Mittwoch, 23. November 2011

Schule: Kita+Ganztagesbereich+Schule?

Ein Einschub aus aktuellem Anlass:


In einem früheren Beitrag habe ich die Zusammenfassung von KiTa unter einem Dach mit der Volksschule (mit Tagesstruktur) als ein Modell der Zukunft angeregt. Dies erscheint insofern logisch, als viele Quartiere und Gemeinden unter klar rückläufigen Schülerzahlen leiden. Zugleich fände die hektische Betriebsamkeit von Schule zu Mittagstisch zu Tagesbetreuung etc. ein Ende. Logischerweise gehört dazu, dass in einem solchen Falle diese Angebote durch die Schulleitung koordiniert werden.


Sowas kann man über Jahre in Fachgremien planen und am Ende ("aus pädagogischen Erwägungen"wieder verwerfen, vielleicht tatsächlich realisieren und tausend Grüne anführen, weshalb das so nicht geht. (Raumprogramm, Organisationsstrukturen Schule, Vorschule, Kita etc.zu unterschiedlich und Personal verschiedenen Obrigkeiten unterstellt) All das ist richtig nur: wenn man an dieser Argumentation festhalten will, dann muss man Schule nicht mehr reformieren, sondern zementieren. Genau auf diesem Punkte sind wir teilweise. Ein aktuelles Beispiel:


Die Harkortgrundschule etwa hatte 2005/06 in zehn Klassen 249 Schüler. Aktuell sind es noch 187 Schüler in acht Klassen und mit Blick auf das Jahr 2016 wird sich laut Gutachten die Schülerzahl auf 124 reduzieren. „Die Schule hat Räumlichkeiten für vier Klassen pro Jahrgang, zuzüglich der Verwaltungsräume“, so Krämer-Mandeau. Daraus leitet er die Möglichkeit ab, im Erdgeschoss – räumlich getrennt – sechs Räume für eine Kita freizuschlagen. Der Schule blieben dann 15 Räume für acht Klassen zuzüglich der Verwaltungsräume. Der Aufbau ließe zudem zwei getrennte Außenbereiche zu. Im Erdgeschoss würde künftig die Kita angesiedelt, darüber der Ganztagsbereich und im zweiten Geschoss die Klassenräume. „Die ruhebedürftigen Schlafräume für die U3-Betreuung könnten sogar räumlich weit genug vom Ganztag entfernt realisiert werden.“  quelle und ganzer Beitrag

Ich möchte mich nun unwissend in eine schulinterne Diskussion einmischen doch erstaunt es schon, wenn letztlich Schulleitungen trotz ausgewiesener Leerräume solche Konzepte mit "kein Platz" kontern können. Es besteht Schulraum für 4 parallel geführte Jahrgangsklassen, derzeit führt man zwei Klassen, beansprucht also 50% des vorhandenen Schulraums. Möglich, dass einzelne Räume als Spezialzimmer eingerichtet wurden und man nicht mehr darauf verzichten möchte.

Es dürfte jedoch wie in vielen Schulen um etwas Anderes gehen. Nach wie definieren sich Schulen statusmässig über das "Kerngeschäft" (also "wirkliche Schule"). Irgendwie ist das unantastbar, was sich trotz inzwischen sicher 20-jähriger Bemühungen der Bundesländer und Kantone um Öffnung und Elternmitsprache organisatorisch zwar geändert haben mag, vielfach nur auf dem Papier. Im Grunde genommen läuft alles wie bisher, einfach mit einigen unangenehmen Anhängseln. Diese Bemerkung zielt jetzt überhaupt nicht auf diese Schule, sondern ist von wenigen Ausnahmen Flächen deckend zu konstatieren. Beispiel Eltern- oder Fördervereine:

Wieviele Eltern- oder Fördervereine wurden schon enthusiastisch gegründet und wenn man zwei Jahre später nachschaut, ist abgesehen von den Statuten und der halbjährlich vorgeschriebenen Zusammenkunft mit den Lehrkräften so gut wie nichts mehr an Aktivitäten übrig geblieben. Zu gross war die Ernüchterung der Eltern, dass sich viele ihrer gut gemeinten Vorschläge oder Angebote aus welchen Gründen auch immer, nicht realisieren liessen. Und nur um Kuchen für das Schulfest zu backen, dafür braucht man keinen Elternverein... Das alles ist schön abzulesen auf den Internetseiten der entsprechenden Schulen, auch im Falle der aktuell erwähnten Anlage. Attraktiv gemachte Seite und was macht der Förderverein? Was passiert in der Tagesschule ?

Nun also auch noch KITA? JA!!! Und hier ist nun die Politik gefordert. Es kann doch nicht sein, dass da nebeneinander bis zu drei verschiedene Autoritäten etwas leiten, was man generell unter "Förderung und Betreuung von Kindern" zusammenfassen könnte. Es geht nun nicht um Fachliches, sondern den organisatorischen Ablauf. Ich plädiere deswegen  dafür, wirklich Organisationsfachleute einzustellen, welche nicht branchenfremd, aber auch nicht zwingend Lehrkräfte sein müssen. Ihre Aufgabe ist es, Nutzungskonzepte den jeweiligen Bedürnissen entsprechend anzupassen und das notwendige Personal zu organisieren und zu führen. Der "kollegiale Führungsstil" ist meiner Auffassung nach eine halbe Lösung und führt zu nicht weniger Streit, als eine klare Schulführung durch eine Nicht-Lehrkraft, welche aber auf andern Gebieten hervorragend qualifiziert ist.

Denn seit zwanzig Jahren wird von Öffnung und Demokratisierung  der Schule gesprochen, haben unzählige Weiterbildungen zu diesem Thema stattgefunden, wurden neue Jobs geschaffen, Arbeitsgruppen mit Jahresstundenentlastung gegründet. Trotzdem ist das Klima in den meisten Schulen vor allem bei den Lehrkräften und Standesorganisationen:  "Schule sind wir, wir verbieten uns jede Einmischung".  Spätestens nach der Zusammenkunft mit Förder- oder Elternvereinen sind diese Einstellungen eklatant, denn es geht ja oft darum, dass Elternvereine in der Absicht, etwas zu verbessern, Bestehendes und bisher Praktiziertes in Frage stellen.  Dies erfordert die Bereitschaft, darauf offen einzugehen und nicht eine Hinhaltetaktik zu praktizieren (bringt doch mal ein Konzept, wir kommen in zwei Monaten wieder darauf zurück usw. usw), welche letztlich darauf abzielt, die "Gegenseite" zu ermüden "dann legt sich das wieder". Kooperation geht anders...

Das heutige  Beispiel zeigt einmal mehr: Schule ist nach wie vor etwas Individuelles, von Quartier zu Quartier, Gemeinde zu Gemeinde bieten sich individuelle, sinnvolle Lösungen an, welche am einen Ort funktionieren, am andern Ort nicht realisierbar sind. Im überlieferten Bemühen um  schulische Einheit bleibt dann eben alles in der Bürokratie oder aber an einem nach wie vor sehr ausgrenzenden Berufsverständnis der involvierten Angestellten und deren Vorgesetzten hängen. So kommt Schule nicht weiter, Beton statt Reform. Bunker statt Dialog. Schade.

Bisherige Beiträge aus dem Dossier Schule

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