Freitag, 18. November 2011

EU-Schuldenländer: Wenn Schulden abnehmen und trotzdem zunehmen

Wir haben uns im Laufe der Zeit daran gewöhnt, Meldungen weitgehend unbesehen zu übernehmen und wiederzugeben. So zum Beispiel die Meldung, dass die Staatsverschuldung Deutschlands 2011 um voraussichtlich 1,3% sinken soll. Das ist doch toll, endlich weniger Schulden.

Weit gefehlt! Dieser Wert gibt die Schulden im Verhältnis zum Bruttoinlandprodukt an. Wenn dieses also um 2% wächst, dürfen auch die Schulden weiter steigen, also zunehmen. Sofern die Wirtschaft wächst...

Auf Google habe ich eine interessante Zusammenstellung gefunden und ich erlaube mir zwei Ansichten zu verlinken:



Ja, da sieht man, wer die schlechteste Prozentbilanz hat und Deutschland steht diesbezüglich nicht so gesund da, wie man immer den Anschein zu erwecken versucht.

 Die Türkei fällt aus dem Rahmen! Grund dafür sind die Krise von 2001, ein neues Bankenanlagegesetz und eine sehr forsche Liberalisierung/Privatisierung. Dies hat zu einem enormen Investitionsschub geführt, wobei nicht klar ist, wie stark dies zu einem beträchtlichen Teil via Privatverschuldung erfolgt ist. Ich werde in einem späteren Beitrag die Türkei separat betrachten, da mir einige wirtschaftliche Regeln sehr interessant vorkommen.


Höchstinteressant, diese Zusammenstellung. Sie zeigt nämlich, dass nicht die Neuverschuldung von heutigen Krisenländern (mal abgesehen von Italien) für die desolate Situation verantwortlich ist, sondern ein ganz schwaches Wirtschaftswachstum, respektive der Wirtschaftseinbruch von 2008/09. Dieser Wert hat die prozentuale Verschuldung zum BIP massiv verschoben und ist dann nicht politisch, sondern durch Interventionen der Finanzwelt aus dem Ruder gelaufen.

Betrachtet man nun die beiden Grafiken nebeneinander, dann stellt man fest, dass derzeit Griechenland extrem unter einem "Nichtwachstum" der Wirtschaft leidet und kann sich an diesem Beispiel ausrechnen, was in Deutschland mit dessen 82%-Wert passieren wird, sollte auch hier der Wirtschaftsmotor während zwei Jahren ins Stottern kommen.

Deswegen ist das Credo von Frau Merkel nachvollziehbar, wenn man es auch anders ausdrücken kann: Zum Wachstum verdammt!

..und zum Schluss noch ein Nachtrag zu meinen Vorwürfen wegen des Lohndumpings. Ich muss gewaltig korrigieren, denn In Bild habe ich folgende Angaben gefunden:

SO STEHT ITALIEN IN DER KRISE DA:
DeutschlandItalienGriechenland
Schuldenquote vom BIP* (2010)83,2 %119 %142,8 %
Arbeitslosenquote (März 2011)6,2 %8,2 %15 %
Steigerung Lohnstückkosten von 1999-20104,5 %30,5 %37,4 %
Exportquote (2010, Exporte % des BIP)46,1 %26,8 %21,0 %
Tatsächliches Renteneintrittsalter:62,260,161,5
Durchschnittslohn/Std. (Bruttolöhne inkl. Lohnnebenkosten)29 Euro24 Euro18 Euro


Quelle Bild und der ganze Beitrag bestätigt genau das, was ich beim Tempo Lohndumping und Wirtschaftswachstum auf Kosten Anderer unterstelle. Auch wenn Bild dies als Stärke Deutschlands auslegt....   Bleibt noch der statistisch sagenhafte Stundenlohn.....



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