Freitag, 11. November 2011

Standard& Poors: Einfach so aufs falsche Knöpfchen gedrückt?

Es ist doch toll, dass wir in der ersten Reihe sitzen und mitverfolgen dürfen, wie eine der grossen Ratingagenturen darüber befindet, ob  eine Nation noch kreditwürdig ist, oder eben in ihrer Kreditwürdigkeit herabgestuft wird. Wir alle, die wir der Meinung waren, das geschehe durch gründliches Analysieren und Auswerten der neuesten Daten, gemeinsames Besprechen unter Fachleuten, Zukunftsszenarien und -prognosen berücksichtigend und dann eine gemeinsame Entscheidungsfindung... wir alle werden nun eines Besseren belehrt:

Da sitzt also irgenwo in einem Büro ein Angestellter und verschickt um 17.58 e-Mails an die Abonnenten von Standard&Poors . Darin wird mitgeteilt, dass das Rating AAA für die Grand Nation nicht mehr zu halten sei, die Bonität abgestuft werde. Natürlich schlägt das ein wie eine Bombe, zumal seit Wochen in Finanzkreisen nicht darüber spekuliert wird ob, sondern WANN diese Abstufung kommen werde.
Vor allem die Politiker müssen sehr laut geschrieen haben, denn das war das absolute Horroszenario für die EU-Bosse.

Die Druckwelle der Explosion schlägt zurück in die Chefetage der Ratingfirma, welche kurz darauf erklärt, bei dieser Meldung handle es sich um einen "technischen Fehler". Das ist doch interessant: Die Technik ist also verantwortlich, nicht der Mitarbeiter. Man könnte also fragen, ob  Meldungen dieser Tragweite automatisch generiert werden, was ja auch nicht gerade Vertrauen erweckend wäre.

Eine andere Interpretation könnte dahin gehen, dass die Putzfrau beim abendlichen Reinemachen  unbeabsichtigt auf der Tastatur ein Knöpfchen erwischt hatte, was dann bedauernswerterweise diese Meldung ausgelöst hat. Das ist mindestens so glaubwürdig wie der "technische Fehler". Alles ist möglich, uns erstaunt inzwischen nichts mehr. Dass es dabei ausgerechnet Frankreich getroffen hat, ist ein weiterer trauriger Zufall... ohne irgendwelche Absicht.

Jetzt mal ganz ohne Ironie: Seit geraumer Zeit halten Finanzfachleute fest, dass Frankreichs Bonität fragwürdig ist. Selbst in EU-Kreisen sind derartige Äusserungen zu vernehmen. Es gibt beachtliche Risiken vor allem französischer Banken, welche in Südeuropa in grossem Stile involviert sind und gerade im Falle Italiens und Spaniens enorme Gelder in Anleihen parkiert haben. Ein Straucheln Italiens hätte fatale Folgen für diese Geldinstitute. Die Einschätzung dieser Risiken führte dazu, dass die Finanzfachleute zur Auffassung gelangten, Frankreich würde in diesem Falle unweigerlich in grösste Schwierigkeiten kommen, weshalb die AAA Bonität nicht aufrecht zu erhalten sei.

Es ist nicht neu, dass Standard&Poors als erste der drei grossen Ratingagen  vorprellt und Neubewertungen vornimmt. Das alles wäre also logisch, hätten wir da nicht so einen blöden "technischen Defekt", weshalb man die versandte Mail nach zwei Stunden für ungültig erklärt..

So könnte man fragen, wer denn genau dafür verantwortlich ist, dass die Chefs der Ratingagentur faktisch Selbstmord begehen, indem sie all dies wieder rückgängig machen und damit sich selbst disqualifizieren.

Leider ist es so, dass man, auch in der ersten Reihe sitzend, nur das mitkriegt, was auf der Bühne gespielt wird, der Blick hinter die Kulissen jedoch verwehrt bleibt...


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