Renovationsarbeiten  nicht werde durchführen können, weil einfach die Marge zu klein sein. Ausserdem müsse beim Personal schärfer gerechnet werden, länger arbeiten für weniger Lohn. Dies sei dem Betriebsklima abträglich.

"Was interessiert mich das", fuhr der neue Besitzer die Kollegen an. "Ich will die Bude voll und damit werde ich genügend Geld verdienen". Er bedachte nicht, dass sein Verhalten dazu führen könnte, dass die andern Hotels  die Preise noch tiefer senken könnten, womit Werte wie Qualität und Nachhaltigkeit vollends aufgegeben wurden und er selbst nun ebenfalls unter Druck kam.

Jetzt war sparen angesagt: Statt qualifiziertes Personal ungelernte Menschen, da günstiger. Statt Vollzeit-Arbeitsstelle Teilzeitarbeit, da man damit Sozialabgaben einsparen konnte. Statt Vollsanierung des Hauses nach 10 Jahren bestellte man nur noch den Maler, der alles übertünchte, wissend, dass die Farbe noch gegen Ende der Saison wieder abblättern würde.

Kein Wunder entwickelte sich diese ehemals beliebte Touristenzone in kürzester Zeit in Richtung Nullbockgesellschaft, in welcher sich jeder  auf allen Nebenplätzen noch ein Zubrot zu verdienen suchte, um überhaupt überleben zu können. Das erkannten natürlich auch die Urlauber und wenige Jahre später suchte man hier die Touristen vergeblich. Die Hotelbesitzer ihrerseits versuchten nochmals zu kassieren, indem sie ihre Häuser zu Appartements umbauten und verkauften. Damit konnten sie wenigstens die aufgelaufenen Schulden dieses ruinösen Wettsreites begleichen. 

Ja, das ist mein Geschichtchen und nun unterlege ich es mit einem Link, welcher den Bezug zum Titel meines Beitrages herstellt. (Abbildung 2, 7, 11, ) Daraus geht hervor: Deutschland ist in den letzten 10 Jahren DER Lohndumper schlechthin geworden und hat sich so benommen, wie der Raffer, welcher neu ein Hotel übernommen hat und glaubte, Erfolg zu haben, indem er die Konkurrenz mit unverantwortlichen Methoden unterbiete.

Im Unterschied zu meinem Vergleich stehen wir derzeit vor der Frage, was eigentlich mit all den Schuldenbergen geschehen soll, welche sich in der EU angehäuft haben und auf Jahrzehnte nicht bezahlt werden können,  denn das Tafelsilber ist bereits veräussert. Da waren die Hoteliers deutlich im Vorteil...

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