Freitag, 27. Januar 2012

Das Problem mit den Exportweltmeistern



Frau Merkel hat anlässlich der Eröffnungsansprache des IWF in Davos darauf hingewiesen, dass Deutschland in Sachen Rettungsschirm und weiteren Zahlungen zurückhaltend bleiben werde, da ansonsten die Nation in finanzielle Schieflage geraten könnte, überfordert werde.

Diese Aussage ist sicherlich richtig und sollte Anlass sein, das zu überdenken, was in den letzten zwanzig Jahren wirtschaftlich abgelaufen ist. Es geht dabei um das Ringen nach wirtschaftlichem Wachstum, globalem Einfluss, Sicherung von Arbeitsplätzen ohne zu fragen, welcher Art diese sein sollten.

Exportweltmeister besagt im Wesentlichen, dass überproportional viele Güter der Inlandproduktion im Ausland verkauft werden. Dafür erhält man Devisen in harter Währung, erzielt also einen Überschuss. Die Abnehmerländer
müssen die aus Deutschland eingeführten Waren also in Euro bezahlen und dieses ausgegebene Geld irgendwoher generieren. Möglich, dass die betroffenen Länder selbst in einem bestimmten Wirtschaftssektor gute Produkte verkaufen können, oder aber, dass sie auf Rohstoffen sitzen, welche weltweit gesucht sind und mit harter Währung bezahlt werden. So fliessen Gelder ins Land und verlassen es auch wieder., indem Importe bezahlt werden.

Ein Land, welches keine der oben genannten Vorbedingungen erfüllt, kann an dieser Wirtschaftsrally nicht teilnehmen, da der Zufluss fehlt. Es ist möglich, dass Weltbank oder Entwicklungshilfe zeitlich befristet Gelder einschiessen, um damit Voraussetzungen für ein künftiges nationales Einkommen zu schaffen.

Ist das Verhältnis zwischen nationalem Einkommen und Ausgaben gestört, so müssen weitere Importe über Kredite oder andere Garantien abgesichert sein. Dieses Zahlungsbilanzdefizit ist auf Dauer ein problematischer Zustand, auch wenn er durch grosszügige internationale Kreditgeber bis zu einem bestimmten Finanzierungsgrad vermeintlich behoben wird. Vielfach sind es die Regierungen der betroffenen Nationen selbst, welche diese Kredite rein holen und damit versuchen, ihre Wirtschaft auf Trab zu bringen.

Das alles trübt den Blick auf die Realitäten, denn eigentlich müssten wir Folgendes zur Kenntnis genommen haben: Im Verlaufe der letzten 40 Jahre haben wir diverseste Schlüsselindustrien verloren, importieren also viele Gebrauchs- aber auch Spezialgüter aus Fernost. Textilindustrie, Schuhe, Metallindustrie, Schiffsbau, und auch im Automobilsektor stehen wir unter Druck. Wir stehen heute vor der Tatsache, dass wir exportmässig im Hochpreissegment weiterhin aktiv sind, verkaufen an gleichmächtige Partner oder aber der Geldfluss läuft nach dem System Bananen gegen BMW, Rohöl gegen Mercedes, billige Arbeitskraft und fragwürdige Arbeitsbedingungen dort gegen Wertschöpfung und maximierte Gewinne im eigenen Land.

So werden die Einen stärker und die anderen schwächer. Betrifft dies Länder weit weg, kriegen wir eigentlich nichts davon mit. Sind eben Entwicklungsländer, Schwellenländer, sollen mal ein bisschen die Ärmel hochkrempeln. Es kommt aber noch ein Faktor dazu: Auch die gewichtigsten Exporteure haben es bisher mit Ausnahme von China nicht geschafft, ihre Staatsschulden abzubauen – im Gegenteil.

Wenn jedoch Länder wie Griechenland, Portugal, Spanien, Italien in diesen Teufelskreis geraten, dann trifft uns das alle, schliesslich handelt es sich um EU-Staaten und wir haben dieselbe Währung. Damit dieser irre Wirtschaftswachstumswettbewerb weiter gehen kann, spannen wir Rettungsschirm auf Rettungsschirm, pumpen weiter Geld auf die Märkte, statten Soffin 2 mit weiteren 480 Mia € aus, damit die nationalen Banken vor dem Kollaps bewahrt werden usw. usw. Das alles dreht dann irgendwann immer schneller... Grotesk, nicht wahr?

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