Mittwoch, 1. Mai 2013

1. Mai-Splitter

Als Neubürger im ehemaligen Bauern- und Arbeiterstaat, in welchem noch dies und das nachwirkt, drängen sich natürlich am heutigen Tage einige Gedanken zu Themen auf, welche dann heute Abend im Fernsehen und morgen in den Zeitungen zu lesen sind:

Forderung nach Mindestlohn und das Gegenargument, damit werde der Wirtschaftsstandort Deutschland gefährdet.
Diejenigen, welche das sagen, gehören zweifellos NICHT zu der Gruppe der Tieflohnbezüger. Deswegen könnte man vielleicht folgende Regelung einführen: Jeder der solche Aussagen macht, muss sich ausweisen, dass er in den letzten drei Jahren mindestens drei Monate ununterbrochen mit dem Lohn, dem daraus resultierenden Budget in der dazu gehörigen Umgebung
gelebt und gearbeitet hat. Wer das nicht vorweisen kann und trotzdem vom gefährdeten Wirtschaftsstandort spricht, darf abgewatscht werden.

Fällige generelle Anhebung des Lohnniveaus in Deutschland
Seit rund 18 Monaten stänkere ich im Projektörchen mit Verweis auf Wettbewerbsverzerrung innerhalb der EU an diesem Thema herum. Nun ist es amtlich und bezüglich Reaktionen mit Ausnahme der Bundesbank politisch erstaunlich ruhig. Erstere darf laut Definition im ersten Thema abgewatscht werden.

Kapitalflucht-Steuerhinterziehung
Da hat also zumindest einer sehnsüchtig auf das Steuerabkommen zwischen der Schweiz und Deutschland gewartet und nachdem dies gescheitert ist, seine Anwälte beauftragt, Selbstanzeige zu machen. (Oder geschah diese doch erst, nachdem bereits die Staatsanwaltschaft Ermittlungen aufgenommen hatte?)

Egal. Die Semmel, welche von einer Angestellten im Lebensmittelgeschäft gegessen wird, ist ein Kündigungsgrund, gerichtlich geklärt. Wer Millionen verschiebt "ent-schuldigt" sich öffentlich mit einem Tränchen (vor Lachen oder Weinen über diese Posse?) und erhält Solidaritätsadressen. Sicher alles Leute, welche genau das nie machen würden... Ach ja. Wegen Steuerhinterziehung gehen der EU jährlich rund 1 Billion € durch die Latten. Wasser predigen, Wein saufen, sich entschuldigen und weiter: Wasser predigen, Wein saufen.

Sparen auf dem Buckel des Volkes
"Volk", das sind Diejenigen, welche im Grunde genommen die Klappe zu halten haben. Einmal im Jahr dürfen sie dann aufmarschieren, aber anständig bitte und moderat im Ton, sonst gibt es Hiebe. Deswegen überlässt man das Reden  den gut bezahlten Vertretern, welche dann als "Das Volk" sprechen.

Dieses Volk wird derzeit ganz schön zur Kasse gebeten. Nicht direkt finanziell, sondern indirekt. Der Staat zieht sich zurück, den "Sozialstaat" kann er sich nicht mehr leisten, sagt er. Eigenverantwortung ist gefragt. Krankenversicherung, Altersversicherung, usw. usw. Je nach Bundesland wirkt sich das verschieden aus. 

Hier in Sachsen-Anhalt werden mit dem Argument des Sparzwanges derzeit ganze Regionen "entschult". Es soll sich nicht mehr lohnen, Schule mit weniger als 80 Kindern zu führen. Nicht die Schule trägt Schuld, sondern Blindheit von Schulplanern und Teilblindheit der Finanzbehörden, welche die Weinsäufer nicht behelligt. Der entstehende Verlust wird dadurch ausgeglichen, dass "dem Volk" vom Gesetzgeber eigentlich garantierte Grundleistungen schlicht und ergreifend entzogen werden. 

Richtig protestiert gegen diesen schleichenden Abbau wird wohl erst dann, wenn ein Brief ins Haus flattert, dass sich die Gemeinde nicht mehr in der Lage sieht, das Trinkwassernetz der Region aufrecht zu erhalten und man sein Trinkwasser künftig an der Zapfstelle der Verwaltungsgemeinde beziehen könne. Das ist dann  Entlassung in die Eigenverantwortlichkeit. 

Auf diesem Wege sind wir schon ganz flott unterwegs..  und diejenigen, welche jetzt mit "Gutmensch" daherkommen, darf man abwatschen und zur Strafe müssen sie sich gegenseitig das Buch "Schuld, die letzten 5000 Jahre" vorlesen. Laut und deutlich.

Schönen 1. Mai.

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